Lufthansa: Zehntausende Fluggäste von Pilotenstreik betroffen

Die Streiks bei der Deutschen Lufthansa treffen Zehntausende Kundinnen und Kunden. Allein am Flughafen Frankfurt waren nach Angaben des Betreibers Fraport rund 50.000 Fluggäste betroffen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), die zu dem zweitägigen Streik aufgerufen hatte, sprach von insgesamt mehr als 700 gestrichenen Flügen. „Wir beobachten das Geschehen sehr genau und tracken, welche Flugzeuge am Boden bleiben“, sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro. „Bis jetzt läuft der Streik wie erwartet.“

Angaben der Lufthansa zufolge kann rund jeder dritte Kurzstreckenflug und jeder zweite Langstreckenflug am Montag und Dienstag planmäßig stattfinden. Bei der Lufthansa-Tochter Eurowings fänden rund 60 Prozent aller Flüge statt.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr gab sich unbeeindruckt von dem Arbeitskampf. Es sei besser, einige Tage ein kleineres Angebot durch die Streiks zu haben, als „irgendwann dauerhaft mit einer deutlich reduzierten Kernmarke“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Personalchef Michael Niggemann hatte zuvor indirekt mit Personalkürzungen gedroht: „Jeder Streik ​verkleinert die betroffenen Fluggesellschaften.“

VC fordert deutlich höhere Altersversorgung

Die VC hatte am Samstag zu 48-stündigen Arbeitsniederlegungen bei der Kernmarke Lufthansa, ihrer Frachttochter Cargo sowie der Cityline aufgerufen. Bei Eurowings wird 24 Stunden lang gestreikt. Die Pilotengewerkschaft fordert Verbesserungen bei der betrieblichen Altersvorsorge der Piloten und kritisiert fehlende Gesprächsbereitschaft bei der Lufthansa. Es ist bereits der dritte Streik im Zuge dieser Auseinandersetzung. 

Die Fronten zwischen Gewerkschaft und Unternehmen sind nach über einem halben Jahr jedoch verhärtet. Die VC fordert unter anderem, den Arbeitgeberbeitrag zur Betriebsrente deutlich zu erhöhen – etwa, wie in einer Beispielrechnung dargelegt, von 820 auf 1.800 Euro. Die Lufthansa sei in diesem Punkt im Vergleich zu ​den Konkurrenten Air France und KLM „unfassbar weit abgeschlagen“, sagte Pinheiro. Die Spanne liege bei der Lufthansa zwischen 2.000 und 5.000 Euro monatlich.

Weitere Streiks nicht ausgeschlossen

Lufthansa-Personalchef Niggemann wies die Forderungen hingegen als „absurd und unerfüllbar“ zurück. Die Altersversorgung der Lufthansa-Piloten sei „exzellent“ im Vergleich zu den anderen Airlines der Gruppe wie auch zu europäischen Wettbewerbern. Das Unternehmen beziffert ‌die Betriebsrente langjähriger Vollzeitbeschäftigter auf 5.400 Euro durchschnittlich, die zur gesetzlichen Rente von rund 3.000 Euro hinzukommen. Höhere Zahlungen lehnt das Unternehmen ab: „Diese Streiks werden unsere Strategie nicht beeinflussen“, betonte Niggemann.

Aufgrund der angespannten Situation im Tarifstreit sowohl mit der VC als auch mit der Flugbegleitergewerkschaft UFO, die am Freitag einen Tag gestreikt hatte, sucht die Lufthansa nun nach neuen Vermittlungsformaten wie einer Mediation. Man habe eine „gemeinsame Verantwortung“ für die Lufthansa-Gruppe und deren Beschäftigten, appellierte Niggemann an die Gewerkschaften. Die VC schloss hingegen nicht aus, erneut zu streiken. Die „Belastungen“ für die Fluggäste und das Bodenpersonal bedaure man, fügte VC-Präsident Pinheiro hinzu.