Tirade gegen den Papst: Trump hält sich zu Händen den Messias, oder doch nicht?

Da hilft nur noch beten. Donald Trump hat nicht nur die nächste Tirade gegen Papst Leo XIV. abgesondert. Er hat auf seiner Plattform Truth Social die Welt wieder einmal wissen lassen, wofür er sich hält: für den Erlöser, für den Sohn Gottes, der den Menschen das Heil bringt.
Er heilt durch Handauflegen
Als solchen sehen wir ihn auf dem KI-generierten Bild, das er seiner Schimpfkanonade über den Papst hinzugefügt hat. Da heilt der US-Präsident einen Kranken durch Handauflegen, von der Seite bewundern ihn Frauen und Männer, am Himmel fliegen Weißkopfseeadler und US-Kampfjets. Fünf Gestalten treten aus dem Firmament, bei denen man unwillkürlich an die (vier) Reiter der Apokalypse denkt.
Das würde zu Trumps Drohung, er werde in Iran eine ganze Zivilisation vernichten, passen. Auf der sehr ähnlichen Bildvorlage, die der ultrakonservative Kommentator Nick Adams, den Trump kürzlich zum Sondergesandten für US-Tourismus bestellte, Anfang Februar verbreitet hatte, waren noch fünf US-Soldaten am Himmel erschienen.
Mit seiner Ikonographie stößt Trump indes sogar in seinem eigenen Lager auf Widerspruch. Die abtrünnige Marjorie Taylor Green hält es nicht nur für Blasphemie, sondern für „antichristlich“. Der Influencer Milo Yiannopoulos meint, solche Spielchen habe man noch so lange toleriert, wie Trumps Versprechen, er werde die USA „retten“, gelten und er sich nicht wirklich für den Messias zu halten schien. Doch auch in dem Punkt darf man sich bei Trump nicht sicher sein.
Sein Rückzug nach dem Shitstorm ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. „Ich dachte, es ginge um mich als Arzt und hätte etwas mit dem Roten Kreuz zu tun“, schrieb der US-Präsident und löschte das Bild von seinem Account. Nur die „Fake-News-Medien“ könnten auf die Idee kommen, er halte sich für Jesus Christus. Ärztliche Hilfe dürfte ihm da freilich nicht helfen.
Source: faz.net