Erleichterung in Brüssel: Magyar verspricht nachher Wahlsieg „neue Ära“ für jedes Ungarn
Erleichterung in BrüsselMagyar verspricht nach Wahlsieg „neue Ära“ für Ungarn
13.04.2026, 17:20 Uhr

Der klare Wahlsieg des oppositionellen Peter Magyar in Ungarn hat weit über die Landesgrenzen hinaus für Reaktionen gesorgt. Viele Ungarn feiern die Abwahl Viktor Orbans, der neue Regierungschef verspricht einen Aufbruch. Auch die EU setzt große Hoffnungen auf Magyar.
Nach dem klaren Sieg des Pro-Europäers Peter Magyar über den vehementen Brüssel-Kritiker Viktor Orban bei der Parlamentswahl in Ungarn hofft die EU auf mehr Einigkeit und neuen Schwung. Zudem betonten viele Regierungen, dass die Niederlage des Rechtsnationalisten Orban ein Signal von internationaler Bedeutung sei. „Von Ungarn geht ein sehr klares Zeichen aus gegen den Rechtspopulismus auf der ganzen Welt“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz.
Wahlsieger Magyar kündigte in Budapest den Beginn einer neuen Zeitrechnung an. „Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um sicherzustellen, dass jetzt tatsächlich eine neue Ära beginnt“, sagte er. Die Ungarn hätten für einen „vollständigen Regimewechsel“ gestimmt.
Bereits am Sonntagabend hatte der Chef der konservativen Tisza-Partei zehntausenden feiernden Anhängern zugerufen: „Gemeinsam haben wir das Orban-Regime gestürzt – gemeinsam. Wir haben Ungarn befreit, wir haben uns unsere Heimat zurückgeholt.“
Rekordbeteiligung bei Wahl
Die Tisza-Partei konnte bei der Wahl laut dem nach Auszählung fast aller Stimmen veröffentlichten Ergebnis 53 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Damit errang sie 138 Mandate im 199 Sitze zählenden Parlament in Budapest. Orbans Fidesz-Partei kam mit 38 Prozent der Stimmen auf 55 Sitze. Angesichts der Bedeutung der Wahl waren so viele Ungarn zu den Urnen geströmt wie nie zuvor: Es wurde eine Rekordbeteiligung von 79,6 Prozent erzielt.
Damit eroberte Tisza im Parlament sogar die wichtige Zweidrittelmehrheit. Dies gibt Magyar genügend Spielraum auch für mögliche Änderungen an der Verfassung, die Orban in seiner 16-jährigen Regierungszeit immer mehr zu seinen Gunsten hatte ändern lassen. Der 62-Jährige erkannte bereits kurz nach Schließung der Wahllokale seine Niederlage an und gratulierte seinem Herausforderer zum Sieg.
Glückwünsche kamen auch aus fast allen Teilen Europas, wo die krachende Niederlage von Orban, der sich selbst gern als „Stachel im Fleisch“ von Brüssel bezeichnete, für Erleichterung sorgte. „Ungarn hat Europa gewählt“, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. „Heute Abend schlägt das Herz Europas in Ungarn stärker.“ Magyar hat angekündigt, einen pro-westlichen Kurs zu verfolgen und Ungarn zu einem verlässlichen Nato- und EU-Partner zu machen.
„Russen, geht nach Hause“
Merz gratulierte telefonisch und erklärte: „Wir werden kraftvoll für ein starkes, sicheres und vor allem geeintes Europa zusammenarbeiten.“ Das Wahlergebnis zeige, „dass unsere demokratischen Gesellschaften offensichtlich doch sehr viel widerstandsfähiger sind gegen russische Propaganda und weitere Einflussnahme von außen“, betonte Merz. Er zeigte sich zuversichtlich, dass nun auch ein bisher durch Ungarn blockierter Milliardenkredit für die Ukraine rasch freigegeben werden könne.
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk kommentierte das Wahlergebnis mit den Worten: „Russen, geht nach Hause.“ Orban hatte bis zuletzt trotz des Ukraine-Krieges gute Kontakte zu Kreml-Chef Wladimir Putin unterhalten, im Wahlkampf soll Moskau vor allem im Internet massiv Stimmung gemacht haben für den Amtsinhaber.
Aus Moskau hieß es: „Ungarn hat seine Wahl getroffen und wir respektieren dieses Votum.“ Kreml-Sprecher Dmitri Peskow äußerte zugleich die Hoffnung auf „sehr pragmatische Kontakte mit der neuen ungarischen Führung“.
Mehrheit in Ungarn feiert
Orban hatte im Wahlkampf auch massive Unterstützung aus Washington bekommen. US-Vizepräsident JD Vance reiste sogar extra nach Ungarn. Auch andere Rechtspolitiker hatten sich hinter Orban gestellt, eine davon war die französische Rechtspopulistin Marine Len Pen. Sie kritisierte die positive Reaktion und „Genugtuung“ der EU-Kommission über den Wahlausgang. Orban habe 16 Jahre lang „mit Mut und Entschlossenheit die Freiheit und Souveränität Ungarns verteidigt“, erklärte sie.
Dagegen weint die große Mehrheit der Ungarn ihrem Noch-Regierungschef keine Träne nach. Vor dem Wahlkampfhauptquartier der Tisza-Partei am Ufer der Donau schwenkten Magyar-Wähler die ganze Nacht hindurch ungarische Flaggen, einige zündeten Feuerwerkskörper. Überall in der ungarischen Hauptstadt ertönten Autohupen. „Ich fühle mich fantastisch!“, sagte Zoltan Sziromi, ein 20-jähriger Student. „Wir sind dieses System endlich losgeworden, und es wurde auch Zeit.“
Der 45-jährige Magyar gehörte früher dem Orban-Lager an und betrat erst vor zwei Jahren die große politische Bühne, indem er sich von Orbans Fidesz-Partei lossagte und an der Spitze der Tisza zum Oppositionsführer wurde. Während er beim Thema Europa ganz klar andere Positionen als Orban vertritt, ist er in anderen Bereichen eher auf der Linie seines Kontrahenten: Auch der künftige ungarische Regierungschef lehnt Waffenlieferungen an die Ukraine ab und vertritt einen scharfen Anti-Einwanderungskurs.
Source: n-tv.de