Kein Treffen mit Regierungsvertretern – Pahlavi nennt dasjenige „beschämend“
Der Sohn des früheren Schahs, Pahlavi, gilt vielen in Iran als Hoffnungsträger. Heute ist er in Berlin, Regierungsvertreter empfangen ihn aber nicht. „Beschämend“ sei das, sagt Pahlavi. Doch der Exil-Iraner ist umstritten.
Gegenüber von der Bundespressekonferenz haben sich rund drei Dutzend Anhänger von Reza Pahlavi versammelt. Drinnen ist der Andrang groß. Zahlreiche Fotografen und Kameraleute ringen um den besten Platz.
Pahlavi spricht dort über den Krieg – aber nicht über den zwischen Iran und den USA und Israel, sondern den zwischen dem Mullah-Regime und dem iranischen Volk. Auch mit Blick auf die Proteste im Januar sagt er: „Es ist ein Krieg, der seit 47 Jahren andauert. Ein Krieg, in dem das Regime gerade erst 40.000 Menschen massakriert hat.“ Es brauche den Sturz des Regimes in Teheran.
„Er hat seit 47 Jahren gekämpft für uns“
Wie seine eigene Rolle dabei aussehen könnte, lässt der Sohn des 1979 gestürzten Schahs dabei im Unklaren. Er stellt sich eine Übergangsregierung vor. Zugleich betont er, dass Millionen Menschen in Iran hinter ihm stehen würden. Es ist unklar, wie viele ihn tatsächlich unterstützen.
Zwischen Reichstag und Kanzleramt haben sich weitere Unterstützer versammelt, gegen Mittag sind es einige Hundert. Für sie ist der Schah-Sohn die Hoffnungsfigur: „Er ist unser Favorit. Und er ist derjenige, der unsere Bevölkerung unterstützt. Und er hat seit 47 Jahren gekämpft für uns“, sagt eine Frau.
Im Berliner Regierungsviertel versammelten sich viele Unterstützer Pahlavis.
Regierungssprecher: „Er ist ein Privatmann“
Pahlavi ist aber auch umstritten. Viele werfen ihm vor, sich nicht von der autoritären Herrschaft seines Vaters zu distanzieren. Vertreter der Bundesregierung werden sich nicht mit ihm treffen. Regierungssprecher Stephan Kornelius erklärte am Mittwoch: „Er ist ein Privatmann, der natürlich für eine Bewegung steht oder von einer Bewegung getragen wird. Aber die Bundesregierung sieht nun keinen Anlass, mit ihm das Gespräch zu suchen.“
Pahlavi übt darauf angesprochen in der Bundespressekonferenz deutliche Kritik. Es sei „beschämend, dass Regierungen, die unter Druck stehen, weil sie die Erpressungen des Regimes berücksichtigen müssen, nicht bereit sind, einen Dialog mit Menschen zu führen, die denen eine Stimme geben, die keine Stimme haben.“
Aber es gibt einige Politiker, die sich mit dem Schah-Sohn treffen. Vertreter von Union, SPD und Grünen sollen bei einem Gespräch dabei sein, unter anderem auch Armin Laschet von der CDU, Vorsitzender im Auswärtigen Ausschuss. Pahlavi sei einfach ein relevanter Gesprächspartner“, von dem man hören könne, wie die Lage in Iran sei., so Laschet im ARD-Morgenmagazin. „Wer soll denn der sein, der dann quasi den Übergang einleitet? Und da, glaube ich, könnten sich viele auf ihn verständigen.“
Linke: Nicht von Schah-Diktatur distanziert
Die Linke kritisiert das Treffen mit Pahlavi mit deutlichen Worten. Hochproblematisch sei das Gespräch, sagt Cansu Özdemir, außenpolitische Sprecherin der Fraktion. „Für mich wirft dieses Treffen die Frage auf, ob zentrale Akteure der deutschen Politik wirklich ein ernsthaftes Interesse an einer demokratischen Entwicklung in Iran haben“, so die Politikerin.
Und auch Özdemir kritisiert ein fehlende Abkehr von der Herrschaft des Vaters. „Ich sehe es als wirklich sehr kritisch, dass Pahlavi sich nicht klar vom autoritären Erbe der Schah-Diktatur distanziert.
In Berlin sehen das heute viele anders. Die Polizei rechnet mit mehreren Tausend Unterstützern auf den Straßen. Aber auch Gegendemonstrationen sind angekündigt.
Source: tagesschau.de