Infineon an welcher Deutscher Aktienindex-Spitze: Halbleiterbranche wittert Morgenluft
marktbericht
Infineon-Aktien führen den DAX nach guten Vorgaben der Konkurrenz an. Die Zahlen machen deutlich: Die Nachfrage nach Halbleitern, ob KI-getrieben oder analog, steigt wieder an.
Infineon-Aktien führen am frühen Nachmittag gegen den allgemeinen Trend den deutschen Leitindex DAX mit großem Vorsprung an – und setzen zudem ihren jüngsten Aufwärtstrend fort. Mit einem Kurs in der Spitze von bisher 52,80 Euro überspringen sie erstmals seit dem Jahr 2001 wieder die Marke von 50 Euro.
Der DAX hingegen dümpelt angesichts der Unklarheiten in der Iran-Krise weiter vor sich hin. Der Index droht wie bereits in den vergangenen beiden Handelstagen weiter Boden zu verlieren in Richtung der runden Marke von 24.000 Punkten. Am frühen Nachmittag sinkt der Index um rund 0,6 Prozent. Auch am Vortag ging es schon in ähnlicher Größenordnung bergab.
Gute Vorgaben von TI und STMicro machen Appetit auf mehr
Hintergrund der Kaufwelle bei Infineon sind gute Vorgaben der Konkurrenz. Sowohl der US-Chiphersteller Texas Instruments als auch STMicroelectronics aus Frankreich sorgen für viel Fantasie. Denn Künstliche Intelligenz (KI) und auch das Cloud-Geschäft der großen Konzerne werden massiv ausgebaut. Der Bedarf an Chips ist enorm – was die Nachfrage und damit die Preise treibt.
Texas Instruments (TI) gehört zudem im Berichtsszyklus zu den Frühstartern. Da deren Produkte in vielen Branchen zum Einsatz kommen, gelten die Ergebnisse als wichtiger Indikator für die weltweite Nachfrage. TI profitiert von einer starken Nachfrage nach seinen Analogchips im Zuge des Booms bei Rechenzentren und zeigt sich für das laufende Quartal optimistischer als gedacht.
Für das Vierteljahr rechnet TI mit einem Umsatz zwischen 5,0 und 5,4 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt 4,86 Milliarden erwartet. Auch die Vorhersage für den Gewinn liegt über den Prognosen. Schon das abgelaufene Quartal lief unerwartet gut.
Infineon plant Umsatzverdopplung bei KI-Chips
Eine Erholung der Nachfrage hat auch STMicroelectronics zu einem Quartalsergebnis über Markterwartungen verholfen. Trotz der unsicheren konjunkturellen Aussichten zögen die Auftragseingänge an und Kunden füllten ihre Lagerbestände wieder auf, sagte Jean-Marc Chery, der Chef des französisch-italienischen Chipkonzerns. Daher erwarte er für das laufende Vierteljahr ein beschleunigtes Wachstum.
Für das laufende zweite Quartal peilt STMicro ein Umsatzplus von rund 25 Prozent an. Ein Wachstumstreiber sei das Geschäft mit Leistungshalbleitern für KI-Rechenzentren, betonte Chery. Diese Sparte werde 2026 voraussichtlich Einnahmen von mehr als 500 Millionen Dollar generieren, die sich 2027 auf über eine Milliarde Dollar verdoppeln.
Auch Infineon setzt große Hoffnung in diese Produkte und wird Anfang Mai seine Quartalszahlen vorlegen. Der Konzern peilt für das Geschäftsjahr 2025/2026 Erlöse von 1,5 Milliarden Euro in diesem Bereich an, die sich im darauffolgenden Jahr auf 2,5 Milliarden Euro nahezu verdoppeln sollen.
Das Kerngeschäft von STMicro und Infineon sind jedoch Chips für die Automobilindustrie. Die Hersteller hatten sich im vergangenen Jahr wegen schwächelnder Absätze mit Bestellungen zurückgehalten. Stattdessen griffen sie verstärkt auf ihre Lagerbestände zurück, die dadurch auf ein unterdurchschnittliches Niveau schrumpften.
Analog versus digital
Was aber ist der Unterschied zwischen digitalen und analogen Chips? Dieser liegt primär darin, wie Informationen verarbeitet werden. Analoge Chips arbeiten mit kontinuierlichen Signalen (zum Beispiel Strom, Lautstärke oder Licht) aus der Umwelt, die sie verarbeiten oder umformen – etwa bei der Verstärkung von Signalen bei Mikrofonen, bei Netzteilen oder der Signalumwandlung von analog in digital.
Bekannteste Anwendungsbereiche sind Smartphones, Autos oder die Audio- und Videotechnik. Sie werden auch für die Stromversorgung von Rechenzentren gebraucht.
Auch digitale Chips stecken in allen modernen Anwendungen, kennen aber bei der Verarbeitung nur diskrete Signale (0 und 1). Sie eignen sich besser für komplexe Rechnungen und exakte Speicherungen. Zudem sind sie flexibler, das heißt sie können für mehrere Aufgaben programmiert werden. In der Praxis werden beide Systeme meist nebeneinander genutzt.
Source: tagesschau.de
