Tote Ratten, Mottenbefall – Polizeigewerkschaft veröffentlicht Fotos aus Berliner Polizeirevier
Auf einem der wichtigsten Polizeiabschnitte der Hauptstadt herrschen offenbar unhaltbare hygienische Zustände und bauliche Mängel. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) veröffentlichte Fotos von den Zuständen der dortigen Räumlichkeiten der Direktion 5 im Abschnitt 1 an der Friedrichstraße und macht den Verantwortlichen zugleich schwere Vorwürfe. Zuständig ist die Direktion unter anderem für Kottbusser Tor und Görlitzer Park – also zwei Brennpunkte, die immer wieder für Negativ-Schlagzeilen sorgen.
Der zuständige Personalrat bezeichnete nun das Gebäude als „baufällige Ruine“: Es soll nicht nur an Platz mangeln, sondern auch an funktionierender Infrastruktur sowie hygienischen Standards. So sollen Kleidermotten aus Schränken fliegen und tote Ratten entdeckt worden sein.
Auch in den Wachräumen und Sozialbereichen soll es gravierende Mängel geben: Monitore werden demnach aus Platzmangel auf Fensterbänken abgestellt, ein Pausenraum sei mit beschädigten Möbeln notdürftig eingerichtet. Ein barrierefreier Zugang soll vollständig fehlen. Zudem sollen offenliegende Stromkabel mit Paketklebeband gesichert worden sein. Für Funkwagen gibt es demnach zu wenige Stellplätze, Bauarbeiten hätten gefährliche mineralhaltige Stoffe freigelegt und eine sicherheitsrelevante Scheibe fehlte ebenfalls seit Monaten, wodurch Räume nicht genutzt werden können. Besonders brisant: Ein wichtiger Fluchtweg soll zugemauert worden sein.
GdP-Landesvize Thorsten Schleheider kritisierte, man habe von „unerträglichen Zuständen, dem Wegignorieren arbeitsrechtlicher Vorschriften und eklatanter Gesundheitsgefahren“ erfahren. Es sei ein positives Signal, dass der Personalrat „auf diese gravierenden Missstände hinweist“, heißt es in einer Mitteilung.
Kritik richtet sich neben der Direktionsleitung auch gegen das landeseigene Immobilienmanagement (BIM), da notwendige Sanierungen einfach ausblieben. Zwischenzeitlich sei sogar vorgeschlagen worden, dass Beamte selbst zu Farbeimer und Rolle greifen. Schleheider nennt das eine „Raketenwissenschaftleridee“ und stellt klar: „Polizeivollzugsbeamte sind keine günstige Alternative zu Malermeistern.“
Die Zustände, bei denen andernorts Gebäude aus Gesundheitsgründen geschlossen würden, könnte aus seiner Sicht „keiner einfach wegatmen“. Für die GdP ist der Fall ein weiteres Beispiel für die Folgen des milliardenschweren Sanierungsstaus bei Berliner Polizeigebäuden.
Die teils katastrophalen Zustände in Polizeigebäuden sind seit Jahren Thema – nicht nur in Berlin, sondern bundesweit. 2025 beklagte die Gewerkschaft der Polizei bundesweit Hunderte marode und teilweise gesundheitsgefährdende Dienststellen. Genannt wurden unter anderem Schimmel, Ungeziefer, kaputte Heizungen, „jahrzehntealte Toilettenbecken“ sowie Löcher in Dächern, durch die es regnet. GdP-Bundesvorstandsmitglied Hagen Husgen sprach bereits davon, es sei „teilweise gesundheitsgefährdend“, was Beamten zugemutet werde, und forderte mehr finanzielle Unterstützung sowie ein Sondervermögen für die innere Sicherheit.
Source: welt.de