Bus und Bahn: Ein „Niederlandeticket“ nachher deutschem Vorbild rückt näher

Die Niederlande erwägen, im Sommer zeitweilig eine Pauschalfahrkarte ähnlich dem Deutschlandticket einzuführen. Nach den Worten von  Ministerpräsident Rob Jetten versucht die Regierung, einen entsprechenden Vorschlag der Opposition für ein „Niederlandeticket“ in die Tat umzusetzen. Es soll 49 Euro im Monat kosten und in Zug, Bus, Straßenbahn und Metro gelten. Wichtige Einschränkung: Die Karte würde außerhalb der Hauptverkehrszeiten gelten und damit beispielsweise dem typischen Berufspendler nicht helfen. Der Preis läge etwas unter den 63 Euro des deutschen Pendants – auf nur einem Zehntel der Landesfläche. Andererseits gilt die deutsche Karte nur im Nahverkehr. 

Das Thema kam diese Woche in der Unterhausdebatte über steigende Lebenshaltungskosten zur Sprache. Die Minderheitsregierung von Links- und Rechtsliberalen und Christdemokraten hatte zuvor ein Bündel von Maßnahmen beschlossen, das Bürger im Gesamtvolumen von knapp einer Milliarde Euro entlasten soll. Nicht darin enthalten: der öffentliche Verkehr. Das oppositionelle Bündnis aus Grünen und Sozialdemokraten, das bald auch formal unter dem Namen „Progressive Niederlande“ fusionieren will, dringt daher nun zusätzlich auf die „Niederlandekarte“. Im Nachbarland fahren Bürger Bus und Bahn auch regulär mit einer einheitlichen Plastikkarte („OV-Chipkaart“). Sie rechnet jede Fahrt einzeln je nach zurückgelegter Strecke ab. Nutzer checken dafür ein und aus, Bargeldzahler sind ausgeschlossen.

49 Euro für den Kunden, 118 Millionen für das Land

Die Regierung möge das „Niederlandeticket“ als 49-Euro-Ticket in einem ersten Schritt für drei Monate im Sommer ermöglichen, beantragte Jesse Klaver, Fraktionsvorsitzender des grün-linken Bündnisses, in der Zweiten Kammer. Der Vorstoß wurde von anderen Oppositionsparteien unterstützt. Klaver sagte in der Debatte, die Kosten seien schon mit dem zuständigen Ministerium erörtert worden: „Aus der Erinnerung heraus sage ich, dass das 118 Millionen wären.“ 

Jetten antwortete, die Regierung habe in jüngster Zeit nach Möglichkeiten gesucht, den öffentlichen Verkehr kurzfristig attraktiver zu machen und Autofahrer zum Umstieg zu bewegen. Dies über die Mehrwertsteuer zu regeln, wie von einer anderen Oppositionspolitikerin angeregt, scheine auf die Schnelle nicht machbar zu sein. Klavers Variante eines Billigtickets außerhalb der Verkehrsspitze aber „kann wahrscheinlich ausgeführt werden. Wir sind daher auch sehr dazu bereit, uns darum zu kümmern und dafür zu sorgen, dass wir das mit den Betrieben des öffentlichen Verkehrs kurzfristig schaffen können.“

Weil die Kraftstoffpreise als Folge des Irankriegs deutlich gestiegen sind, hatte die Regierung in Den Haag Steuererleichterungen im Gesamtvolumen von knapp einer Milliarde Euro angekündigt. Pendler, Lastwagenfahrer und Fischer werden entlastet. Die Kraftstoffsteuer soll, anders als von manchen gefordert, nicht gesenkt werden.