Irankrieg versus Steuersenkung: So teuer werden Öl und Benzin jetzt in Deutschland
Der Ölpreis am Weltmarkt ist mit Blick auf die gescheiterten Friedensverhandlungen der Vereinigten Staaten mit Iran und die Ankündigung aus Washington, nun ebenfalls die Straße von Hormus zu blockieren, stark angestiegen.
Sowohl die amerikanische Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) als auch die Nordseesorte Brent notierten am Montagmorgen oberhalb von 100 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter). Für beide Ölsorten betrug der Preisanstieg mehr als acht Prozent – das ist selbst für einen äußerst schwankungsanfälligen Preis wie den des Öls relativ viel.
Preiserhöhung pünktlich zur Mittagsstunde
Auch an den Tankstellen in Deutschland, die jetzt nur noch um zwölf Uhr mittags die Preise anheben dürfen, gab es abermals einen Preissprung. Morgens waren die Preise für Benzin und Diesel noch leicht niedriger gewesen als am Wochenende, berichtet der Autoclub ADAC. Pünktlich zur Mittagsstunde aber zogen die Spritpreise fast überall an.
Super E10 verteuerte sich sprunghaft um 11,4 Cent auf 2,181 Euro je Liter. Der Preis für Diesel stieg im Durchschnitt in Deutschland von einer Minute auf die andere um 12,5 Cent auf 2,385 Euro je Liter. „Der Anstieg des Ölpreises im Tagesverlauf spiegelt sich umgehend auch in den sehr deutlichen Aufschlägen der Kraftstoffpreise heute Mittag wider“, kommentierte eine ADAC-Sprecherin. Das sei der höchste Preisanstieg seit Einführung der neuen Zwölf-Uhr-Regel gewesen.
Auch Heizöl wurde deutlich teurer. Nach Zahlen der Internetplattform Heizoel24, an die 500 Ölhändler ihre Preise melden, kosteten 100 Liter bei der Abnahme von 3000 Litern rund 146 Euro. Das waren etwa sechs Euro mehr als am Freitag, die Höchststände aus der vergangenen Woche wurden aber noch nicht wieder erreicht.
Verbraucher stünden jetzt vor einer klassischen Abwägung, wenn der Öltank leer sei, schreiben die Analysten von Heizoel24: Kaufen oder abwarten? Schließlich ist die Heizperiode zumindest noch nicht zuverlässig vorbei. Angesichts der starken Preisschwankungen in beide Richtungen sei es für Verbraucher schwer, den günstigsten Zeitpunkt zu treffen, meinen die Analysten. Was bis zum nächsten Winter passiert, weiß natürlich niemand. Für den Markt zähle vor allem eine Frage: „Wie weit geht die Eskalation tatsächlich?“ Solange Einigkeit in weiter Ferne liege und weitere militärische Schritte möglich seien, blieben Risiko und Preise oben.
Direkte Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad waren ohne greifbares Ergebnis geblieben. Trump hat eine Blockade von Schiffen in der Straße von Hormus angekündigt, die iranische Häfen anlaufen oder von ihnen auslaufen. Zugleich erläuterte das Militär, dass die Durchfahrt von Schiffen, deren Ziel oder Startpunkt kein iranischer Hafen ist, nicht beeinträchtigt werde. Trump will mit der Hormus-Blockade verhindern, dass Iran Gebühren von Reedereien für eine Durchfahrt durch die Meerenge verlangt, und das Land gleichzeitig von Öleinnahmen abschneiden.
Wer die Straße blockiert, ist dem Ölmarkt relativ egal
Verbraucher müssen sich also offenkundig weiter auf hohe Öl- und Spritpreise einstellen. Wer die Straße von Hormus blockiert, ob Iran oder Trump, ist dem Ölmarkt offenkundig relativ egal.
Sicherlich dämpfende Auswirkungen auf den Spritpreis dürfte die von der Bundesregierung angekündigte Steuersenkung haben. Die Energiesteuer für Diesel und Benzin soll um jeweils rund 17 Cent brutto je Liter gesenkt werden, dies soll auf zwei Monate begrenzt sein. Von wann an genau die Energiesteuer gesenkt werden soll, ist unklar.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie en2x, der die Markentankstellen in Deutschland vertritt, hob hervor, dass die Entlastung nichts an der „sich verschärfenden Knappheit an Rohöl und Ölprodukten weltweit und damit auch in Europa und Deutschland“ ändere. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin wiesen auf das Risiko hin, dass die Mineralölbranche einen Teil des Steuervorteils einbehalte.
2022 hatte die Bundesregierung als Reaktion auf die infolge des Ukrainekrieges extrem gestiegenen Spritpreise einen auf drei Monate befristeten „Tankrabatt“ eingeführt. Damals wurde die Energiesteuer für Diesel um 14,04 Cent pro Liter gesenkt, für Superbenzin um 29,55 Cent pro Liter. Weil auf diese Beträge auch die Mehrwertsteuer wegfiel, ergab sich insgesamt eine Reduzierung der Steuern auf Sprit um knapp 17 Cent für Diesel und gut 35 Cent für Benzin.

Was für Autofahrer stärker wirkt, die anstehende Steuersenkung oder der Ölengpass, lässt sich nur grob abschätzen: Wenn die Steuersenkung weitergegeben wird, macht sie zumindest mehr aus als der Spritpreisanstieg am Montag. Im Vergleich zum Preisanstieg seit Beginn des Irankriegs von mehr als 30 Cent je Liter für Super E10 und mehr als 50 Cent je Liter für Diesel gleicht sie hingegen nur einen Teil aus.
Steffen Bock von der Internetplattform Clever Tanken sagte, vonseiten der Marktentwicklung erwarte er nun in nächster Zeit eher eine Seitwärtsbewegung der Spritpreise. Die Senkung der Energiesteuer müsste allerdings in voller Höhe an die Verbraucher weitergegeben werden. „Die Möglichkeiten, dies zu überprüfen, wurden ja kürzlich geschärft“, sagte Bock. Der Benzinfachmann meint: „Unter dem Strich dürfte eine Entlastung der Verbraucher entstehen.“
Förderung sinkt um gut 7,5 Millionen Barrel je Tag
„Wer die Straße von Hormus blockiert, ist nicht so wichtig“, sagte Frank Schallenberger, Ölfachmann der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): „Entscheidend ist, dass der Öltransport gestört war und voraussichtlich zunächst weiterhin gestört bleibt.“ Im Februar hätten 60 bis 80 Tanker je Tag die Straße von Hormus passiert – im März seien es nur noch null bis vier je Tag gewesen.
Weil das Öl nicht transportiert werden könne, müssten die Ölförderer – wegen beschränkter Lagerkapazitäten – die Produktion drosseln, führte Schallenberger aus. Allein im März dürfte die Ölförderung im Irak um 2,8 Millionen Barrel je Tag eingebrochen sein, in Saudi-Arabien um 2,1 Millionen Barrel je Tag, in den Vereinigten Arabischen Emiraten um 1,4 Millionen Barrel je Tag und in Kuwait um 1,2 Millionen Barrel je Tag.
In der Summe sei die Ölförderung der zwölf OPEC-Staaten im März gegenüber dem Vormonat um gut 7,5 Millionen Barrel je Tag gesunken. Nachdem am Ölmarkt im Januar und im Februar noch ein Angebotsüberschuss von rund drei Millionen Barrel je Tag zu verzeichnen gewesen sei, habe sich das im März zu einem deutlichen Angebotsdefizit geändert, sagte Schallenberger.
„So wie es aktuell aussieht, wird sich daran im April nicht viel ändern“, meinte der Analyst: „Und je länger dieses Defizit anhält, desto länger werden uns die sehr hohen Ölpreise erhalten bleiben.“
„Zwei Faktoren sind entscheidend für den Ölmarkt“, sagte Giovanni Staunovo, Ölanalyst der Bank UBS, „die Dauer der Unterbrechung und die Höhe des Produktionsunterbruchs.“ Solange die Straße von Hormus geschlossen bleibe, bleibe der Ölmarkt unterversorgt: „Das sollte den Ölpreis gestützt halten.“
Source: faz.net