Annalena Baerbock: Überraschender Auftritt in dieser „Daily Show“

Als Präsidentin der UN-Generalversammlung war Annalena Baerbock in der „Daily Show“ und sorgte mit Witzen und ernsten Worten für Aufsehen.
Annalena Baerbock (45) spielt in Deutschland politisch aktuell keine große Rolle, doch in den USA war die frühere Bundesaußenministerin der Grünen am Montagabend ein gefragter Gast: In der Satiresendung „The Daily Show“ saß die Politikerin knapp 20 Minuten lang Star-Moderator Jon Stewart (63) gegenüber – einem der einflussreichsten Politik-Satiriker Amerikas, dessen Show seit Jahrzehnten vor allem jüngere Zuschauer prägt. Baerbock wurde in ihrer Funktion als Präsidentin der UN-Generalversammlung eingeladen. Ein Amt, das sie seit September 2025 von New York aus ausübt.
Thanksgiving mit verschrobenen Onkeln und Hippie-Müttern
Stewart eröffnete das Gespräch mit dem Hinweis, dass die meisten Zuschauer wohl nicht wüssten, dass die UN-Generalversammlung überhaupt eine Präsidentin hat. Baerbock antwortete entspannt und hatte ihren Auftritt erkennbar gut vorbereitet. Ihre Aufgabe, 193 Mitgliedsstaaten unter einen Hut zu bringen, veranschaulichte sie mit einem humorvollen Bild, das beim Publikum für Lacher sorgte. „Stellen Sie sich vor, Sie bringen Ihre Familie für Thanksgiving am Tisch zusammen – und Sie haben einen verschrobenen Onkel, eine Hippie-Mutter, und dann sollen die alle zusammen aus demselben Liederbuch singen.“ Ihr Job sei es, dieses „Liederbuch“ zu verteidigen – also die Grundsätze der UN-Charta: Frieden, Sicherheit, nachhaltige Entwicklung, Menschenrechte.
Stewart wollte natürlich wissen, wer denn nun die Atombombe halte – der Griesgram-Onkel oder die Hippie-Mutter? Baerbock wich der Frage gekonnt aus: „Offen gesagt: In der Geschichte waren es selten die Frauen, die die Atombombe hatten.“ Die Lacher hatte sie damit erneut auf ihrer Seite. Dann wurde sie ernster: Die Vereinten Nationen seien „nicht dafür gedacht, die Menschheit in den Himmel zu bringen, sondern die Menschheit vor der Hölle zu bewahren“.
Annalena Baerbock: „Leider war das mein Land“
Dass diese Worte ausgerechnet aus dem Mund einer Deutschen kamen, ließ Stewart nicht unkommentiert. Er bemerkte, mit einer Anspielung auf den Holocaust, der Satz klinge auf Deutsch bestimmt exzellent. Baerbocks Antwort war knapp und ohne Ausweichen: „Leider war das mein Land. Und wir haben unsere Lektionen gelernt.“ Sie erinnerte daran, dass die Vereinten Nationen in einer Welt gegründet wurden, die zwei Weltkriege und den Mord an sechs Millionen Juden hinter sich hatte. Prävention bringe wenig Ruhm, aber die UN seien eben dafür da, Katastrophen zu verhindern – nicht, sie zu bejubeln. Am Ende verabschiedete Stewart seinen Gast ehrfurchtsvoll mit „Madam President“.
Deutsche Gäste sind in der „The Daily Show“ eine Seltenheit. Vor Baerbock hatten dort aber bereits unter anderem Regisseur Werner Herzog (83), Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg (40), Schauspieler Daniel Brühl (47), der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (1942-2023) sowie Ex-Außenminister Joschka Fischer (78) Auftritte.
Übrigens: Wer die beliebte Satiresendung „heute-show“ mit Oliver Welke (60) im ZDF kennt, kennt im Grunde auch das US-amerikanische Pendant. Die deutsche Variante ist von Jon Stewarts „The Daily Show“ inspiriert und gilt als direkte Adaption.
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Source: stern.de