Motorenhersteller: Betriebsrat fürchtet um Entwicklerstellen für Rolls-Royce Power Systems

Der Gesamtbetriebsrat des Motorenherstellers Rolls-Royce Power Systems (RRPS) befürchtet die Verlagerung von rund 2000 Entwickler-Stellen vom Stammsitz in Friedrichshafen am Bodensee nach Indien. „Wenn wir so weitermachen, stehen wir in fünf Jahren wieder hier und überlegen, wie wir weit mehr Stellen abbauen können“, sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Thomas Bittelmeyer, bei einer Betriebsversammlung vor der Zentrale. Hintergrund der Warnung ist die Ankündigung der RRPS-Muttergesellschaft, des englischen Triebwerksherstellers Rolls-Royce, bis 2029 in Indien rund 10.000 neue Stellen zu schaffen – vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung und Digitalisierung.
„Wenn Rolls-Royce-Chef Tufan Erginbilgic genau diesen Plan hat, werden die Stellen nicht neu aufgebaut, sondern sie werden weltweit von den einzelnen Standorten verschwinden“, erklärte der Arbeitnehmervertreter am Montag. „In diesem Fall sind wir ein Produktionsstandort ohne Entwicklung und damit endgültig nur noch ein Wurmfortsatz von England.“ Bittelmeyer macht folgende Rechnung auf: Konzernweit habe Rolls-Royce rund 13.000 Entwickler. Wenn Rolls-Royce plane, davon 10.000 in Indien anzusiedeln, seien das 80 Prozent – und auch RRPS müsste 80 Prozent seiner 2300 Entwickler-Stellen, also 1840 Jobs, verlagern.
RRPS verlagert Zentralfunktionen nach Polen
„Wir zeigen der Bundesrepublik gerade, dass uns Jobs in Deutschland nicht so wichtig sind. Dabei gehört die Bundesrepublik zu unseren wichtigsten Kunden“, sagte Bittelmeyer mit Blick auf die seit rund zwei Jahren anziehenden Verteidigungsaufträge. Das Unternehmen stellt Großmotoren auf Dieselbasis her – unter anderem für die Panzer Puma, Leopard und Boxer sowie für die Panzerhaubitze 2000.
Dass der Gesamtbetriebsrat jetzt mit seiner Warnung die Belegschaft informiert, gründet sich darauf, dass das RRPS gerade erst 210 Kollegen aus den Bereichen Personal, Finanzen und IT informiert hat, ihre Stellen nach Krakau in Polen zu verlagern. Das geschieht mit dem Ziel, konzernweit Abläufe als „Group Business Services“ (GBS) effizienter zu organisieren. Bereits im vergangenen Jahr hat RRPS 80 Stellen aus dem Bereich Rechnungslegung in Krakau neu angesiedelt. „Das Schlimmste ist, dass das alles in einer Zeit geschieht, in der wir nicht in der Krise sind“, sagte Bittelmeyer vor den nach Betriebsratsangaben rund 4000 Mitarbeitern.
Thelse Godewerth, Arbeitsdirektorin und für Personal verantwortliches Mitglied des Vorstands, verteidigte das Vorgehen. „Wir werden die GBS-Strategie fortsetzen, aber wir dürfen die Sache durch Spekulationen nicht größer machen, als sie ist“, erklärte Godewerth. „Wir sind ein erfolgreiches Unternehmen, es geht um 290 Stellen, davon weniger als die Hälfe am Stammsitz in Friedrichshafen. Der Herzschlag von RRPS bei Entwicklung und Produktion bleibt am Bodensee.“ Konkret zu den Plänen der Muttergesellschaft wollte sich Godewerth nicht äußern.