Sanierungsfall: Kamerahersteller Arri bekommt kombinieren neuen Eigentümer
Der Münchner Filmkamerahersteller Arri hat zu den Hidden Champions gehört. Seine Filmkameras wurden in Hollywoodproduktionen wie dem Kassenschlager „The Revenant“ mit Leonardo DiCaprio eingesetzt. Arri-Kameras galten als Industriestandard in Hollywood, große Kinoproduktionen und viele oscarnominierte Filme wurden damit produziert. Der James-Bond-Film „Skyfall“ oder „Das Boot“ zählen auch dazu. Im vergangenen Jahr erhielt das Kamerastabilisierungssystem Trinity 2 einen Technik-Oscar.
Doch nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit ist der deutsche Weltmarktführer in den vergangenen Jahren in eine schwere Krise geschlittert, die nun zu dem Verkauf an den Wuppertaler Unternehmer Thomas Riedel führte. Ob damit die schon ergriffenen Sanierungsmaßnahmen der bisherigen Eigentümerfamilie abgeschlossen sind, ist fraglich. Denn so technisch hochwertig die Arri-Kameras auch sind, es gibt dafür nicht mehr den Bedarf wie in früheren Zeiten.

Angespannte Liquiditätslage
Insbesondere die Corona-Pandemie und der Streik der Schauspieler in Hollywood setzten dem Unternehmen zu, ebenso wie deutlich billigere Digitalkameras, die in der Bildqualität aufgeschlossen haben. Die teuren Arri-Kameras haben sich für viele Filmproduktionen nicht mehr gerechnet. Die Umsatzentwicklung – rund 500 Millionen Euro im Jahr 2023 – war in den vergangenen Jahren rückläufig und konnte durch Kosteneinsparungen nicht aufgefangen werden. Die Folge waren Verluste. Die Geschäftsführung musste eine angespannte Liquiditätslage einräumen.
Die Werke in Stephanskirchen und Brannenburg wurden zum 31. Dezember 2025 mit insgesamt 150 Mitarbeitenden geschlossen. In der Münchner Konzernzentrale wurde im vergangenen November der Abbau von bis zu 170 der insgesamt 600 Stellen angekündigt. Nicht betriebsnotwendiges Geschäft wurde verkauft. „Ziel dieser Maßnahme ist es, Arri nachhaltig an die veränderten Marktgegebenheiten anzupassen und die Arbeitsplätze der verbleibenden Belegschaft langfristig zu sichern“, hieß es damals seitens der Geschäftsführung.
Umwandlung von AG in GmbH
Viele der rund 1300 Arri-Mitarbeiter sind von der Entwicklung so verunsichert, dass sie sich um neue Jobmöglichkeiten bemühen. Das Wort Insolvenz machte in der Belegschaft des Traditionsunternehmens die Runde. Die Eigentümerfamilie Stahl musste die Pläne eines Börsengangs begraben: Nach zwei Jahrzehnten wurde die Dachgesellschaft von einer AG in eine GmbH umgewandelt.
Nun wurde ein Retter gefunden: Thomas Riedel. Der Wuppertaler Unternehmer ist Gründer und Inhaber von Riedel Communications und der Riedel Group. Diese hat sich auf Technologie- und Infrastrukturlösungen für Audio, Video und Daten spezialisiert und wird international für Liveübertragungen eingesetzt. Die im Jahr 1917 gegründete Arri-Gruppe wird weiterhin ein eigenständiges Unternehmen neben der Riedel Group bleiben.

Premiere beim Eurovision Song Contest
Jedoch soll es eine enge strategische Verbindung zwischen Arri und der Riedel Group geben, um damit die gemeinsame Expertise entlang der gesamten Produktionskette – von der Kameraoptik bis zur Ausspielung – zu erweitern. „Das einzigartige Arri-Ökosystem aus Kamera-, Beleuchtungs- und Systemtechnologie ergänzt das bestehende Portfolio der Riedel Group ideal und eröffnet neue technologische und marktstrategische Perspektiven für beide Unternehmen“, hieß es in der Pressemitteilung.

In enger Zusammenarbeit wollen Arri und Riedel neue Wachstumsfelder erschließen, vor allem im Bereich Live-Entertainment und Sport. Durch die Zusammenführung von Arri- und Riedel-Technologien sollen integrierte Lösungen entstehen, die Kunden neue kreative und technische Möglichkeiten eröffnen. So ist geplant, die Arri-Kameratechnik beim Eurovision Song Contest einzusetzen.
Ob der Kamerahersteller an seine ruhmreiche Vergangenheit mit insgesamt 20 Technik- und Wissenschafts-Oscars anknüpfen kann, ist noch offen, ebenso ob weitere Sanierungsschritte notwendig sind. Die bisherige Eigentümerfamilie Stahl hofft auf eine Wende zum Positiven: „Diese Erfolgsgeschichte wird nun fortgeschrieben und verbleibt in deutscher Unternehmerhand“, erklärte Walter Stahl, Geschäftsführer der Arri GmbH und Mitglied der Gründerfamilie.
„Meine unternehmerische Geschichte ist seit jeher eng mit der von Arri verbunden”, lässt sich Thomas Riedel in der Pressemitteilung zitieren. Er wertet die Übernahme für sich als bislang größten persönlichen Meilenstein. Riedel sieht enormes Potential und will Arri gemeinsam weiterentwickeln und neue Wachstumsimpulse setzen.