Energiekrise: Lars Klingbeil fordert Schritte gegen nahenden Kerosinmangel
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat konkrete Schritte gegen einen drohenden Kerosinmangel in Deutschland gefordert. Laut der Internationalen Energieagentur IEA könnte bereits im kommenden Monat in Europa das Kerosin knapp werden. »Wir müssen die Warnungen vor Kerosinknappheit sehr ernst nehmen«, sagte Klingbeil dem Spiegel. Damit kritisiert der Vizekanzler indirekt seine Kabinettskollegin, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die bislang keine Engpässe befürchtet.
Nach Ansicht Klingbeils muss sich die Welt auf lang anhaltende Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten einstellen. »Wir sind in einer Situation, die ähnlich herausfordernd ist wie die Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine«, sagte er auf dem Rückflug aus Washington, wo er an der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfond (IWF) und Weltbank teilnahm. »Die Beratungen haben mir nochmal gezeigt, dass diese Krise größer und hartnäckiger ist, als viele glauben.«
IEA warnt vor Kerosinknappheit innerhalb von sechs Wochen
Die Internationale Energieagentur hatte am Freitag gewarnt, in mehreren europäischen Ländern zeichne sich in den kommenden sechs Wochen eine beginnende Kerosinknappheit ab. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)
hatte daraufhin gesagt, Kerosin werde auch in deutschen Raffinerien
produziert. Man sei nicht nur von Importen abhängig.
Klingbeil mahnt hingegen, die Krise zu unterschätzen. Ein länger anhaltender Kerosinmangel hätte auch Auswirkungen auf beschlossene Entlastungen für Bürger. Der sogenannte Tankrabatt von 17 Cent pro Liter Sprit etwa ist nur auf zwei Monate angelegt. Klingbeil ruft seine Koalitionspartner deshalb dazu auf, »ein großes und vor allem gerechtes Reformpaket« auf den Weg zu bringen. »Wir müssen das Land resilienter machen, weniger abhängig von fossilen Energieimporten«, sagte der Finanzminister im Spiegel.
Luftverkehrsverband rechnet mit Knappheit über Kriegsende hinaus
Schon am Donnerstag hatte Klingbeil seine Kabinettskollegin Reiche vor
einem Ausbremsen der Energiewende gewarnt und darauf verwiesen, im
Koalitionsvertrag sei vereinbart worden, dass der Ausbau der
erneuerbaren Energien weitergehe.
Nach Angaben des Luftverkehrsverbands in Berlin wird sich die Lage
selbst bei einem kurzfristigen Ende des Irankriegs auf den
Energiemärkten nur langsam entspannen. Die Preise für Kerosin haben sich
seit Beginn des Krieges mehr als verdoppelt. Ein großer Teil der
Importe stammt aus dem Nahen Osten, zahlreiche Ölanlagen im
Krisengebiet sind zerstört.