„Das ist die neue Normalität“ – VW will in Europa eine Million weniger Autos produzieren

Früher plante Volkswagen mit 14 Millionen Autos im Jahr – heute stellt sich der Konzern auf eine kleinere Welt ein. CEO Oliver Blume richtet den Autobauer auf eine „neue Normalität“ aus.

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Volkswagen-Chef Oliver Blume stellt den größten Autobauer Europas auf einen harten Sparkurs ein – und rückt von den Wachstumsannahmen der Vergangenheit ab. Im Gespräch mit dem „Manager Magazin“ macht er deutlich: Der Konzern muss seine globalen Produktionskapazitäten deutlich reduzieren, um in einem zunehmend schwierigen Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben. „Die Welt hat sich in den vergangenen drei Jahren massiv verändert“, sagte Blume und verwies auf US-Zölle, den Druck in China und einen geschrumpften europäischen Markt. „Das ist die neue Normalität – und der werden wir uns stellen.“

Die Volumenplanung der Vergangenheit sei in der ⁠derzeitigen Markt- und Wettbewerbssituation unrealistisch.

In China wurde die Kapazität daher bereits um eine Million reduziert, in Europa solle die Kapazität vor allem bei Volkswagen und Audi ebenfalls um eine Million Fahrzeuge jährlich bis 2028 sinken, kündigte Blume an: „Dann kommen wir von insgesamt über zwölf Millionen investierten Kapazitäten auf nachhaltig neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr.“

50.000 Stellen vor dem Aus

Der Kapazitätsabbau geht mit einem tiefgreifenden Stellenabbau einher. Bis 2030 sollen konzernweit rund 50.000 Arbeitsplätze wegfallen, davon etwa 35.000 in Deutschland.

Blume verwies dabei auf Fortschritte: Bei Volkswagen, Audi, Porsche und der Softwaretochter Cariad haben bereits rund 30.000 Beschäftigte Vereinbarungen für einen sozialverträglichen Abschied getroffen. Gleichzeitig machte er deutlich: „Überkapazitäten sind für unser Unternehmen langfristig nicht tragfähig.“

Intelligentere Lösungen statt Werksschließungen

Auf die Frage nach möglichen Werksschließungen setzte Blume jedoch zunächst auf Alternativen. Es gebe „intelligentere Methoden“, als Standorte einfach zu schließen. So könnte etwa das Werk in Osnabrück, wo die Produktion ausläuft, künftig von Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie genutzt werden.

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Doch nicht nur die Fabriken, auch das Produktangebot wird deutlich verschlankt. Blume verwies auf die hohe Komplexität des Konzerns, der derzeit weltweit rund 150 Modelle anbietet. „Der Zielkorridor liegt unter 100 Modellen“, kündigte er an.

Um die Rendite zu stabilisieren – sie lag 2025 bei 2,8 Prozent – sollen Prozesse effizienter und die Entwicklung stärker gebündelt werden. Ein Beispiel dafür ist der künftige elektrische Audi A4. „Früher ist es nie gelungen, das Modell auf eine Plattform mit dem ähnlich großen VW Passat zu bringen.“ Solche Synergien seien lange schwer umzusetzen gewesen – nun will der Konzern sie konsequenter nutzen.

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Auch für das US-Prestigeprojekt Scout, eine neue Marke für elektrische Pick-ups und SUVs, prüft Volkswagen Kooperationen. Blume sprach von „Risikominimierung“: Denkbar sei, sich die Investitionen für das neue Werk in South Carolina mit Partnern zu teilen, die etwa die VW-Plattform nutzen könnten.

Am Zeitplan hält der Konzernchef trotz einer zuletzt verhaltenen Nachfrage nach Elektroautos in den USA fest. Zugleich fordert er von der europäischen Politik „realistischere Vorgaben“ bei den CO₂-Zielen. Für mögliche Strafzahlungen hat Volkswagen bereits rund eine halbe Milliarde Euro zurückgestellt.

Das Rendite-Versprechen in rauem Fahrwasser

Trotz des rauen Umfelds sieht Blume seine Position gefestigt. Er spüre „keine negative Stimmung“ bei den Haupteigentümern, den Familien Porsche und Piëch, mit denen er seit Jahren vertrauensvoll zusammenarbeite. Sein Vertrag wurde bereits vorzeitig bis 2030 verlängert.

Am Ziel hält er fest: eine operative Rendite von acht bis zehn Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts. Angesichts der aktuellen Lage räumte Blume jedoch ein: „In der Tat ist das Ziel ambitioniert.“

dpa/kaha

Source: welt.de