Skandal um UK-Biobank: Hunderttausende Medizin-Datensätze kriminell angeboten

Die britische „UK-Biobank“ gilt als eine global führende Datenbank für medizinische und genetische Fragen. In ihr sind Millionen von Informationen über 500.000 Testpersonen gespeichert, die für die Forschung genutzt werden. Damit wird beispielsweise zur Erkennung und Behandlung von Demenz, Parkinson oder Krebs geforscht.
Nun hat jedoch ein Skandal das gemeinnützige Forschungsunternehmen erschüttert. Wie der britische Technologieminister Ian Murray am Donnerstag im Parlament mitteilte, gab es offenbar einen Missbrauchsfall bei der UK Biobank. Es sei versucht worden, eine große Zahl an Datensätzen illegal weiterzugeben.
Daten der 500.000 Freiwilligen seien „von mehreren Anbietern auf der E-Commerce-Plattform Alibaba in China zum Verkauf angeboten worden“, erklärte Murray. Allerdings versicherte er, die Daten seien anonymisiert gewesen. Sie hätten nach Angaben der Biobank keine Namen, Adressen, Kontaktdaten oder Telefonnummern von Teilnehmern der medizinischen Tests enthalten. Nach Murrays Angaben enthielten die Datensätze Informationen zu Geschlecht, Alter, Geburtsjahr, sozioökonomischem Status, Lebensstil und biologischen Testergebnissen. Er könne aber nicht zu 100 Prozent ausschließen, dass doch Versuchsteilnehmer identifiziert werden könnten.
Illegales Angebot beendet
Wie Murray sagte, habe die britische Regierung unmittelbar mit der Verkaufsplattform gesprochen. Diese gehe davon aus, dass noch keine Daten verkauft worden seien, bevor das illegale Angebot beendet wurde.
Die Biobank teilte mit, die Angebote für die Daten seien „schnell entfernt“ worden, noch bevor sie an Dritte weiterverkauft werden konnten. Drei chinesische Forschungsinstitute, die für den versuchten Datenverkauf verantwortlich gewesen seien, wurden von der künftigen Nutzung der Biobank ausgeschlossen. Murray betonte, dass es sich nicht um ein Datenleck gehandelt habe. Vielmehr hätten sich Organisationen, die legitim die Daten herunterladen konnten, falsch verhalten.
Professor Sir Rory Collins, Geschäftsführer und leitender Forscher der UK Biobank, erklärte, man nehme den Schutz der Teilnehmerdaten „äußerst ernst“ und habe die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. „Letzte Woche haben wir festgestellt, dass anonymisierte Teilnehmerdaten, die Forschern an drei akademischen Einrichtungen zur Verfügung gestellt worden waren, auf einer Verbraucher-Website in China, die zu Alibaba gehört, zum Verkauf angeboten wurden“, sagte er. Dies sei ein klarer Bruch der vertraglichen Vereinbarungen gewesen.