Z. Hd. drei Millionen Pfund: Rolls-Royces zuzüglich „Nachtigall“
Je teurer, desto besser: So scheint das Motto von Rolls-Royce Motor Cars zu lauten. Der britische Hersteller hat in dieser Woche das Konzept eines Fahrzeugs der Superlative vorgestellt, das in einer Preisklasse von rund drei Millionen Pfund – umgerechnet etwa 3,5 Millionen Euro – liegen soll. Vorgesehen ist ein rein elektrisch angetriebenes, zweisitziges Cabriolet in einer auf hundert Exemplare limitierten Auflage. „Einige der anspruchsvollsten Rolls-Royce-Kunden auf der Welt haben uns um unsere ambitionierteste Arbeit gebeten“, sagte Vorstandschef Chris Brownridge dazu.
Das Modell soll den Namen „Nightingale“ (deutsch: Nachtigall) tragen und von 2028 an ausgeliefert werden. Es richtet sich vorrangig an eine superreiche Klientel von Sammlern, die schon einen oder mehrere Rolls-Royce besitzen. Kunde könne man nur auf Einladung werden, hieß es. Der Name leite sich von der Villa La Rossignol an der Côte d’Azur ab, der einstigen Winterresidenz des Firmengründers Henry Royce. Im Unterschied zu den übrigen Modellbezeichnungen, die häufig einem eher düsteren, an Geister- und Spukgestalten angelehnten Namensspektrum entstammen – etwa „Ghost“, „Spectre“ oder „Phantom“ –, setzt Rolls-Royce mit der Nachtigall auf eine leichtere, beinahe heitere Konnotation.
Leicht ist das Gefährt nicht. Mit einer Länge von nahezu sechs Metern und einem Gewicht von mehr als zweieinhalb Tonnen bewegt sich Nightingale auf dem Niveau des „Phantom“. Das Design sei von den eleganten Linien der 1920er- und 1930er-Jahre inspiriert, teilte das Unternehmen mit.

Elektrostrategie verschoben
Dass Rolls-Royce nun ein weiteres vollelektrisches Modell präsentiert, kommt überraschend. Noch vor wenigen Wochen hatte der Hersteller eingeräumt, dass ein erheblicher Teil der Kundschaft dem Elektroantrieb skeptisch gegenüberstehe. Man werde daher die Produktion klassischer Verbrennungsmotoren, einschließlich der traditionsreichen Zwölfzylinder, länger als ursprünglich vorgesehen fortsetzen. Das Ziel wurde aufgegeben, bis 2030 ausschließlich Elektrofahrzeuge anzubieten.
Bislang umfasst das elektrische Portfolio lediglich ein Modell, den „Spectre“, dessen Preis bei rund 400.000 Euro liegt. Auch andere Luxusmarken wie Bentley Motors oder Aston Martin haben ihre ambitionierten Elektrifizierungspläne zuletzt verzögert oder verwässert. Der neue elektrische Jaguar Type 00 wird sich ebenfalls verzögern und erst im kommenden Jahr auf den Markt kommen.

Rolls-Royce erzielt mit immer exklusiveren und kostspieligeren Fahrzeugen hohe Margen. Der Individualisierung sind – bei entsprechend hohem Kontostand – kaum Grenzen gesetzt. So reicht das Angebot von einem integrierten Schachspiel zum Preis von rund 30.000 Euro bis hin zum sogenannten Sternenhimmel mit bis zu 1600 Lichtpunkten in der Dachverkleidung (Preis auf Anfrage).
Der Durchschnittspreis eines Rolls-Royce liegt schon seit einigen Jahren bei etwa einer halben Million Euro. Mit einem Preis von rund 3,5 Millionen Euro bleibt die „Nightingale“ gleichwohl unter den geschätzten knapp sechs Millionen Euro, die die Sonderanfertigung „Goldfinger“ im Jahr 2024 anlässlich des 60. Jubiläums des James-Bond-Films erreichte.
Im vergangenen Jahr setzte Rolls-Royce 5660 Fahrzeuge ab, was einem leichten Rückgang von 0,8 Prozent entspricht. Den größten Anteil hatte das SUV-Modell „Cullinan“ mit rund 3300 Verkäufen, gefolgt vom „Spectre“ und „Ghost“ mit jeweils etwa 1000 Fahrzeugen sowie dem „Phantom“ mit knapp 400 Auslieferungen.