Amadeu Antonio-Stiftung förderte Theaterprojekt mit Porno-Vorfall – Polizei ermittelt gegen Frauen

Die Polizei ermittelt nach einem Vorfall an einer Schule in Sachsen gegen zwei weibliche Tatverdächtige. Sie sollen Neuntklässlern in einem Theaterprojekt Pornos gezeigt haben. Gefördert wurde das Projekt von einer Stiftung, die schon mehrfach in der Kritik stand.

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Der Skandal um ein Theaterprojekt an einer Schule in Sachsen hat erste Konsequenzen: Die Amadeu Antonio Stiftung, die das Projekt „Mut“ gefördert hatte, stoppte umgehend die Unterstützung. Doch auch die Stiftung muss sich Fragen nach einer weiteren Betätigung an Schulen gefallen lassen.

Der Hintergrund: Zwei Pädagoginnen aus Berlin hatten in der 9. Klasse einer Oberschule während einer Projektwoche in Schleife pornografisches Material gezeigt. Darauf waren auch Männer beim Oralsex zu sehen. Lehrer waren nicht anwesend. Nach der Intervention empörter Eltern stoppte die Schulleitung das Projekt nach nur einem Tag.

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Erdacht hatte die Projektwoche „Mutige Jugendliche in Ostsachsen finden Perspektiven“ der Berliner Landesverband der „Sozialistischen Jugend – Die Falken“. Mit einem Projektantrag warben die Jungsozialisten eine Förderung von 2500 Euro bei der Amadeu Antonio Stiftung ein, die die Projektwoche auch dem Schulleiter der Oberschule in Schleife vorschlug. Das Geld kommt laut Stiftung nicht aus staatlichen Mitteln.

„Im Rahmen des Workshops ist es zu einem Vorfall gekommen, der nicht unseren Qualitätsstandards entspricht und so nicht hätte passieren dürfen“, teilte die Amadeu Antonio Stiftung auf WELT-Anfrage mit. „Selbstverständlich gehört pornografisches Material nicht in die Hände von Schüler*innen. Inhalte, die Schüler*innen überfordern, unangemessen konfrontieren oder sogar den Jugendschutz verletzen, widersprechen klar den Grundsätzen unserer Projektförderung und der Bildungsarbeit der Stiftung.“

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Nach Angaben der Stiftung sollte die Förderung des Projekts „zivilgesellschaftliches Engagement“ in strukturschwachen und ländlichen Regionen stärken. „Die Auseinandersetzung mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt gehört ohne deutlichen Bezug zu Rechtsextremismus nicht dazu“, hieß es weiter. „Die tatsächliche Umsetzung des Projekts entsprach nicht den im Antrag formulierten Inhalten und Zielsetzungen.“ Weitere Workshops sagte die Stiftung ab und kündigte eine Aufarbeitung mit den Workshopleitern an.

Kultusminister kritisiert Amadeu Antonio Stiftung

Sachsens Kultusminister Conrad Clemens sieht die Stiftung in der Pflicht, ihre Förderpraxis zu überprüfen. Auf WELT-Anfrage sprach er von einem „ungeheuerlichen Vorgang“. Die Schule habe „umgehend und konsequent reagiert“, lobte er. „Die Amadeu Antonio Stiftung muss so etwas dringend unterbinden, wenn sie weiter Projekte an Schulen fördern will.“

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Die Amadeu Antonio Stiftung, die sich nach eigener Aussage gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus einsetzt, steht seit Jahren in der Kritik, unter anderem wegen der Einrichtung einer „Meldestelle Antifeminismus“ und der Finanzierung von NGOs, die zu Demonstrationen gegen die AfD und die CDU aufgerufen hatten. Bisher erhält die Stiftung selbst umfangreiche Zuwendungen aus Steuergeldern, doch Familienministerin Karin Prien kündigte Ende März eine Neuaufstellung des Förderprogramms „Demokratie leben“ an.

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Auch für die beiden Projektleiterinnen – die sich in der Klasse als „non-binäre Personen“ vorstellten – hat die Aktion wohl Konsequenzen. Mehrere Eltern erstatteten Strafanzeige wegen Verbreitung pornografischer Inhalte an unter 18-Jährige. Die Polizei ermittelt inzwischen gegen zwei weibliche Tatverdächtige, wie ein Sprecher der Polizeidirektion Görlitz WELT sagte. „Wir nehmen diese ganze Geschichte sehr ernst“, erklärte er.

Die „Sozialistische Jugend – Die Falken“ antwortete nicht auf WELT-Anfrage.

Source: welt.de