„Sieht nicht gestellt aus, oder?“ – Trump lässt McDonald’s-Menüs unverblümt ins Weiße Haus liefern
Die Fast-Food-Liebe des US-Präsidenten ist bekannt. Nun zeigen Aufnahmen, wie eine Lieferantin den Regierungschef direkt im Oval Office beliefert. Nicht ohne Hintergedanken des US-Präsidenten.
US-Präsident Donald Trump ließ sich am Montag zwei Tüten McDonald’s ins Oval Office liefern, nahm diese auch höchstpersönlich entgegen und gab der Fahrerin dann noch 100 Dollar Trinkgeld.
Die Aktion war jedoch nicht so spontan, wie sie offenbar wirken sollte: Mit seinem Lieblingsessen – und einem Hauch von Reality-TV – wollte der Republikaner für seine eigene Steuerpolitik werben, die laut Trump hohe Steuerrückerstattungen für Amerikaner mit Trinkgeldern ermöglicht.
Die Aufnahmen kursierten denn auch zügig in den sozialen Medien und wurden von MAGA-Anhängern entsprechend abgefeiert und kommentiert. Auch der Account des Weißen Hauses verbreitete eine längere Version bei Instagram.
Die Lieferantin wurde anschließend als Sharon Simmons benannt. In einem „DoorDash-Oma“-T-Shirt ging die schon etwas ältere Dame zur Außentür des Oval Office und klopfte, während die Kameras der Medien liefen. Trump öffnete die Tür und sagte: „Hallo. Schön, Sie zu sehen“, bevor er ausrief: „Sehen Sie sich das an!“, und scherzte dann, mit einem Blick auf die umstehenden Reporter: „Das sieht nicht gestellt aus, oder?“
Doch natürlich war es genau das. Allein schon das Betreten des Geländes des Weißen Hauses erfordert eine vorherige Genehmigung und die Sicherheitskontrolle, während der Zugang zum Oval Office – geschweige denn die Nähe zum Präsidenten – ohne zusätzliche Überprüfungen und Hintergrundrecherchen unmöglich gewesen wäre. Im Internet wurde denn auch flink recherchiert, dass Sharon Simmons, die aus Arkansas stammt, schon in mehreren Bundesstaaten bei Wahlkampfveranstaltungen der Republikaner aufgetreten war.
Angeblich 11.000 Dollar an Trinkgeldern eingenommen
Dies geschah auch dieses Mal. Denn Trump ließ die Lieferantin erzählen, dass sie dank seiner Steuererleichterungen ihr zu versteuerndes Einkommen reduzieren konnte. Anschließend gab sie gegenüber Reportern an, jährlich über 11.000 Dollar an Trinkgeldern zu verdienen. Diese brauche sie dringend, denn, so Simmons, ihr Mann sei an Krebs erkrankt, die Kosten der Behandlung seien hoch. Die Angaben zu ihren Ersparnissen ließen sich ohne Simmons’ Steuererklärung, die den Reportern nicht vorgelegt wurde, allerdings nur schwer überprüfen.
Trump fragte Simmons dann noch: „Möchten Sie eine kleine Pressekonferenz mit mir geben?“, und ließ sie unbeholfen neben sich stehen, während er Fragen zu seinen Drohungen, die Straße von Hormus zu blockieren, und seiner Weigerung, sich bei Papst Leo zu entschuldigen, beantwortete.
Schließlich fragte der Präsident Simmons: „Ich glaube, Sie haben für mich gestimmt. Glauben Sie das?“ Worauf sie antwortete: „Ähm, vielleicht.“ Unbeirrt fuhr Trump fort: „Ich habe gehört, Sie sind eine großartige Unterstützerin. Wir wissen das sehr zu schätzen.“
Immer wieder PR mit McDonald’s
Die PR-Aktion ist offenbar ein Versuch der Regierung, einem Teil des von Trump unterstützten Steuer- und Ausgabenpakets, das im vergangenen Sommer verabschiedet wurde, mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Dieses ermöglicht es Amerikanern, vorübergehend einen Teil der Bundessteuern von Trinkgeldern abzuziehen. Bestimmte Arbeitnehmer können so bis zu 25.000 US-Dollar absetzen, die Regelung wird jedoch für Besserverdienende schrittweise reduziert.
McDonald’s wiederum ist seit Langem ein Lieblingsrestaurant des Präsidenten – und ein Gericht, das er schon früher für politische Zwecke missbraucht hat.
Trump inszenierte einen der denkwürdigsten Stopps seines erfolgreichen Wahlkampfs 2024: Er besuchte ein McDonald’s-Restaurant in Pennsylvania, wo er an der Frittierstation arbeitete und Reportern am Drive-in-Schalter Fragen beantwortete.
Trump lud Simmons und ihren Mann abschließend noch zu einem UFC-Kampf ein, den er anlässlich seines 80. Geburtstags im Juni auf dem Rasen des Weißen Hauses mitorganisiert. Er fragte Simmons dann noch, ob sie der Meinung sei, dass „Männer in Frauensportarten spielen sollten“ – ein Thema, das er häufig anspricht, wenn er die Demokraten dafür kritisiert, Transgender-Rechte zu stark zu unterstützen.
„Dazu habe ich wirklich keine Meinung“, antwortete Simmons, woraufhin Trump nachhakte: „Das glaube ich Ihnen.“ „Nein, nein“, beharrte sie. „Ich bin hier, weil Trinkgelder nicht besteuert werden sollen.“
Das Weiße Haus teilte später mit, dass Trump das Essen – bestehend aus Cheeseburgern und Pommes frites – persönlich an die Mitarbeiter des Westflügels geliefert habe. Nicht erwähnt wurde, ob auch er dafür Trinkgeld erhalten hat.
AP/krott
Source: welt.de