Münchner IT-Beratung: Schrittmacher zu Gunsten von die Quantenrechner

Immer einen Schritt voraus sein, am besten zwei oder drei. Das aber ist schwer. Warum? „Weil Veränderungen heute so schnell und so tiefgreifend sind, dass viele mit den aktuellen Entwicklungen kaum noch mitkommen; geschweige denn mit denen, die sich am Horizont abzeichnen.“ Spricht Peter Blenninger über technologische Entwicklungen und die Geschäfte seines Hauses, dann landet er schnell bei Worten wie Megatrends und Mainframes, digitaler Souveränität oder Quanten-Resilienz, Künstlicher Intelligenz und Bizztech.

„Wir sind in einem Paradigmenwechsel“, sagt er. Noch so ein Wort. Geprägt wurde es in den Sechzigerjahren. Damals hatte die Computerrevolution ihren Lauf aufgenommen. Heute schlägt sie ein Tempo an, das ganze Industrien auf der Strecke lassen könnte. „Eine Nachricht über ein neues KI-Modell jagt durchs Netz, und die Aktienkurse der halben Softwarebranche gehen plötzlich in die Knie“, sagt Blenninger. Das habe es so noch nicht gegeben. Verrückt, aber es zeigt, wie groß die Unsicherheiten sind.

Ohne schnelle Antworten „bist du raus“

Blenninger führt mit seinem Geschäfts- und Gründungspartner Joachim Gucker durch die Münchner Firmenzentrale. Ein schnell wachsendes IT-Beratungsunternehmen in einem neu aufgeputzten Bürogebäude in einem alten Arbeiterviertel der Stadt. Hohe lichte Räume, ein langer Flur, gläserne Wände, viele Büros. Früher saß hier ein Wissenschaftsverlag, heute sitzt hier Croz Dach. Eine deutsch-kroatische Firmengruppe, deren Wurzeln bis tief in die Nullerjahre zurückreichen.

Croz verbucht alles in allem einen zweistelligen Millionenerlös und zählt in der Gruppe 400 Mitarbeiter; zwanzig davon sitzen in München. Blenninger und Gucker wollen ihr Haus in den kommenden Monaten rasch wachsen lassen. Sie reden von Tochtergesellschaften im nahen Ausland und von Netzwerkeffekten, von neuen Geschäftsbereichen und einer Verdopplung der Umsätze am Standort München. Gibt der Markt hier das her? „Auf alle Fälle“, sagt Gucker. „Und da sind wir dann auch schon wieder beim Thema: Schritthalten“, sagt Blenninger.

Gerade sind Mitarbeiter eines großen amerikanischen KI-Unternehmens im Haus. Es gilt, gemeinsam neue Möglichkeiten auszuloten. Es geht um KI und Sicherheit. „Wir sind klein, das heißt: Wir sind flexibel – und das müssen wir auch sein. Angesichts der rasenden Entwicklungen haben viele Kunden nicht nur viele Fragen, sie wollen auch schnelle Antworten und oft noch schnellere Lösungen.“ Er lacht und wird dann schnell wieder ernst. „Kannst du die nicht liefern, bist du raus“, sagt Gucker.

Arbeiten im „High-Speed-Umfeld“

Jahrelang sei hierzulande vielerorts die Digitalisierung auf die lange Bank geschoben worden. Nun auf einmal müsse alles ganz schnell gehen. Das sei schon eine Herausforderung. „Wir arbeiten in einem High-Speed-Umfeld“, sagt Gucker. Die Produktzyklen werden kürzer und die Intensität wird größer. Dabei macht Croz Dach nicht nur einen Spagat zwischen dem Heute und dem Morgen; zwischen Software-Stacks und KI-basierten IT-Plattformen, es streckt sich auch tief ins Gestern hinein.

Gucker kommt auf eine Art von Computer zu sprechen, die schon vor mehr als einem halben Jahrhundert die Szenerie beherrschte: die Mainframe-Rechner. Ein Zentralcomputer, der wie eine Spinne im Netz sitzt, für die Verarbeitung großer Datenmengen konzipiert ist und Tausende Transaktionen parallel und in Echtzeit verarbeiten kann. Er ist groß wie eine Schrankwand und schwer wie ein Auto. „Mainframes werden allzu oft als veraltet angesehen“, sagt er. Doch sie böten viel Sicherheit, viel Zuverlässigkeit und sehr viel Leistung.

Quantenrechner – der „schwarze Schwan“

„Man kann sie Stück für Stück modernisieren oder auch noch neu kaufen“, sagt Gucker. Die Rechenschränke ließen sich gut in die moderne IT- und Cloud-Infrastruktur einbauen. So werden sie nach wie vor von Banken, Versicherungen und Datendienstleistern genutzt, von Behörden, Regierungen und Sicherheitsdiensten. „Überall dort, wo Security essenziell ist“, sagt Blenninger. 70 Prozent der US-Fortune-500-Unternehmen arbeiten in dieser oder jener Form mit Mainframes – und können sich auf sie verlassen.

Auf der anderen Seite der technologischen Themenpalette stehen die sogenannten Quantenrechner, die Computer von morgen, die nicht mehr mit Bits und Einsen oder Nullen rechnen, sondern mit sogenannten Qubits und den schier unzählig vielen Zuständen zwischen eins und null. Das macht sie deutlich leistungsfähiger und schneller. Gucker nennt die Quantenrechner einen „schwarzen Schwan“. Warum? „Weil sie tiefgreifende, aber heute bislang nicht wirklich berechenbare Folgen haben werden.“

„Wir sagen: Werdet quantenaktiv. Das ist der beste Weg zur Quantensicherheit. So schnell wie möglich“, erklärt Gucker. Schon heute greifen Hacker massiv vermeintlich sicher verschlüsselte Daten ab, legen sie in ihre Speicher und warten darauf, dass sie ihre digitale Beute durch die dann gängigen Verfahren der Quanten-Entschlüsselung auslesen werden. „Das sind keine Horrorszenarien, das ist die Realität. Und daher ist es wichtig, schon heute mit einem Bein in der Zukunft, also einen Schritt voraus zu sein“, sagt Blenninger.

Heutige Sicherheits- und Verschlüsselungsmethoden stehen auf dem Spiel. Denn Quantenrechner könnten sie im Handumdrehen knacken. Das stellt nicht nur die Finanzbranche, das stellt die gesamte Netzwirtschaft vor ein Problem, sagt Benninger. „In fünf Jahren etwa gibt es das heutige Clearing und Settlement nicht mehr“, sagt er. Darauf müsse man sich einstellen. „Das ist es, was wir mit Quanten-Resilienz meinen.“ Die neue Technik bräuchte neue Arten der sicheren Verschlüsselung. Und diesen Weg sollte man besser heute schon beschreiten.