Krieg in welcher Ukraine: Große Aufträge zu Gunsten von deutsche Drohnen-Start-ups

Die Ukraine darf auf neue Waffen aus Deutschland hoffen, um sich gegen den russischen Aggressor zu verteidigen. Am Rande der Regierungskonsultationen am Dienstag in Berlin wurden Lieferverträge über Tausende Drohnen unterzeichnet. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatten sich zuvor verschiedene Waffensysteme angeschaut.
Die unbemannten Kampfdrohnen sollen in einem Werk in der Nähe von München produziert werden. Nach Angaben des Unternehmens Auterion wird die Produktion gerade aufgebaut, die Auslieferungen werden demnach in wenigen Monaten beginnen. Zusätzlich ist ein Werk in Ostdeutschland geplant. „Dieser Vertrag beweist, dass Europa in großem Maßstab handeln kann“, sagte Auterion-Chef Lorenz Meier am Dienstag nach Vertragsabschluss. Man ermögliche es dem ukrainischen Partnerunternehmen Airlogix, Tausende autonomer Systeme auf deutschem Boden herzustellen, wobei man auf ukrainische Kampferfahrung und „die beste Autonomie-Software der Welt zurückgreifen“ könne. „So sieht die Zusammenarbeit der Verteidigungsindustrie von Verbündeten aus“, sagte Meier. Zum Volumen, genauen Stückzahlen oder Lieferzeiträumen wurden keine Angaben gemacht.
Vitalii Kolesnichenko, der Chef von Airlogix, betonte, dass die deutsche Massenproduktion der Waffen die Lage auf dem Schlachtfeld grundlegend verändere: „Jede Einheit, die hier vom Band läuft, trägt jahrelange Erfahrungen aus dem realen Kampfeinsatz in sich.“
Merz: Ukraine hat die innovativste Verteidigungsindustrie
Auch Bundeskanzler Merz lobte die ukrainischen Fähigkeiten: „Keine Verteidigungsindustrie ist innovativer geworden als die der Ukraine“, sagte Merz. „Mit unserer Unterstützung stärken wir damit zugleich die deutsche und europäische Verteidigungsfähigkeit und unsere industrielle Basis.“ Vor Kurzem hatte Armin Papperger, der Vorstandsvorsitzende des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall, mit Zitaten aus einem Magazinbeitrag für viel Kritik gesorgt, wonach er die ukrainischen Drohnen als „von Hausfrauen“ gemacht und wenig innovativ bezeichnete.
Weiter als Auterion ist der deutsche Wettbewerber Quantum Systems. Das Münchner Unternehmen hat ebenfalls ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem ukrainischen Hersteller gegründet und Ende März schon eine erste Charge ausgeliefert. Wie Quantum am Dienstag mitteilte, wurden im Rahmen der Initiative „Build with Ukraine“ in Berlin neue Bündnisse geschlossen. Die Herstellung von rund 10.000 Mehrzweck-Quadrocopter-Drohnen für die Ukraine werde derzeit hochgefahren. Zudem wurde am Dienstag ein Gemeinschaftsunternehmen für die Produktion unbemannter Bodensysteme gegründet, sogenannter Mini-Panzer. Quantum Systems, das nach F.A.Z.-Informationen an der Vorbereitung eines Börsengangs arbeitet, unterstreicht damit seine Ambitionen als Multi-Domänen-Anbieter, der unbemannte Fahrzeuge in der Luft und an Land anbietet. Ein Anspruch, den auch Branchenführer Rheinmetall hat.
Mit Blick auf deutsch-ukrainische Gemeinschaftsunternehmen sagte Matthias Lehna, Geschäftsführer von Quantum Frontline Industries: „Wir sind überzeugt, dass diese Form der Zusammenarbeit eine zentrale Grundlage für die zukünftigen Verteidigungsfähigkeiten Europas bildet.“ Zudem gab der Aufklärungsspezialist am Dienstag eine Partnerschaft mit dem auf Wirksysteme spezialisierten Anbieter Destinus aus den Niederlanden bekannt, die ebenfalls auf sogenannte Deep-Strike-Fähigkeiten angelegt ist.