Publik-Rechtlicher Rundfunk in Ostmark: „Vorwürfe“ gegen ORF-Vermarktungschef

Im Österreichischen Rundfunk (ORF) gibt es nach dem Rücktritt des Generaldirektors Roland Weißmann weiterhin Unruhe. Nun werden gegen Oliver Böhm, seit 2013 Geschäftsführer der für Vermarktung zuständigen ORF-Tochtergesellschaft Enterprise, „Vorwürfe“ erhoben. Der Sender bestätigte gegenüber der Austria Presseagentur entsprechende Medienberichte.
Compliance-Untersuchung ist eingeleitet
Böhm wurde nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe rund um Ostern unverzüglich beurlaubt. Der ORF leitete eine Compliance-Untersuchung durch interne und externe Fachleute und Experten ein. Welcher Gestalt die Vorwürfe sind, gibt der Sender nicht preis. Zum Schutz aller Beteiligten würden vor Abschluss der Prüfung keine Details genannt, heißt es. Sobald Ergebnisse vorliegen, will der ORF über weitere Schritte entscheiden und informieren.
Böhm verantwortet die Vermarktung der ORF‑Fernseh- und Radiosender sowie der Digitalangebote. Der ORF erzielt mit Werbung jährlich rund 200 Millionen Euro. Im Transparenzbericht des ORF wird Böhm mit einem Bruttojahresgehalt von knapp 349.000 Euro in der Riege der bestverdienenden Manager geführt.
Roland Weißmann war als Generaldirektor zurückgetreten und später vom Sender gekündigt worden, nachdem eine Mitarbeiterin des ORF ihm übergriffiges Verhalten vorgeworfen hatte. Eine Compliance-Untersuchung stellte fest, dass eine sexuelle Belästigung im rechtlichen Sinn nicht vorliege. Doch erwarte der ORF von seinen Führungskräften „nicht bloß die Einhaltung zwingenden Rechts, sondern ein sehr hohes Maß an Integrität und Unterlassung jeglichen Verhaltens, das geeignet ist, dem Unternehmen zu schaden“. So wurde Weißmann gekündigt. Sein Anwalt wertete den Vorgang als rechtsstaatliche Farce und kündigte rechtliche Schritte an.
Source: faz.net