Grüne und Christlich Demokratische Union in Stuttgart: Sinn für jedes Realität

Die CDU in Baden-Württemberg hatte offenkundig Schwierigkeiten, ihre – wenn auch sehr knappe – Niederlage in der Landtagswahl am 8. März zu verdauen. Noch drei Wochen nach der Wahl warf Bauministerin Nicole Razavi den Grünen vor, die CDU mit einer „Schmutzkampagne“ um den Sieg gebracht zu haben.
In die Sondierungsgespräche ging die Partei mit Forderungen, als hätte sie am Ende doch die Nase vorn gehabt und nicht die Grünen: Für die Wahl Cem Özdemirs zum Ministerpräsidenten verlangte sie zuzüglich zum Staatsministerium sieben der zwölf Ministerien nebst Überführung wichtiger Kernkompetenzen von den grünen in schwarze Ministerien. In den Sondierungen wollte sie entgegen dem üblichen Verfahren auch schon den Zuschnitt des Kabinetts und die Ressortverteilung festzurren.
Kein Wunder, dass die Gespräche mehrmals stockten – so oft, bis sich in den Reihen der CDU Unruhe über die Verhandlungsführung Manuel Hagels breitmachte. Nun hat offenbar eine neue Allensbach-Umfrage für mehr Realitätssinn gesorgt: Würde heute nochmals gewählt, würden die Wähler die CDU für die langen Verhandlungen bestrafen, nicht die Grünen.
Denn sie wünschen sich vor allem eine schnelle Regierungsbildung – und gute Zusammenarbeit in der Koalition. Sympathiepunkte hat in den vergangenen Wochen wohl vor allem Özdemir gesammelt.
Source: faz.net