Wie Nordrhein-Westfalen hinaus Olympia blickt

Köln: Olympische Ringe an der Fassade des Sport- und Olympiamuseums

Stand: 19.04.2026 • 05:44 Uhr

Rudern in Duisburg, Leichtathletik in Köln und Schwimmen in Gelsenkirchen? Zahlreiche Städte wollen Olympische und Paralympische Spiele nach NRW holen. Vor der Entscheidung herrschen Euphorie und Skepsis.

Von Katharina Spreier, WDR

Rund 40 Prozent Wahlbeteiligung in seiner Stadt – das ist kurz vor Ende des Bürgerentscheids für Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) ein Erfolg. Er will, dass sich Köln mit 16 anderen Städten in Nordrhein-Westfalen für die Austragung der Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewirbt. „Es gibt eine Zustimmung, eine große Zustimmung für die Bewerbung in allen Städten“, so Burmester. „Ich bin sehr zuversichtlich für das Wochenende“.

Schwimmwettkämpfe in der Arena auf Schalke, Hand- und Volleyball in Düsseldorf, Turnen und Rollstuhlbasketball in der Kölner Arena: Die Disziplinen sollen verteilt werden auf insgesamt 17 Städte und Kommunen. Das unterscheidet das Konzept von den Mitbewerbern Hamburg, München und Berlin. Es ist ein Zusammenschluss von großen und auch kleineren Städten: In Krefeld etwa ist Taekwondo geplant, in Pulheim Golf, in Duisburg Rudern. Abgestimmt wird in allen Städten bis Sonntag.

Hoffnung auf bessere Infrastruktur

Das RheinEnergie-Stadion ist Heimat des 1. FC Köln. Hier würden die Disziplinen Fußball und Rugby stattfinden. Die Wiese vor dem Stadion nutzen Hobbysportler bei gutem Wetter für ihr Training. Viele sind kurz vor der Entscheidung eindeutig für die Olympia-Bewerbung. Er hoffe, dass infrastrukturelle Sachen passieren, erzählt Student Milan Faust, „zum Beispiel, weil auch die Paralympics da sind, dass es behindertengerechter wird“ oder dass im Olympischen Dorf ein Studierendenwohnheim entstehe.

Ein Sport-Sommer in NRW. Das könnte für Stimmung wie bei der Fußball-WM 2006 oder bei der EM 2024 sorgen – als hunderttausende Besucher aus der ganzen Welt nach Nordrhein-Westfalen kamen.

Wie die Abstimmung abläuft

Die Bürgerentscheide in den 17 Kommunen werden als Briefabstimmungen durchgeführt. Die Unterlagen wurden den Abstimmungsberechtigten schon vor Wochen zugeschickt. Am 19. April werden die Stimmen ausgezählt.

Zweifel wegen der Olympia-Kosten

Allerdings kostet das alles Geld, wie der Kölner Libor Holubec zu Bedenken gibt: „Ich finde, wenn wir Geld ausgeben wollen, sollten wir eher eine Metro bauen und erstmal überhaupt die Stadt so aufbauen, dass sie funktioniert und nicht irgendwelche Ideen angehen, die nicht umsetzbar sind.“

Laut dem Land NRW sind für die Durchführung der Spiele Kosten von 4,8 Milliarden Euro eingeplant. Die Einnahmen durch Ticketverkäufe und Tourismus sollen mit geschätzten 5,2 Milliarden höher ausfallen.

Allerdings wurden die letzten Olympischen Spiele 2024 in Paris deutlich teurer als geplant. Anstatt den ursprünglich kalkulierten sechs Milliarden Euro kostete die Veranstaltung rund neun Milliarden. Gründe dafür waren unter anderem die aufwändige Reinigung der Seine, Sicherheitskosten und auch die allgemeine Inflation. Kritiker sagen: Das sei auch in diesem Fall programmiert.

„Der Bund wird Geld für den Spitzensport bereitstellen und die Kommunen und die Länder müssen dann den Rest zahlen und da können Sie ja schon davon ausgehen, dass das wirklich schwer wird“, erzählt Jörg Detjen vom Bündnis „NOlympia Colonia“, der lange für Die Linke im Kölner Stadtrat war. Er wünscht sich mehr dauerhafte Unterstützung des Breitensports – anstatt ein einmaliges Mega-Event und viel Geld des Bundes ausschließlich für den Spitzensport.

Umbauten in den Städten geplant

Ein Vorteil der NRW-weiten Spiele, so Kölns Oberbürgermeister Burmeister, sei, dass alle Sportstätten schon vorhanden seien. Es müsse wenig neu errichtet, nur umgebaut werden. Damit etwa in der Schalke-Arena in Gelsenkirchen die Schwimmwettkämpfe stattfinden können, muss der Innenraum erst noch für ein Olympia-taugliches Schwimmbecken umgewandelt werden.

Das Olympische Dorf und ein vorübergehendes Leichtathletikstadion sind für den Kölner Norden geplant. Nach Olympia soll es in Wohnraum zurückgebaut werden. Das alles sind Kostenpunkte, die das Budget laut Kritikern schnell sprengen könnten.

Das Ergebnis des Bürgerentscheids in den 17 Städten soll am Sonntagabend vorliegen. Sollte es in einer kleineren Stadt nicht klappen, werde man „andere Sportstätten, Alternativen finden“, so Oberbürgermeister Burmester. An seiner Stadt, Köln, hänge aber alles. Ohne Köln würde die Vision von Olympia in NRW wackeln.

Source: tagesschau.de