Wahl in Bulgarien: Vorgezogene Parlamentswahl in Bulgarien beginnt
In Bulgarien hat eine vorgezogene Parlamentswahl begonnen. Rund 6,5 Millionen Menschen sind am heutigen Sonntag in dem EU- und Nato-Mitgliedsland aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Es ist bereits die achte Parlamentswahl seit April 2021.
Klarer Favorit ist laut Prognosen eine neue Koalition namens Progressives Bulgarien (PB) um Ex-Präsident Rumen Radew. Sie liegt demnach bei etwa 30 Prozent. Größter Konkurrent ist das konservative Mitte-Rechts-Bündnis GERB-SDS des ehemaligen Regierungschefs Bojko Borissow. In den Umfragen kommt es auf 20 Prozent.
Die Neuwahl war nach Massenprotesten gegen Korruption und nach dem Rücktritt der prowestlichen Koalitionsregierung um das Bündnis GERB-SDS im Dezember 2025 notwendig geworden. In Sofia ist derzeit eine Interimsregierung im Amt. Die Wahllokale schließen um 20 Uhr (19 Uhr MESZ). Erste Prognosen werden unmittelbar danach veröffentlicht.
Radew sieht Wahlsieger in Ungarn als Vorbild
Der frühere Kampfjet-Pilot Radew war im Januar 2026 vom Amt des Staatspräsidenten zurückgetreten, um bei der Parlamentswahl kandidieren zu können – ein Jahr vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit. Der 62-Jährige will Bulgarien, das ärmste Land der EU, nach eigenen Angaben »von seinem oligarchischen Regierungsmodell befreien« und hat eine Justizreform angekündigt. Als Staatsoberhaupt galt Radew als russlandfreundlich und setzte sich für einen Dialog mit dem Land ein.
Als Vorbild für seine Ukraine-Politik sieht Radew jetzt den Wahlsieger der Parlamentswahl in Ungarn, Péter Magyar. In einem Fernsehinterview sagte Radew, Bulgarien werde sich, falls er Regierungschef werden sollte, nicht finanziell an Militärhilfen für die Ukraine beteiligen. Entscheidungen darüber werde er aber auch nicht blockieren.
Wie schon bei früheren Abstimmungen wurde auch dieser Wahlkampf von dem Verdacht überschattet, dass Stimmen gekauft werden. Hunderte verdächtige Personen wurden deswegen festgenommen. Beschlagnahmt wurden amtlichen Angaben zufolge Gelder in Höhe von einer Million Euro, die für den Kauf von Wählerstimmen bestimmt gewesen sein sollen. Eine Stimme soll demnach zwischen 50 und 100 Euro kosten.
Die Interimsregierung des Landes aktivierte deshalb das EU-System zur Bekämpfung von Desinformation und Einflussnahme aus dem Ausland. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sind vor Ort.