„Wie Blei in den Regalen“: Was passiert mit den unverkauften Schoko-Osterhasen?

Das Ostergeschäft mit Schokolade lief mau, vor allem teure Schoko-Osterhasen von Lindt sind in den Regalen liegengeblieben. Was jetzt mit der Ware passiert.
Wer in dieser Woche durch den Supermarkt geht, könnte meinen, am Wochenende sei nochmal Ostern. Denn noch immer stehen in vielen Läden regalweise Schoko-Osterhasen und andere Festtagssüßigkeiten. Dass das Osterfest schon vorbei ist, erkennt man allerdings an den teils hohen Rabatten, mit denen die Händler ihre unverkaufte Ware noch losschlagen wollen.
Der Handelsverband HDE hatte schon vor Ostern prognostiziert, dass mit Lebensmitteln und anderen Osterartikeln in diesem Jahr 6,5 Prozent weniger umgesetzt werden würde als im Vorjahr. Zahlen, wie es am Ende gelaufen ist, liegen dem Verband noch nicht vor. Aber Stimmen aus dem Lebensmittelhandel legen nahe, dass es tatsächlich ein maues Geschäft geworden ist.
Vor allem die Premium-Osterschokolade von Lindt verschmähten die Kunden vielerorts, wie eine Umfrage der „Lebensmittelzeitung“ unter Edeka- und Rewe-Händlern ergab. Die Lindt-Schokolade liege „wie Blei in den Regalen“, formulierte es ein Edeka-Kaufmann drastisch. Ferrero, Milka und Eigenmarken seien besser gelaufen, heißt es von den Supermärkten.
Goldhasen für neun Euro
Der Grund? Lindt habe es mit den Preiserhöhungen übertrieben und sei vielen Kunden zu teuer geworden, so das Urteil der befragten Händler. Ein Goldhase von Lindt mit 200 Gramm Vollmilch-Schokolade kostete zum Beispiel 8,99 Euro. Im kommenden Weihnachtsgeschäft werde er nur noch Lindt-Produkte unter acht Euro anbieten, sagte einer der befragten Rewe-Händler.
Auch Verbraucherschützer hatten bei Schoko-Osterhasen und Co. in diesem Jahr deutliche Preissteigerungen moniert. Bis zu 25 Prozent mehr kosteten Osterprodukte in diesem Jahr, ergab ein Preisvergleich der Verbraucherzentrale Hamburg. Und das, obwohl die wichtigste Zutat Kakao an den Rohstoffmärkten zuletzt wieder drastisch günstiger geworden war.
Lindt verwies darauf, dass sinkende Preise an den Rohstoffmärkten sich erst mit zeitlichem Abstand auswirkten und daher „keinen Einfluss auf das aktuelle Ostergeschäft“ hätten. Der Konzern begründet Preiserhöhungen unter anderem mit „steigenden Kosten im Zusammenhang mit regulatorischen Verpflichtungen und unseren Nachhaltigkeitsverpflichtungen“. Milka-Hersteller Mondelez führt außerdem höhere Kosten für Energie, Verpackung und Transport an.
Aus dem Osterhasen wird kein Weihnachtsmann
Und was passiert jetzt mit den Ladenhütern im Osterregal? „Was der Handel an Ostern nicht verkauft hat, wird jetzt stark rabattiert angeboten“, sagt Ines Balkow vom Handelsverband. Auch wer sich bereits für nächstes Jahr mit Osterhasen eindecken will, kann das theoretisch tun. Denn genießbar sollten die Schokoladenprodukte im nächsten Jahr noch sein, wie man mit einem Blick aufs Haltbarkeitsdatum überprüfen kann.
Mit einem Mythos möchte HDE-Sprecherin Balkow indes aufräumen. „Schoko-Osterhasen werden nicht eingeschmolzen und auch nicht in anderer Verpackung als Nikolaus oder Weihnachtsmann verkauft.“ Dieses Gerücht gehöre ins Land der Märchen und Sagen, schreibt auch der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie. „Das Umverpacken von Saisonware wäre weder gesetzlich erlaubt noch ökonomisch sinnvoll“.
Nicht verkaufte Saisonware wird auch nicht eingelagert und im nächsten Jahr wieder rausgeholt. Dafür wären allein die Lagerungskosten zu hoch. „Die Hersteller von Schoko-Osterhasen, -Nikoläusen oder -Weihnachtsmännern fertigen ihre Saisonartikel stets aus frisch hergestellter Schokoladenmasse“, erklärt der Süßwarenverband. Was auch mit Rabatten nicht weggehe, werde kostenlos an gemeinnützige Organisationen abgegeben.
Source: stern.de