Kommentar zu Entlastungen: Es muss Schluss sein mit jener Vollkasko-Mentalität

Eine Zapfpistole steckt in einem Tank.


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Stand: 15.04.2026 • 20:18 Uhr

Die Rufe nach Entlastungen wegen der hohen Spritpreise ebben nicht ab. Doch es ist eine Illusion zu glauben, die Politik könne den Bürgern alle Lebensrisiken abnehmen. Es braucht mehr Eigenverantwortung.

Wie wäre es mit einer höheren Pendlerpauschale? Oder doch einer niedrigeren CO2-Abgabe? Wie mit Direktzahlungen an Bedürftige? Oder gleich mit Eingriffen beim Spritpreis? Wer bietet mehr? – Das scheint die Devise der Politik zu sein.

Und nicht nur der Politik: Auch die Medien sind mitverantwortlich, wenn sie fordern, die Politik müsse doch endlich mal – und das natürlich sofort. Da ist dann von „Benzin-Wut“ die Rede. Und klar: Die Bilder der Preistafeln an den Tankstellen gehören inzwischen zum Standardprogramm.

Politik kann Bürgern nicht alle Lebensrisiken abnehmen

Das Problem: Mit all dem wird eine Erwartungshaltung genährt, die die Politik nicht erfüllen kann. Denn wie bitte soll Politik mit Geld, das sie nicht hat, Probleme lösen, die ihre Ursachen ganz woanders haben? Wenn sie es versucht, dann profitieren in der Regel meist auch noch die Falschen, nämlich diejenigen, die sich die höheren Spritpreise eigentlich leisten können.

Es ist eine Illusion zu glauben, die Politik könne uns Bürgern alle Lebensrisiken abnehmen. In den vergangenen Jahren wurde das zwar versucht – Stichwort Bazooka, Stichwort Doppel-Wumms. Da ist eine Vollkasko-Mentalität entstanden, die nicht nur teuer erkauft wurde – bezahlt wurde nämlich meist mit Schulden, sondern die auch die Eigenverantwortung beschädigt hat.

Eigenverantwortung – das müsste heute bedeuten: Sprit sparen, wo möglich lieber öffentlich fahren als mit dem Auto, und beim nächsten Autokauf das E-Auto in Erwägung ziehen. Für die aktuelle Debatte bedeutet das, sich ehrlich zu machen – und Schluss zu machen mit dem Überbietungswettbewerb für staatliche Entlastungen.

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Source: tagesschau.de