Wegen Irankrieg: Der Ausflug mit welcher Fähre wird teurer
Was Autofahrer längst merken, macht sich auch in der Schifffahrt bemerkbar: Der hohe Ölpreis treibt die Kosten. An Nord- und Ostsee steigen die Preise für Fähren auf breiter Front. Betroffen davon sind nicht nur Ausflügler und Urlauber an der Küste. Auch auf den Fähren über Elbe, Weser oder Rhein muss mit teureren Tickets gerechnet werden.
„Seit Beginn des Irankriegs haben sich die Treibstoffkosten mehr als verdoppelt“, berichtet Tim Kunstmann, Europa-Chef der Flensburger Reederei FRS, die 75 Schiffe betreibt. Wer beispielsweise von Sylt auf die dänische Nachbarinsel Rømø fährt, muss pro Person 50 Euro Treibstoffzuschlag zahlen und vier Euro pro Fahrzeug. Eine Ausflugsfahrt mit dem Highspeed-Katamaran von Hamburg auf die Hochseeinsel Helgoland kostet jetzt drei Euro mehr pro Strecke.

Verglichen mit den Gesamtkosten für solche Ausflüge, sind das geringe Beträge. Das gilt erst recht mit Blick auf den Gesamtpreis einer Urlaubsreise in die nordischen Länder oder ins Baltikum, selbst wenn die Zuschläge dort etwas kräftiger sind. So verlangt etwa TT-Line für die Reise von Travemünde nach Trelleborg in Schweden mittlerweile einen Treibstoffzuschlag von elf Euro pro Person und Strecke. Mit Finnlines von Travemünde nach Helsinki kostet das Ticket jetzt 30 Euro mehr.
Die Kunden zeigten im Allgemeinen großes Verständnis und akzeptierten Aufschläge angesichts des hohen Ölpreisanstiegs. Wirkungslos sind sie aber nicht, betont FRS-Geschäftsführer Kunstmann: „Man merkt, dass die Menschen angesichts der ganzen Situation sehr bewusst ihr Geld ausgeben. Da fällt womöglich schon mancher Wochenendausflug flach.“ Die höheren Kosten könnten hier also die Nachfrage beeinflussen.
Zuschlag auch auf der Rheinfähre Ingelheim
Etwas anders ist die Lage im Binnenland, wo es oft kaum eine andere Möglichkeit als die Fähre gibt, von A nach B zu kommen: über die Weser von Bremerhaven nach Nordenham etwa, über die Elbe von Schleswig-Holstein Richtung Cuxhaven oder über den Rhein von Ingelheim nach Oestrich-Winkel. Wer dafür den Weg über die Brücke in Mainz wählt, braucht für den 35 Kilometer langen Umweg mit dem Auto selbst mehr teuren Sprit und wohl mehr als eine Stunde länger. Auch hier wird die Überfahrt teurer, beispielsweise um zehn Cent pro Person und 40 Cent pro Auto auf der Ingelheim-Fähre.

FRS war einer der ersten Fährbetreiber, die mit den Zuschlägen auf den Ölpreisanstieg durch den Irankrieg reagierten. Aber andere ziehen inzwischen nach. So steigen etwa auch die Preise für Ausflugsfahrten mit der Reederei Adler-Schiffe mit Hauptsitz auf Sylt, die mit 25 Fahrgastschiffen Marktführer für Ausflugsfahrten an der deutschen Küste ist. Spätestens vom 1. Mai an sei wegen der erheblichen Kostensteigerungen ein Dieselzuschlag geplant, auch hier je nach Distanz bis zu vier Euro. Manche Fährunternehmen warten dagegen weiter ab. So berichtet die in Richtung Föhr und Amrum tätige Wyker Dampfschiffs-Reederei ebenso wie die Pellwormer Dampfschifffahrts GmbH, sie hätten sich gegen Preisschwankungen auf den Energiemärkten abgesichert.
Es könnte auch wieder besser werden, stellt etwa Adler in Aussicht. Auch Finnlines meldet, der EBS (Emergency Bunker Surcharge) genannte Zuschlag werde aufgehoben, sobald der Ölpreis wieder auf das Niveau vor Kriegsbeginn falle. Auch FRS würde bei entsprechenden Preissenkungen reagieren, stellt FRS-Manager Kunstmann in Aussicht. So habe man das auch während der Corona-Zeit gemacht. Er hält allerdings auch eine weitere Preissteigerung für möglich. „Eine herausfordernde Situation. Ich wache morgens auf und schaue als Erstes, was passiert ist“, kommentiert er die aktuelle Lage. Sollte der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau bleiben, würde es um Millionen höhere Kosten für FRS gehen.
„Es wäre schon hilfreich, wenn sich die Bundesregierung zu einer Entlastung entscheiden könnte“, sagte Kunstmann gegenüber der F.A.Z. Der Tankrabatt, wie ihn die Autofahrer erwarten können, gelte für Fährbetreiber nicht. Der Grund: Schiffsdiesel ist in Deutschland ohnehin von der Energiesteuer befreit.