Von Regierungskräften entführt: Deutsche Journalistin sitzt offenbar in syrischem Gefängnis starr
Von Regierungskräften entführtDeutsche Journalistin sitzt offenbar in syrischem Gefängnis fest
20.04.2026, 19:58 Uhr
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Eva Maria Michelmann wird seit Mitte Januar in Syrien vermisst. Nun berichten Zeugen, dass sie sich in einem Gefängnis in Aleppo befände. Außerdem berichten sie von Hunger und Misshandlungen. Ihre Familie macht Druck auf das Auswärtige Amt.
Die Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann ist Aussagen von kurdischen Kämpfern zufolge in einem syrischen Gefängnis eingesperrt. Laut einer Erklärung der Rechtsanwaltskanzlei, die Michelmanns Familie vertritt, bestätigten mehrere Zeugen übereinstimmend, dass die 36-jährige Kölnerin in einem Gefängnis in Aleppo festgehalten wird.
Michelmann war im Auftrag kurdischer Medien im Gebiet der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien, im Kurdischen auch Rojava genannt, tätig. Sie berichtete dort für pro-kurdische Medien. Mitte Januar wurde sie zuletzt gesehen. Augenzeugen zufolge hatte Michelmann während der Kämpfe zwischen syrischen und kurdischen Kämpfern zusammen mit anderen Menschen in einem Gebäude Zuflucht vor anrückenden syrischen Regierungskräften gesucht. Dort wurde sie demnach zusammen mit ihrem türkischen Kollegen Ahmet Pola von Sicherheitskräften festgenommen und abtransportiert.
Der Anwaltskanzlei zufolge berichtete ein freigelassener Kämpfer der Syrian Democratic Forces (SDF), er habe Ahmet Pola, den er bereits vor seiner Festnahme kennengelernt hatte, in der Haft wiedergetroffen. Pola sei wegen Verletzungen an Hand und Bauch in einem Krankenhaus behandelt worden, befinde sich aber in einem guten Gesundheitszustand. Michelmann selbst habe er nicht gesehen, andere weibliche Gefangene hätten aber berichtet, dass eine „deutsche Journalistin“ zusammen mit rund 40 anderen Frauen in Haft säße. „Bei dieser kann es sich nur um Eva Maria Michelmann handeln, da nicht bekannt ist, dass eine andere Journalistin aus Deutschland in Syrien inhaftiert ist“, schreibt die Kanzlei.
Der Zeuge spricht außerdem von Misshandlungen und Hunger im Gefängnis. Gefangene seien attackiert, beschimpft und misshandelt worden. Die Kanzlei habe das Auswärtige Amt bereits informiert. Der „Zeit“ gegenüber sagte Anwalt Roland Meister: „Das ist menschenrechtswidrige Isolationshaft. Vor uns liegt noch ein steiniger Weg bis zu ihrer Freilassung.“ Weder Familienangehörige, noch die deutsche Botschaft seien von der syrischen Übergangsregierung informiert worden.
„Die Bundesregierung und das Auswärtige Amt sind nun gefordert, ohne Rücksicht auf Geschäftemacherei die Kontaktaufnahme, den Besuch und Freilassung meiner Schwester zu erwirken“, sagte Meister. Auch die Familie der 36-Jährigen forderte Aufklärung. Das Auswärtige Amt sagte dem Bericht zufolge, man arbeite weiter mit Hochdruck daran, die Situation aufzuklären.
Die syrische Regierung bestreitet, Michelmann festzuhalten. Es ist kein Einzelfall, ein Bericht der UN aus dem März 2026 dokumentiert 24 Fälle staatlicher Isolationshaft. In acht solcher Fälle leugneten syrische Behörden die Inhaftierung trotz gegenteiliger Augenzeugenaussagen. Die Kommission bewertete das als „spurloses Verschwindenlassen“ von Menschen. Meister zufolge zeichnet all dies ein „eindeutiges Bild“.
Source: n-tv.de