Seltene Erden: Amerikas Rohstoffoffensive gegen China führt nachdem Brasilien

Die amerikanische Regierung hat in ihrem Bestreben, die USA von Lieferungen Seltener Erden aus China weniger abhängig zu machen, einen Erfolg erzielt: Die von ihr mit 1,6 Milliarden Dollar gestützte börsennotierte Aktiengesellschaft USA Rare Earth kündigte die komplette Übernahme des brasilianischen Seltenerdminenbetreibers Serra Verde an. Die Transaktion hat einen Wert von 2,8 Milliarden Dollar.
Serra Verde ist Eigentümer der Pela-Ema-Mine und einer Produktion zur Weiterverarbeitung der raren Rohstoffe im brasilianischen Bundesstaat Goiás. Der besondere Wert der Mine liegt nach den Worten der USA-Rare-Earth-Chefin Barbara Humpton darin, dass sie als einzige Lagerstätte außerhalb Asiens alle vier magnetischen Seltenen Erden in großem Maßstab liefern kann, zusammen mit weiteren wichtigen Seltenerdelementen wie Yttrium. Auch in der EU hatte die Mine Begehrlichkeiten geweckt.
Seltene Erden sind im anhaltenden geopolitischen Rivalitätskampf zwischen den Vereinigten Staaten und China zu einem wichtigen Druckmittel geworden. China fördert fast 70 Prozent der global gewonnenen Seltenen Erden und stellt fast 90 Prozent der raffinierten Seltenen Erden her; dazu zählen auch Materialien, die aus anderen Ländern importiert werden.
Abnahmegarantien stützen den Deal
Die hohe politische Priorität, die die US-Regierung der Übernahme beimisst, zeigt sich auch in den Lieferverträgen. Eine Zweckgesellschaft, hinter der neben privaten Kapitalgebern auch amerikanische Regierungsstellen stehen, garantiert die Abnahme der Produkte auf 15 Jahre. Der Abnahmevertrag umfasst 100 Prozent der Produktion von vier magnetischen seltenen Erdmetallen: Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium. Diese vier Elemente sind für Hochleistungs-Permanentmagnete zentral, wie sie in Elektromotoren, Windkraftanlagen, Elektronik und manchen Rüstungsgütern gebraucht werden.
„Die Welt ist zu abhängig von einer einzigen Quelle geworden, und es ist höchste Zeit, diese Abhängigkeit zu durchbrechen“, sagte USA-Rare-Earth-Chefin Humpton in der CNBC-Sendung „Squawk Box“. Thras Moraitis, Chef der Serra Verde Group, bestätigte, die US-Regierung sei „sehr aktiv“ dabei gewesen, Investitionen in den vorgelagerten Bereich anzuschieben. „Seltene Erden bilden einen strategischen Knotenpunkt, an dem nationale Sicherheit, Energiesicherheit und technologische Überlegenheit zusammenlaufen“, sagte er in einer Erklärung.
Länder reagieren auf Chinas Monopolstellung
China hatte voriges Jahr in Reaktion auf amerikanische Einfuhrzölle den Export Seltener Erden begrenzt und sogar vorübergehend unterbrochen und damit der Welt seine Quasimonopolstellung in diesem Sektor vor Augen geführt. Viele Länder sind seitdem bestrebt, sich Zugang zu zusätzlichen Bezugsquellen zu schaffen.
Die USA helfen ihren heimischen Unternehmen mit Finanzspritzen, um Förderung und Produktion zu stimulieren. An USA Rare Earth ist die US-Regierung durch Umwandlung von Subventionen mit zehn Prozent beteiligt. Das 2019 gegründete Unternehmen konzentrierte sich zunächst darauf, heimische Rohstoffvorkommen in den Vereinigten Staaten zu erwerben und zu erschließen, um eine Strategie „von der Mine bis zum Magneten“ aufzubauen, die Bergbau, Trennung, Metallproduktion und Magnetherstellung umfasst. Anfang 2025 stellte das Unternehmen seine erste Charge spezieller Magnete her. Im September 2025 erwarb USA Rare Earth einen britischen Hersteller von Seltenerdmetallen.
Die US-Regierung beteiligte sich auch an anderen Unternehmen: So erwarb das Verteidigungsministerium in diesem Jahr 15 Prozent der Anteile am Seltenerdspezialisten MP Materials. Das Unternehmen mit Sitz in Las Vegas besitzt und betreibt die Mountain-Pass-Mine, die bisher einzige in Betrieb befindliche Seltenerdmine mit Verarbeitungsanlage in den Vereinigten Staaten. Die Förderung wird durch langjährige Abnahmeverträge mit der US-Regierung gestützt.