Muskeln und Ausdauer: Fitnessstudio-Boom: Das sind die wichtigsten Trends

Ob Laufen, Hanteln stemmen oder Rückentraining: Fitness-Übungen sind wichtig, um den Körper in Form zu halten. Bei einer Kölner Messe wird der Body-Kult wieder schweißtreibend zelebriert.
Deutschlands Fitnessstudios boomen. Laut einer Studie des Branchenverbandes DSSV und der Beratungsgesellschaft Deloitte haben die etwa 9.600 Standorte rund 12,4 Millionen Mitglieder – das ist ein Höchstwert. „Wir sind stark wie nie, die Branche floriert“, sagt DSSV-Chef Thomas Wessinghage zum Auftakt der Fitnessmesse Fibo in Köln. Doch noch immer täten Millionen Menschen zu wenig für ihre Fitness, das Marktpotenzial sei groß. Die Branchentrends im Überblick.
Mehr Kraft und weniger Ausdauer
„Cardio ist out“, sagt ein Studiobetreiber, der namentlich nicht genannt werden möchte. Damit meint er Laufband, Rudergerät, Stepper und Spinning-Bikes. Andere Studiobetreiber bestätigen das teilweise, wählen aber moderatere Worte. So heißt es vom McFit- und John-Reed-Mutterkonzern RSG, die Flächenaufteilung sei in den vergangenen Jahren in den Studios „klar in Richtung Kraft, Functional Training und Freiflächen verschoben“ worden.
Mit Functional Training sind Übungen gemeint, die nicht an festen Geräten stattfinden, sondern auf Freiflächen – etwa Kniebeugen, Ausfallschritte oder Übungen mit dem Medizinball. Der reine Cardio-Anteil sei kleiner geworden, heißt es von RSG. FitX hat seine Freiflächen – „Turnecke“ genannt – ebenfalls vergrößert, und auch Fitness First berichtet von „etwas weniger klassischen Cardiogeräten“ und einer steigenden Nachfrage nach Krafttraining und funktionellem Training.
Eine Sonderrolle nimmt gewissermaßen das Hyrox-Training ein, bei dem sich Laufen und Workouts abwechseln. Hierzu gibt es spezielle Wettkämpfe, auch bei der Fibo schwitzen Hyrox-Fans um die Wette.
Aggregatoren (Multi-Anbieter-Plattformen)
Neben den Mitgliedern eines Studiobetreibers gibt es der Studie zufolge Menschen, die Zugang zu Fitnessstudios, Schwimmbädern, Pilates-Studios und anderen Sportanlagen über „Aggregatoren“ bekommen, etwa Urban Sports Club. Diese Firmen haben keine eigenen Studios, sondern sind gewissermaßen Untermieter der Betreiber.
Die Aggregatoren-Kunden sind nicht gebunden an einzelne Studios, sondern sie haben Zugriff auf ein großes Angebot verschiedener Betreiber. Das kann hilfreich sein, wenn man beruflich viel unterwegs ist, und es kommt denen zugute, die flexibel unterschiedlichen Sport machen wollen.
Der Aggregatoren-Markt boomt, der Studie zufolge griffen 2025 in Deutschland 1,47 Millionen Menschen auf die Plattformen zurück und damit 21,5 Prozent mehr als 2024. Studiobetreiber sehen die Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Einerseits lernen dadurch auch mal Menschen ihre Anlagen kennen, die sonst nicht gekommen wären. Andererseits drohen feste Studiomitglieder zu kündigen, um mit Aggregatoren flexibler aktiv zu sein.
Fitnessstudio ohne Personal
Der Trainer, der nett grüßt und mit Rat und Tat zur Seite steht: Für viele Menschen ist das wichtig. Andere Kunden wollen kein Small Talk und kommen bei ihren Übungen alleine klar, für sie könnten „Smart Gyms“ die richtige Wahl sein. Das sind Studios ohne festes Personal: Man kommt rein mit dem Smartphone, der Innenraum ist kameraüberwacht. Ein Beispiel ist die Kette Fitomat, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz 228 personallose Studios hat. 2025 kamen 91 hinzu, 2026 sollen weitere 106 folgen.
Die Smart Gyms sind häufig in kleinen Städten – also dort, wo sonst kein Studio ist. Budget-Fitness und dauerhafte Personalpräsenz seien wirtschaftlich nicht mehr vereinbar, sagt Fitomat-Chef Björn Schultheiss. „Wer attraktive Preise und Präsenz in jedem Winkel der Republik bieten will, muss konsequent auf Technologie statt auf teure Vor-Ort-Strukturen setzen.“
Künstliche Intelligenz
KI revolutioniert das Berufsleben und den Alltag vieler Bürger, diese Innovation hält langsam auch Einzug in Deutschlands Fitnessbranche. Digitalisierung samt guter Datenauswertung werden wichtiger. Johannes Maßen von Fitness First berichtet, dass KI die Erstellung von Trainingsplänen ermögliche und den Aufwand von administrativen Tätigkeiten reduziere. Von der John-Reed- und McFit-Mutter RSG-Group heißt es ebenfalls, Künstliche Intelligenz werde zur Trainingsplanerstellung genutzt. KI gewinne an Bedeutung, betont auch FitX. „Bislang nutzen wir KI noch nicht direkt im Trainingsbereich, sondern vor allem bei verschiedenen administrativen Prozessen oder im Mitgliedersupport.“
Kieser Training betrachtet KI als „Werkzeug zur Optimierung der Trainingsanalyse“. „In Zukunft zielen wir darauf ab, diesen datengestützten Ansatz weiter auszubauen, ohne dabei jemals die essenzielle persönliche Begleitung durch unsere Instruktorinnen und Instruktoren zu ersetzen“, sagt Firmenchef Michael Antonopoulos. „Bei Kieser ist die KI der Assistent des Trainers, niemals der Ersatz.“
Gesundheit im Fokus und Longevity (Langlebigkeit)
Das Schlagwort Longevity – auf Deutsch Langlebigkeit – dominiert die Branche. „Longevity bedeutet, auf den Schlaf achten, auf sich achten, sich gut ernähren und sich gut bewegen“, sagt die Ex-Radsportlerin in Paralympics-Medaillengewinnerin Denise Schindler. „Es geht um die tägliche und regelmäßige Bewegung.“ Dabei solle man auch nicht zu streng sein mit sich selbst. Wenn man mal ein Schnitzel esse, gehe die Welt davon nicht unter.
Fitnessstudios sehen sich hierbei in einer zentralen Rolle, um diese Langlebigkeit zu ermöglichen. In einer alternden Gesellschaft steigt der Bedarf von Senioren an Gesundheitsberatung und geeigneten Übungen. Auf der Fibo waren auch kuriose Übungsgeräte zu sehen, etwa eine Röhre namens „Flow System“, in dem der Nutzer liegt und dessen Durchblutung durch Über- und Unterdruck stimuliert wird. Mit den Armen macht er Kraftübungen.
Der Verband DSSV bewirbt Studios als Schlüssel, um gesundheitliche Probleme in der Gesellschaft zu entschärfen und damit die Kosten des Gesundheitssystems zu reduzieren. Durch Training könnten Erkrankungen an Diabetes oder Herzleiden verhindert werden. Senioren könnten länger zu Hause leben, anstatt schon früh ins Heim zu müssen. Der DSSV fordert von der Politik eine Stärkung von Prävention und Bewegungsförderung, etwa mit Steuererleichterungen für Firmen, die ihren Beschäftigten Training bezahlen.
Frauen-Fitness
Manche Studiobesucherin fühlt sich nicht allzu wohl, wenn Männer mit breitem Kreuz lautstark neben ihr trainieren. Damit sich solche Kundinnen wohler fühlen, bieten Studios spezielle „Lady Gyms „an, ihr Anteil an allen Standorten liegt bei rund fünf Prozent. Andere Studios reservieren einen Teil ihres Studios für Frauen. Bei McFit werden nun Frauen-Bereiche implementiert. Man wolle „Frauen einen noch komfortableren und niedrigschwelligen Einstieg ins Training ermöglichen“, heißt es von McFit-Mutter RSG. Damit reagiere man auf die steigende Nachfrage nach mehr Privatsphäre und Trainingskomfort.
dpa
Source: stern.de