Polizeiliche Kriminalstatistik: Die Straftaten werden brutaler

Wie sicher ist das Leben in Deutschland? Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten. Zunächst stellte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Montag bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik heraus, dass die Kriminalität in Deutschland im Jahr 2025 zurückgegangen ist. Die Polizei erfasste im vergangenen Jahr rund 5,5 Millionen Straftaten, das sind 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote lag wie im Jahr 2024 bei etwa 58 Prozent.
Allerdings ist ein Teil des Rückgangs mit der Teillegalisierung von Cannabis zu erklären. Es wurden deswegen weniger Drogendelikte erfasst; rechnet man diesen Sonderfaktor heraus, sank die Zahl der Straftaten 2025 um 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Auch bei der Gewaltkriminalität zeigt sich auf den ersten Blick ein Rückgang. Die Zahl der Delikte sank um 2,3 Prozent. Allerdings geht der Trend bei besonders schweren Taten in die entgegengesetzte Richtung. Die Zahl der Fälle von Mord und Totschlag stieg um 6,5 Prozent. Bei Vergewaltigungen und besonders schweren sexuellen Übergriffen stieg die Zahl der Fälle sogar um 8,5 Prozent. Die meisten Sexualdelikte sind Beziehungstaten.
Tatverdächtige werden immer jünger
Der sexuelle Missbrauch von Kindern nahm ebenfalls zu. Innenminister Dobrindt sagte in dem Zusammenhang, dass das Kabinett am Mittwoch den Gesetzentwurf zur IP-Adressenspeicherung beschließen werde. Mit dem Gesetz soll es den Ermittlungsbehörden erleichtert werden, Täter im digitalen Raum zu ermitteln. Am 29. April soll das Kabinett dann über weitere digitale Ermittlungsbefugnisse der Sicherheitsbehörden beraten.
„Kriminalität verändert sich“, sagte Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts, am Montag bei der Vorstellung der Zahlen. Über das Netz fänden Straftaten oft transnational statt, in Deutschland begangene Straftaten würden zudem brutaler. Zwar sei das allgemeine Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung hoch, sagte Münch. Aber vor allem nachts nehme es stark ab, besonders bei Frauen.
Schon in den vergangenen Jahren haben die Sicherheitsbehörden beobachtet, dass die Tatverdächtigen immer jünger werden. Dieser Trend hat sich auch für das Jahr 2025 bestätigt. Zwar ist die Jugendkriminalität im Vergleich zum Vorjahr rückläufig, doch bei Kindern bis 14 Jahren zeigt sich ein gegenläufiger Trend. In dieser Altersgruppe stieg die Gewaltkriminalität um 3,3 Prozent.
Deutlich mehr Gewalttaten von Jugendlichen als vor der Pandemie
Die Corona-Pandemie stellte hier eine Zäsur dar: Die Sicherheitsbehörden registrierten 23 Prozent mehr jugendliche Tatverdächtige als noch vor Corona. Auch bei anderen Fallzahlen ist der Einfluss der Corona-Jahre deutlich: Im Vergleich zu 2019, dem letzten Jahr vor Ausbruch der Pandemie, ist die Gewaltkriminalität um 17,3 Prozent gestiegen.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik führt mehrere mögliche Ursachen für den Anstieg der Gewaltkriminalität bei Kindern und Jugendlichen auf. Die psychische Belastung habe in den vergangenen Jahren zugenommen, Krisen und Zukunftsängste seien allgegenwärtig. Digitale Einflüsse, denen Jugendliche lange und häufig ausgesetzt sind, könnten Unsicherheitsgefühle weiter verstärken.
Anteil ausländischer Tatverdächtiger liegt bei mehr als einem Drittel
Lange Zeit wurde in Deutschland über Messerangriffe diskutiert. Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist Fälle, in denen ein Messer gegen eine Person eingesetzt oder damit gedroht wird, mittlerweile gesondert aus. 2025 wurden etwa 29.000 solcher Taten registriert, ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2024.
Die Zahl der Asylanträge in Deutschland war im Jahr 2025 weiter rückläufig, entsprechend ist die Zahl der ausländischen Tatverdächtigen zurückgegangen. Rechnet man die ausländerrechtlichen Verstöße heraus und schaut nur auf die Personen, die sich regulär in Deutschland aufhalten, sank die Zahl der Straftaten in dieser Gruppe um neun Prozent. Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen an allen Tatverdächtigen ist aber weiterhin hoch, er liegt bei 38,5 Prozent, also mehr als einem Drittel. Betrachtet man nur die Zuwanderer, so machten sie 8,2 Prozent aller Tatverdächtigen aus, mehr als das Doppelte ihres Anteils an der Gesamtbevölkerung.
Auch unter nichtdeutschen Tatverdächtigen stechen Jugendliche heraus
Bei der Herkunft der Tatverdächtigen gibt es deutliche Unterschiede. Auskunft darüber gibt die sogenannte Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ), die Tatverdächtige pro 100.000 Einwohner ausweist. Demnach liegt der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger in allen Altersgruppen mindestens doppelt so hoch wie bei deutschen.
Die TVBZ lag im Jahr 2025 bei nichtdeutschen Tatverdächtigen bei 4788, die der deutschen bei 1813. Bei männlichen Jugendlichen liegt die TVBZ der Nichtdeutschen bei 13.811, bei den deutschen Vergleichspersonen bei 6118. Besonders groß ist die Differenz bei der Gewaltkriminalität. Hier liegt die TVBZ der nichtdeutschen Tatverdächtigen bei 628, bei den deutschen bei 158. Auch hier sticht die Zahl der jugendlichen Tatverdächtigen heraus.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik liefert dafür mehrere Erklärungen. Zunächst sei der Anteil junger Männer in der nichtdeutschen Bevölkerung besonders hoch, heißt es in dem Bericht. Dazu kämen soziale Belastungen, schwierige Lebensbedingungen und Gewalterfahrungen, insbesondere bei Migranten. Auch sogenannte gewaltlegitimierende Einstellungen – also die Akzeptanz von Gewalt unter bestimmten Umständen – könnten eine Rolle spielen.
Die meisten nichtdeutschen Tatverdächtigen haben die türkische Staatsbürgerschaft, gefolgt von Syrern und Rumänen. Danach folgen Tatverdächtige aus der Ukraine, Polen und Afghanistan. Diese Rangliste bildet allerdings nur die absoluten Zahlen ab, nicht die Belastung im Verhältnis zur jeweiligen Bevölkerungsgröße in Deutschland.
Source: faz.net