Käufer aus Abu Dhabi: 1,4 Milliarden Pfund zu Händen Londoner Edel-Restaurants

Mit Edelrestaurants wie der „Ivy“-Kette, „Sexy Fish“ oder „Scott’s“ in der britischen Hauptstadt lässt sich offenbar viel Geld machen. Die Restaurants sowie die „Annabel“-Privatklubs wechseln nun den Besitzer. Eine arabische Investorengruppe wird für die Übernahme die Rekordsumme von mehr als 1,4 Milliarden Pfund (1,6 Milliarden Euro) bezahlen, berichten britische Medien. An der Spitze der Investoren aus Abu Dhabi steht der Chef der IHC Group, Scheich Tahnoon bin Zayed al-Nahyan, der Vizeregierungschef der Vereinigten Arabischen Emirate und Bruder des Präsidenten der VAE. Es ist ein weiteres Beispiel für superreiche Investoren aus den Emiraten, die in Großbritannien auf Einkaufstour gehen.
Verkäufer ist Richard Caring, ein Unternehmer aus der Gastronomie-Branche, der in der Presse den Spitznamen „König von Mayfair“ trägt. Der 77 Jahre alte Selfmademan, der anfangs mit Textilien aus Asien ein Vermögen machte, hat in den vergangenen Jahrzehnten ein Imperium aus Bars, Restaurants, Nachtklubs und Immobilien besonders im Nobelstadtteil Mayfair erworben. Nun gibt er den Mehrheitsanteil an seinem Gastro-Imperium an die Investoren aus Abu Dhabi ab, bleibt aber Vorsitzender der Restaurant- und Klub-Gruppe.
Neuer Haupteigentümer wird die Luxus-Gruppe Diafa, die Scheich Tahnoons IHC Group angeschlossen ist. Seine IHC Group, ein riesiges Konglomerat mit 1500 Tochtergesellschaften weltweit, gehört mit umgerechnet gut 230 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung zu den wertvollsten Unternehmen an der Börse Abu Dhabi. Diafa betreibt schon mehrere Restaurants, unter anderem in Los Angeles. Chef ist ein früherer Asien-Manager von LVMH, Ravi Thakran.
Treffpunkte der High Society
Richard Caring wird in den jüngsten „Reichenlisten“ der „Sunday Times“ nur noch knapp als Milliardär geführt. Er scheint Geld zu benötigen, denn er hat seine Gastronomie-Gruppe schon vor mehr als zwei Jahren auf dem Markt angeboten. Lange Zeit fand er keinen Interessenten. Viele Unternehmen aus der britischen Gastronomie klagen über die gestiegenen Kosten und kämpfen mit stagnierenden Umsätzen.
Die Caring-Restaurants, die unter dem Unternehmensnamen Troia UK Restaurants firmieren, haben im vergangenen Jahr knapp über 300 Millionen Pfund Umsatz gemacht und vermeldeten einen Vorsteuerüberschuss von 58 Millionen Pfund. Der Milliarden-Kaufpreis stellt eine hohe Bewertung dar. Offenbar zahlen die Investoren einen Luxus-Aufpreis.
Caring-Restaurants und Klubs sind als Treffpunkte für die Londoner High Society bekannt, etwa die exklusiven „Annabel’s“-Nachtklubs oder das Lokal „Sexy Fish“ am Berkeley Square, einem der teuersten Plätze in Mayfair. „Scott’s“ gelten als besonders edle Lokale für Fisch- und Meeresfrüchte. Caring plant nun, über die Grenzen des Königreichs zu expandieren. Er will unter anderem das Konzept für die erfolgreiche Brasseriekette „The Ivy“ in die USA exportieren.