Marktführer: Der Vanadium-Bank vertrauen die Vermögensverwalter

In München fühlt sich Lars Hille wohl. Der frühere Kapitalmarktvorstand der DZ Bank ist seit dem Jahr 2020 Vorstandsvorsitzender der V-Bank. Die Depotbank für unabhängige Vermögensverwalter wie Flossbach von Storch oder DJE Kapital wächst mit großen Schritten, seit Hille in München am Sitz der V-Bank das Ruder übernommen hat. Auch im vergangenen Jahr konnte das Institut die Erfolgsgeschichte fortsetzen, wenn auch dieses Mal kein neuer Rekordgewinn vorgelegt werden konnte.
Für Hille ist dies im Gespräch mit der F.A.Z. kein Problem: „Wir sind mit der Geschäftsentwicklung im vergangenen Jahr sehr zufrieden.“ Dem Rekordgewinn von 2024 sei man mit 52,2 Millionen Euro sehr nahegekommen. Gefehlt haben rund zwei Millionen Euro. Für Hille ist es wichtiger, dass die Dividende verdoppelt werden könne und gleichzeitig 20 Millionen Euro zur Stärkung der Innenfinanzierungskraft reserviert werden könnten. Das zurückliegende Jahr sei von Investitionen geprägt gewesen. Diese dienten vor allem strukturellen Grundlagen für Kundenzufriedenheit.
Breites Wachstum
„Der klare Fokus ist und bleibt eine exzellente Betreuung unserer Geschäftspartner entsprechend unseres Qualitätsanspruchs“, betont der V-Bank-Chef. Nachdem im vergangenen Jahr 15 Millionen Euro in IT und Personal investiert worden seien, plane die V-Bank im laufenden Jahr Investitionen von 30 Millionen Euro. „Wir wachsen in allen Kennzahlen, seien es die verwahrten Vermögen oder die Anzahl der Kunden“, sagt Hille.
Nach seinen Angaben verwaltet die V-Bank inzwischen mehr als 73.000 Depots für rund 500 unabhängige Vermögensverwalter nach rund 65.000 im Vorjahr: „Darunter sind gut 800 Depots von Stiftungen, die unabhängige Vermögensverwalter für ihre Stiftungsmandanten bei uns führen.“ Darüber hinaus nutzten rund 80 Family Offices die V-Bank als Depot- und Abwicklungsbank. Er hält die V-Bank für die größte Depotbank Deutschlands für unabhängige Vermögensverwalter. Dahinter folge die DAB Bank, aus der die V-Bank hervorgegangen ist.
Hille verweist auf eine Studie von Oliver Wyman, wonach der Markt für unabhängige Vermögensverwalter in Deutschland rund 480 Milliarden Euro groß ist. Um sich besser vergleichen zu können, bereinigt die V-Bank nach seinen Worten diese Zahl unter anderem um das Anlagevermögen in eigenen Publikumsfonds der unabhängigen Vermögensverwalter, welches von anderen Kundengruppen gehalten und nicht von der V-Bank oder einer vergleichbaren Depotbank verwahrt werde. „Unser Zielmarkt ist dann rund 200 Milliarden Euro groß. Damit kommen wir auf einen Marktanteil von 30 Prozent“, sagt Hille.
50 bis 60 Kontoeröffnungen am Tag
Die V-Bank will in Deutschland mit den Kunden wachsen, also mit den Vermögensverwaltern, Family Offices und Stiftungen. Der Markt weist nach Ansicht von Hille gute Perspektiven auf: „Wir hatten im vergangenen Jahr im Durchschnitt 30 bis 40 Kontoeröffnungen am Tag, derzeit liegen wir zwischen 50 und 60.“ Ziel sei es, die führende Position am Markt weiter auszubauen: „Deshalb investieren wir kontinuierlich in die IT.“ Den Kunden soll eine moderne und zukunftsfähige Kundenplattform mit Portfoliomanagement-Funktionalitäten auf dem neuesten Stand angeboten werden.
Diese sollen nach Hilles Vorstellung perspektivisch auch den gemeinsamen Datenschatz für ihren Beratungs- und Investmentprozess – Stichwort Künstliche Intelligenz (KI) – nutzen können. Schließlich spiegle der Datenschatz die Intelligenz von rund 500 Vermögensverwaltern. Die KI sei entsprechend ein Investitionsschwerpunkt.
Guter Jahresauftakt
Der Jahresauftakt verlief für die V-Bank gut. Hille berichtet von Rekordwerten im ersten Quartal: „Die unruhigen Börsen führen zu vermehrten Transaktionen, an denen wir mitverdienen.“ In den ersten drei Monaten verzeichnete die V-Bank mehr als 700.000 Transaktionen, verglichen mit 2,1 Millionen im Gesamtjahr 2025. Die unabhängigen Vermögensverwalter wachsen nach Beobachtung von Hille derzeit sehr stark unter Kunden mit einem Anlagevermögen von 250.000 Euro an. Das gehe zulasten der Banken.
„Unsere Depots haben eine durchschnittliche Größe von rund einer Million Euro“, fügt der Vorstandschef hinzu. Die Kundendepots entwickelten sich sehr stabil. Der Löwenanteil entfalle weiterhin auf Aktien. „Der Anteil von Aktien und Derivaten in den von uns verwalteten Depots ist sogar im vergangenen Jahr von 52 auf 58 Prozent gestiegen“, berichtet Hille.
Sein Augenmerk gilt derzeit der Niederlassung in der Schweiz. Er erwartet, dass die dortige Tochtergesellschaft ihre Tätigkeit als Bank im zweiten Halbjahr aufnehmen könne. Der Antrag für die dafür erforderliche Lizenz wurde im vergangenen Jahr bei der Schweizer Finanzmarktaufsicht (FINMA) eingereicht. „Die Schweiz ist das Mutterland der unabhängigen Vermögensverwalter“, sagt Hille. Der Markt sei mit einem Volumen von 500 Milliarden Franken deutlich größer als der deutsche.
„Aufgrund der geopolitischen Unsicherheiten und für eine geografische und währungsmäßige Diversifikation ist die Schweiz in den vergangenen Jahren erneut deutlich attraktiver geworden“, beobachtet Hille. Es dürfte also Geld von Deutschland in die Schweiz fließen. „Dass wir keine Produktinteressen und kein eigenes Private Banking haben, sehen wir auch in der Schweiz als Vorteil. Für eine Depotbank ist das dort fast schon ein Alleinstellungsmerkmal“, hofft er auf einen guten Start.
Source: faz.net