Deutscher Kleinsatellit im Kontext Artemis-Mission vorzeitig verglüht – Bodenstation fehlte Zulassung

Er sollte Monate im Weltraum kreisen, aber wegen Problemen mit der Bodenstation überlebte Tacheles nur einen Tag, wie WELT jetzt erfuhr. Das Berliner Raumfahrt-Start-up wertet es trotzdem als Erfolg.

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Die Gründerin und Chefin des Berliner Raumfahrt-Start-up Neurospace spricht zumindest von einem Teilerfolg. Der schuhkartongroße deutsche Kleinsatellit Tacheles war einer von vier Cubesats, die mit der amerikanischen Mond-Mission Artemis 2 in den Weltraum gebracht wurden. Etwa fünf Stunden nach dem Start wurde der Kleinsatellit in etwa 47.000 Kilometer Entfernung von der Erde ausgesetzt.

Doch statt fünf Monate oder bis zu zwei Jahre wie geplant im All zu kreisen, verglühte Tacheles bereits nach gut einem Tag. Der Grund: Der Bodenstationsbetreiber erhielt keine Zulassung für den Tacheles-Betrieb, erklärt die Neurospace-Chefin Irene Selvanathan auf WELT-Anfrage. Wer der Bodenstationsbetreiber ist und von wem die Zulassung fehlte, wollte Selvanathan auf Anfrage nicht mitteilen.

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Hierüber sei Neurospace kurz vor der Mission informiert worden. Die Triebwerke von Tacheles konnten daher nicht wie geplant gezündet werden. Womöglich hätte der Kleinsatellit unkontrolliert sonst zu einer Gefahr für die Internationale Raumstation ISS werden können.

„Der Satellit hat wunderbar und wie geplant funktioniert“

In der kurzen Lebenszeit von Tacheles hätten andere Bodenstationen dennoch eine Unmenge an Daten empfangen und den Kleinsatellit im Orbit verfolgt. „Der Satellit hat wunderbar und wie geplant funktioniert“, so die Neurospace-Chefin. Nun werden Gigabyte an Daten ausgewertet. Tacheles sollte vor allem der Erprobung der Elektronik-Komponenten für den künftigen Mond-Rover HiveR von Neurospace dienen. Durch einen monatelangen Flug im Strahlungsumfeld des Weltraums sollte die Elektronik auf Herz und Nieren getestet werden.

Die Neurospace-Gründerin will sich von dem vorzeitigen Ende der Tacheles-Mission nicht entmutigen lassen. Sie wertet es bereits als großen Erfolg, dass die Nasa das deutsche Start-up mit lediglich rund zwei Dutzend Beschäftigten zur Artemis-Mission zugelassen hat. Das Schicksal, nicht die Triebwerke zur Bahnkorrektur zünden zu können, traf nach Angaben des renommierten Raumfahrtexperten Jonathan McDowell auch den südkoreanischen Kleinsatelliten K-RadCube, schreibt der Experte auf der Plattform X.

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Die europäische Weltraumagentur ESA und das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Deutsche Raumfahrtagentur hoben immer wieder den Beitrag Europas und Deutschlands zum Gelingen der Artemis-2-Mond-Mission hervor. Insbesondere das unter der Leitung der ESA bei Airbus in Bremen gebaute Europäische Servicemodul zur Versorgung der vier Astronauten habe zum Erfolg beigetragen.

DLR-Generaldirektor Walther Pelzer sagte im Kontext der Aremis-Mission sinngemäß, dass Deutschland bei der Rückkehr der Menschheit zum Mond „ganz vorne mit dabei“ sei – unter anderem durch Tacheles und weitere deutsche Technologien. Tacheles sei ein Beispiel für die Aktivitäten der deutschen NewSpace-Szene. Das DLR hat die Tacheles-Mission mit 1,3 von insgesamt 1,8 Millionen Euro Projektkosten unterstützt und koordinierte mit der Nasa auch die Teilnahme an der Mond-Mission.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Gerhard Hegmann ist freier Wirtschaftsredakteur und berichtet seit Jahrzehnten insbesondere über die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie.

Source: welt.de