Tarifeinigung: Ostdeutsche Textilindustrie: Diese Entgelterhöhungen stillstehen demnächst an

Die IG Metall hatte im Vorfeld der Einigung zu Warnstreiks aufgerufen.

Die rund 13.000 Beschäftigten der ostdeutschen Textilindustrie bekommen in Kürze mehr Geld. Was der neue Tarifabschluss vorsieht und wann die Erhöhungen greifen.

Die Beschäftigten der ostdeutschen Textilindustrie bekommen mehr Geld. In der dritten Tarifrunde sei ein Abschluss für die rund 13.000 Mitarbeiter der Branche erzielt worden, informierte der Verband der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (vti) mit Sitz in Chemnitz. Neben einer Einmalzahlung von 350 Euro im Juli sollen die Löhne im November 2026 um 2,2% und zum 1. Juni 2027 um weitere 2,3% steigen. „Die Beschäftigten der Entgeltgruppen 1 erhalten darüber hinaus einen Festbetrag“, teilt der Verband mit. Der Tarifvertrag zur Altersteilzeit wurde verlängert.
Die Einigung sei in der dritten Tarifrunde erzielt worden, die Vetragslaufzeit betrage 18 Monate. Der Verband ist zuständig für die ostdeutschen Bundesländer. Er hat rund 110 Mitglieder vor allem in Sachsen und Thüringen.

So beurteilen die Arbeitgeber den Tarifabschluss

„Die Verhandlungen waren außerordentlich anspruchsvoll. Für viele Betriebe sind die Belastungsgrenzen erreicht oder bereits überschritten. Deshalb kam es in dieser Tarifrunde besonders darauf an, Augenmaß zu bewahren und einen Abschluss zu finden, der auch in der betrieblichen Realität Bestand hat“, sagt André Lang, Vorsitzender der Tarifkommission des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie.

Am Ende zähle aber, „dass wir ein Ergebnis erzielt haben, das für unsere Unternehmen tragbar ist und zugleich Verantwortung für die Beschäftigten zeigt“. Bis zuletzt hätten die geopolitischen Spannungen, handelspolitische Unsicherheiten und eine weiter schwache Konjunktur die Gespräche maßgeblich beeinflusst.

So beurteilt die Gewerkschaft den Tarifabschluss

Nach langen und schwierigen Verhandlungen hätten die IG Metall und der Arbeitgeberverband vti ein Tarifergebnis erzielt, erklärt dazu die Arbeitnehmerseite. IG Metall-Verhandlungsführerin Eileen Müller sprach von einem „tragfähigen Ergebnis in wirtschaftlich angespannten Zeiten“. Neben den genannten Erhöhungen und der Einmalzahlung gibt es der Gewerkschaft zufolge „plus 80 Euro Azubi-Vergütung ab August 2026 plus weitere 70 Euro ab August 2027“.

„Gegen massiven Widerstand der Arbeitgeber konnten wir eine Nullrunde bis weit ins nächste Jahr verhindern“, teilt die IG Metall mit. Mit ihren „kraftvollen Warnstreiks“ hätten die Kolleginnen und Kollegen die Blockade in den Verhandlungen durchbrochen. „Dieser Abschluss setzt ein wichtiges Signal für stabile Einkommen, bessere Perspektiven für Auszubildende und soziale Sicherheit bis zum Übergang in die Altersteilzeit“, so die Gewerkschaft. Das Ergebnis stärke die Beschäftigten und schaffe Planungssicherheit für die kommenden Monate.