Bürgerkrieg im Sudan: Drei Jahre Schrecken und kein Ende in Sicht

Ein Mann sitzt vor einem zerstörten Hochhaus.

Stand: 15.04.2026 • 02:37 Uhr

Vor drei Jahren begannen im Sudan die Kämpfe zwischen der Armee und der RSF-Miliz. Zehntausende Menschen wurden getötet, die UN sprechen von der größten humanitären Katastrophe. Eine Konferenz in Berlin soll helfen, die Not zu lindern.

Die Flucht aus Al-Faschir war eine Tortur für Mahasen Fadl. Zu Fuß versuchte sie, sich mit ihren sieben Kindern in Sicherheit zu bringen, weg von den Gefechten und den Massakern in der Stadt in der westlichen Region Darfur im Oktober 2025.

Wo ihr Mann war, wusste sie nicht. Nur, dass ihn Geschosse der Milizionäre der Rapid Support Forces (RSF) getroffen hatten.

„Sie blutete ununterbrochen, bis sie starb“

Auch ihre zweijährige Tochter Asawir war verletzt durch einen Granatsplitter: „Ich trug sie auf dem Arm und sie blutete ununterbrochen, bis sie starb. Wir waren in einem Dorf östlich von Al-Faschir; dort haben wir sie begraben und die Reise dann fortgesetzt“, erzählt Mahasen.

Der Tod ihrer Tochter war für sie der schmerzhafteste Teil einer Odyssee, die noch länger andauerte. Zuerst kam sie mit den überlebenden Kindern ins Flüchtlingslager Ad-Dabba, mehr als 1.000 Kilometer nördlich von Darfur. Dort habe sich niemand um sie gekümmert, deshalb sei sie weiter nach Khartum.

An das, was sie in Al-Faschir erlebt hat, erinnert sich Mahasen mit Grauen: „Ich habe gesehen, wie die RSF-Kämpfer Mädchen auf den Straßen vergewaltigt haben. Sie haben die Leute beraubt und ihr Geld gestohlen. Es sind schreckliche Dinge passiert.“

Internationale Sudan-Konferenz in Berlin

In Berlin findet heute – anlässlich des Jahrestags des Kriegsbeginns – die dritte internationale Sudan-Konferenz statt. Sie wird von der Bundesregierung gemeinsam mit Großbritannien, Frankreich, den USA sowie der Europäischen und der Afrikanischen Union ausgerichtet. Die Veranstaltung besteht aus einem Außenministertreffen, einer humanitären Konferenz und einer Zusammenkunft ziviler Akteure. Im Kern geht es darum, Aufmerksamkeit und mehr Hilfe für die Bevölkerung zu mobilisieren und Wege aus dem Krieg zu finden. Ähnliche Konferenzen gab es vergangenes Jahr in London und 2024 in Paris.

Kein Ende des Krieges in Sicht

Die Gräueltaten von Al-Faschir waren der Tiefpunkt dieses Krieges, dessen Ende nicht abzusehen ist. Die RSF-Milizen sollen in der Stadt Tausende Menschen getötet haben, Schätzungen reichen bis zu 60.000 Toten. Zehntausende Personen werden noch vermisst, genaue Zahlen kennt niemand.

Die Schauplätze des Krieges liegen inzwischen in Darfur und im Süden des Landes. Begonnen hat er vor drei Jahren in der Hauptstadt Khartum. Ein Machtkampf zwischen zwei Generälen schlug in einen grausamen Krieg um. Die RSF, angeführt von Mohammed Daglo, genannt Hemedti, griffen die Truppen der regulären Armee an und konnten die Hauptstadt nach heftigen Kämpfen weitgehend erobern.

Zunächst sah vieles nach einem Siegeszug der von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützten Milizen aus, doch 2025 wendete sich der Kriegsverlauf. Die Armee unter Abdel-Fattah al-Burhan eroberte wichtige Städte zurück, im Frühjahr auch die Hauptstadt.

„Wir werden noch 21 Jahre weiterkämpfen“

Was sich nicht verändert hat, ist die Unerbittlichkeit, mit der sich beide Seiten bekämpfen: Hemedti tönte nach dem Verlust der Stadt Wad Madani: „Nun kämpfen wir seit 21 Monaten gegen sie und wir werden noch 21 Jahre weiterkämpfen, bis sich die Kräfteverhältnisse ändern werden.“

Armeechef Al-Burhan gibt sich nicht weniger martialisch: „Die Gräueltaten, die an unserem Volk verübt wurden und das bittere Leid, das ihm diese Verbrecher zugefügt haben, machen jede Form des Umgangs mit ihnen unmöglich.“

Auch seinen Truppen werden Kriegsverbrechen und Massaker vorgeworfen. Alle Versuche der internationalen Gemeinschaft, die Kriegsparteien zumindest zu einem Waffenstillstand zu bewegen, blieben halbherzig und ohne Erfolg.

Mehr als zwölf Millionen Menschen auf der Flucht

Das Leid trägt die Zivilbevölkerung. Mehr als zwölf Millionen Menschen sind auf der Flucht, die meisten von ihnen im eigenen Land. Dazu kommt der Hunger: Etwa die Hälfte der 50 Millionen Sudanesen ist auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Doch auch die Helfer geraten unter Beschuss: Lebensmittellieferungen werden von den Milizen und der Armee blockiert. Hunger wird so zu einer Waffe im Krieg.

„Wir mussten sogar Tierfutter essen“

Mahasen Fadl berichtet, wie sie und ihre Kinder in Al-Faschir überlebt haben, als die RSF die Stadt einnahm: „Täglich fielen mehr als 250 Granaten. Den ganzen Tag haben wir uns verschanzt, ohne Essen, ohne Trinken. Es gab keine Lebensmittel mehr, wir mussten sogar Tierfutter essen.“

In der Hauptstadt Khartum sind ein Jahr nach der Rückeroberung durch die Armee überall Einschusslöcher zu sehen, zerstörte Häuser und ausgebrannte Panzer am Straßenrand.

Ein Hauch von Normalität

Und doch ist auch ein Anflug von Normalität zu spüren. Viele Schulen haben wieder geöffnet. Menschen, die von hier geflohen sind, kehren zurück.

Auch Mahasen fühlt sich hier vorläufig sicher. Vor Kurzem erhielt eine gute Nachricht: Ihr Mann lebt. „In dem Moment, als er verschwand, hatte ich die Hoffnung verloren. Wie soll ich das Leben meistern, wenn ich keine Stütze mehr habe? Ich habe nur noch gebetet, bis Gott uns wieder zusammengeführt hat. Es war wunderschön. Die Kinder haben sich so gefreut, dass ihr Vater wieder da ist.“

Der Vater ist zurück, aber wie das gesamte Land vom Krieg gezeichnet. Noch immer hat er Granatsplitter im Knie.

Source: tagesschau.de