„Besser keine Beziehung mit einem Mann eingehen“, sagt dieser Kriminalbeamte im Zweites Deutsches Fernsehen-„Heute Journal“

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht – über diese Weisheit dürfte auch Dirk Peglow vom Bund des Deutschen Kriminalbeamten aktuell nachdenken. Der Beamte war am Montag im „Heute Journal“ bei Dunja Hayali als Experte zu Gast, das Thema war die aktuelle polizeiliche Bundeskriminalstatistik, in der – auch WELT hatte berichtet – eine steigende Zahl von Vergewaltigungen (plus 8,5 Prozent) und auch nicht-deutschen Straftätern zu verzeichnen war. Im Zuge des Interviews fiel ein etwas flapsiger Satz, der anschließend in den sozialen Medien teils kontrovers, teils erregt diskutiert wurde.

Gegen Ende des Gesprächs hatte Peglow auf die Abschlussfrage der Moderatorin „Was raten Sie Frauen?“ geantwortet: „Wenn man nach der statistischen Anzahl geht, besser keine Beziehung mit einem Mann eingehen. Da ist das Risiko erheblich höher, Opfer von psychischer oder physischer Gewalt zu werden.“

Bei X wurde daraufhin gefragt, ob der Experte gerade wirklich ernsthaft vor heterosexuellen Beziehungen gewarnt habe und ob so womöglich von einem ernsthaften Problem – dem erwähnten Anstieg der Vergewaltigungszahlen – abgelenkt werden solle.

„Meine Aussage war erkennbar zugespitzt formuliert“, wehrt sich der Beamte

Tatsächlich gemeint hatte der Vorsitzende des BDKs aber wohl, dass häusliche Gewalt nach wie vor die größte Bedrohung für Frauen ist. BKA-Präsident Holger Münch etwa hatte bei der Vorstellung des Bundeslagebilds „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten“ und „Häusliche Gewalt“ für das Jahr 2024 offiziell erklärt: „Die Zahl der Straftaten an Frauen steigt kontinuierlich. Wir sehen hier allerdings nur das Hellfeld. Gerade bei häuslicher Gewalt, die oft hinter verschlossenen Türen geschieht, gibt es ein hohes Dunkelfeld.“ Ferner glauben die Kriminalisten, dass auch die gestiegene Bereitschaft, Missbrauchstaten auch zur Anzeige zu bringen, für die aktuell steigenden Fallzahlen verantwortlich sind.

Auf Nachfrage von „Bild“ präzisierte Kriminalbeamten-Chef Peglow seine Äußerung denn auch genauso: „Meine Aussage war erkennbar zugespitzt formuliert. Sie war nicht als wörtlicher Rat gemeint.“

Auf keinen Fall habe er pauschal vor Beziehungen zwischen Männern und Frauen warnen und auch „keinen Generalverdacht gegen Männer“ aussprechen wollen. „Die überwältigende Mehrheit der Männer ist nicht gewalttätig und nicht Täter“, so Peglow in aller Deutlichkeit zu „Bild“.

Wichtig sei ihm aber die Botschaft, so Peglow weiter, dass Frauen zumeist nicht von völlig Fremden Gewalt angetan werde, sondern die Täter zumeist im privaten oder familiären Umfeld zu finden seien. Die Vorstellung vom vorher unbekannten Täter sei ein „verbreitetes Fehlbild“ und entspreche in vielen Fällen nicht der Realität.

Dies hatte der Beamte auch im Gespräch mit Hayali betont: Es sei, Zitat Peglow, „nicht der fremde Mann, der hinter dem Busch wartet“, von dem Gefahr ausgehe.

„Die Männer, die ich kenne (…)“, sagt Hayali

Die teils kontroverse und streckenweise auch beleidigenden Reaktionen im Netz blieben aber auch der „Heute Journal“-Moderatorin nicht verborgen. In einem Videostatement bei Instagram blickte Dunja Hayali selbst auf die steigenden Vergewaltigungszahlen („plus 8,5 Prozent!“), ihre Sendung und die Interviewaussage zurück.

Dort beklagte sie die ihrer Meinung nach völlig überzogenen Reaktionen. „Jetzt gibt es Männer, die nicht etwa den Anstieg von Gewalt gegen Frauen beklagen, sondern Gewaltfantasien und Gewaltandrohungen äußern, gegen meinen Interviewpartner und gegen mich.“

Davon distanziert sich die ZDF-Moderatorin deutlich, und führte dann noch aus: „Die Männer, die ich kenne, die kriegen diese Aussage nicht in den falschen Hals, ziehen sich nicht den Schuh an, sondern können das sehr wohl sehr gut einordnen (…)“.

Sauer, so Hayali weiter, seien aber auch die Männer in ihrem Umfeld: „Nicht auf die Menschen, die die Probleme ansprechen, sondern auf die, die sie auslösen. Die Problemmänner. In diesem Sinne: Gute Nacht.“

Source: welt.de