Irankrieg: Trump hat geblufft

Zwei Dinge, die sich seit Längerem abgezeichnet haben, sind nun ziemlich klar. Das eine ist, dass Trump so schnell wie möglich aus dem Irankrieg aussteigen will. Seine immer wieder verlängerten Ultimaten an die iranische Führung waren letztlich ein Bluff, sie setzten ihn selbst stärker unter Druck als seinen Gegner.
Trump hat sich unüberlegt auf einen Krieg eingelassen, der der US-Wirtschaft und der gesamten Welt hohe Kosten aufbürdet und der in Amerika unpopulär ist. Noch nie in ihrer (kurzen) Geschichte ist insbesondere die MAGA-Bewegung des Präsidenten so offen zerfallen. Das könnte für die Republikaner ein ernsthaftes Problem bei den Kongresswahlen im November werden.
Ohne jedes Zugeständnis
Zweitens ist die iranische Führung trotz ihrer Schwächung gewillt, den Konflikt auszusitzen. Dass sie die geplanten Verhandlungen in Pakistan platzen ließ, ist nicht nur eine öffentliche Brüskierung der Amerikaner, sondern auch ein Zeichen, dass sie sich immer noch stark genug fühlt, um vor allem beim Atomprogramm unnachgiebig zu bleiben.
Dafür hat sie gute Gründe: Das einzige substanzielle Zugeständnis, das sie bisher gemacht hat, die Wiedereröffnung der Straße von Hormus, hat sie sich mit einem Waffenstillstand in Libanon vergelten lassen, um es gleich wieder einzukassieren, als Trump seine eigene Blockade nicht aufhob. Jetzt bekommt sie sogar eine unbefristete Verlängerung des Waffenstillstands ohne jedes Zugeständnis.
Regimewechsel unwahrscheinlich
Die große Frage ist, wer den längeren Atem hat: der „America First“-Präsident, der die Auswirkungen des Krieges auf sein Land minimieren muss, oder das iranische Regime, das durch die fortwährende US-Blockade unter noch stärkeren wirtschaftlichen Druck gerät als bisher schon?
Der Ausgang ist da fürs Erste offen. Aber ein (echter) Regimewechsel erscheint derzeit unwahrscheinlich, und völlig entwaffnet ist Iran ja auch nicht. Trump, der in der Außenpolitik alles anders machen wollte, ist nun wie seine Vorgänger in einem asymmetrischen Konflikt gefangen, der Amerikas militärische Macht relativiert.
Für den Rest der Welt, gerade für Europa, sollte das kein Anlass zur Schadenfreude sein, auch nicht zu weiterer Untätigkeit. Je länger die Krise andauert, desto höher werden auch die Kosten für die Länder, die gesagt haben, das sei nicht ihr Krieg.
Source: faz.net