Reiche in welcher deutschen Bank: „Wir zu tun sein dies Zusammenspiel verbessern“

Raffael Gasser, im November 2024 von der UBS zur Deutschen Bank als Leiter des Geschäftes mit hochvermögenden Privatkunden gewechselt, zündet einen weiteren Ausbauschritt. Für eine bessere Betreuung „aus einem Guss“ von besonders komplexen Vermögen bindet die Deutsche Bank jetzt die intern „DOAG“ genannte Deutsche Oppenheim Family Office AG mit Sitz in Köln stärker in den Konzern ein. Rechtlich bleibt das Überbleibsel der 2009 von der Deutschen Bank in Schieflage erworbenen Privatbank Sal. Oppenheim zwar erhalten, aber der DOAG-Vorstand berichtet künftig an einen Deutsche-Bank-Manager.

Deutsche Bank holt Gassers früheren Vorgesetzten Wehle

Dieser neue Leiter der Einheit für höchstvermögende Privatkunden (im Fachjargon: Ultra High Net Worth, UHNW) wird Philipp Wehle sein, der früher als CEO International Wealth Management Vorgesetzter von Gasser in der Credit Suisse war und der nun für eine der wichtigsten Positionen unter ihm verpflichtet wurde. Dass Wehle, derzeit Gesellschafter einer Schweizer Privatbank, im Sommer 2026 in die Zentrale nach Frankfurt wechselt und die DOAG künftig enger geführt wird, teilte die Deutsche Bank ihren Mitarbeitern am frühen Donnerstagmorgen mit.

Zu Wehles Bereich gehört künftig auch ein Team von Anlagespezialisten, das bisher dem gesamten Wealth Management (WM) zugeordnet war. Wehle wird zugetraut, etwas zu verbessern, was Gasser gleich am Anfang seiner Tätigkeit für die Deutsche Bank auffiel: das Zusammenspiel zwischen Wealth Management und Unternehmenssparte. Geprägt von seiner Zeit bei der Schweizer Bank UBS, für die er reiche Privatkunden in Deutschland betreute, glaubt Gasser an einen strategischen Vorteil der Deutschen Bank im Heimatmarkt: „Unser Haus ist stark als Kreditgeber im mittelständischen deutschen Firmenkundengeschäft, wir bekommen auch oft mit, wenn ein Unternehmer seine Firma verkauft oder in einer Familie ein Erbfall eintritt. Damit können wir einen Gesamtblick auf Kunden haben, den gerade ausländische Wettbewerber nur schwer bekommen können“, sagt Gasser.

Kunden spiegeln der Deutschen Bank: Es geht besser

Im Gespräch mit der F.A.Z. gibt Gasser allerdings auch zu: „Wir können noch besser werden. In einem meiner ersten Gespräche als Deutsche-Bank-Manager hat mir ein Kunde gesagt: Eigentlich habe ich mit Euch mehr Anknüpfungspunkte, aber den strategischen Dialog führe ich mit einer anderen Bank. Auch wenn dieser Einzelfall nicht für das Gros unserer Kundenbeziehungen steht, war mir klar: „Wir müssen unser Zusammenspiel zwischen Unternehmerbank und Wealth Management weiter verbessern.“

Philipp WehleDeutsche Bank

Vor der Verpflichtung von Wehle und der stärkeren Einbindung der DOAG hat Gasser schon andere Konsequenzen in diese Richtung gezogen. Zwar bietet die Deutsche Bank auch ein rein digitales Betreuungskonzept an, in dem sie von Mitarbeitern in Frankfurt und Berlin per Teams oder anderen Apps betreut werden. Aber die meisten Kunden wünschten eine Mischung aus persönlicher und digitaler Vermögensbetreuung. Aus Gassers Sicht bleibt daher für das Wealth Management mit seinen 2000 Mitarbeitern die Flächenorganisation mit 330 Niederlassungen das Rückgrat, in dem rund zwei Drittel der Erträge erwirtschaftet werden.

Eine knappe Million WM-Kunden betreut die Deutsche Bank in Deutschland, ansonsten gibt sie für das Wealth Management nur weltweite Zahlen aus: Rund 700 Milliarden Euro werden hier verwaltet, für jeden Euro, den die Deutsche Bank dafür aufwendet, musste sie im Jahr 2025 63 Cent aufwenden nach noch 77 Cent zwei Jahre zuvor. Damit ist das WM lukrativer als das Massenprivatkundengeschäft, in dem 18 Millionen Kunden, davon grob die Hälfte in der Marke Postbank, betreut werden, und für die im Jahr 2025 für einen Euro Erlös noch 74 Cent aufgewendet werden mussten.

Der Deutschen Bank flossen im Jahr 2025 im Privatkundengeschäft weltweit Kundengelder in Höhe von 27 Milliarden Euro neu zu – so viel wie Vermögensverwalter unter den Top 10 in Deutschland wie Metzler oder Julius Bär insgesamt kaum als Kundenbestandsvermögen im Private Banking auf die Waage bringen. Gasser sagt dazu: „Wir sind die Nummer eins im Wealth Management in Deutschland, aber unser Marktanteil entspricht noch nicht unseren Möglichkeiten.“ Um das Potenzial besser auszuschöpfen, soll unter anderem das Zusammenspiel mit der Unternehmenssparte verbessert werden.

Im Tandem mit der Unternehmenssparte

Dafür hat Gasser Führungsebenen abgeschafft und mehr Verantwortung in fünf für das Wealth Management neu gebildete Regionen in Deutschland gegeben, die dem Zuschnitt der Unternehmenssparte entsprechen. Um die Mitarbeiter dazu zu bringen, Informationen über den Kunden mit dem Ziel einer besseren Betreuung untereinander zu teilen, treten sie nun im Tandem auf, ein Mitarbeiter aus der Unternehmenssparte zusammen mit einer Kollegin aus dem WM zum Beispiel. Wenn die Erträge aus der Kundenbeziehung im Konzern überwiegend in einem Teil der Unternehmenssparte gebucht werden sollten, werden sie neuerdings trotzdem auch der Leistung der WM-Kollegin zugerechnet – etwa wenn es darum geht, ihren Bonus zu ermitteln, ist das wichtig. „Indem wir auch die Erträge aus der Zusammenarbeit  berücksichtigen, lösen wir mögliche Interessenkonflikte und setzen die richtigen Anreize“, sagt Gasser. „Damit können wir die Möglichkeiten, die uns die Partnerschaft mit der Unternehmensbank bietet, deutlich besser nutzen.“

100 neue Einstellungen gegen den Hauptwettbewerber Sparkasse

Als Hauptwettbewerber sieht Gasser die Sparkassen, die hierzulande zusammen mit ihrem Wertpapierhaus Deka ebenfalls die Vermögensbetreuung reicher Privatkunden forcieren wollen. Der Start in das neue Jahr 2026 zeige, dass sich die neue „flächendeckende, kundenzentrierte Organisation des WM“ schon anfange, für die Deutsche Bank auszuzahlen.

Für Kunden, die zumindest ab und zu mit einem Menschen über ihre Anlageentscheidungen sprechen, hat Gasser zwei Betreuungskonzepte entwickelt: Entweder man hat einen festen Ansprechpartner in einer Niederlassung oder man kann für etwas komplexere Vermögen auf ein Team aus Anlagespezialisten aus einer Niederlassung zurückgreifen. Die höchstvermögenden Privatkunden, die ihre Anlageentscheidung an eigene Vermögensverwalter in einem Family Office delegiert haben, bekommen nun eine noch zielgenauere Betreuung und werden zum Beispiel bei Börsengängen besonders berücksichtigt. Darüber hinaus will Gasser weiter investieren: 600 Millionen Euro stehen für Technologieinvestitionen bis 2028 im Privatkundengeschäft bereit, etwa für einen KI-Anlageassistenten. Und 250 weitere Mitarbeiter zusätzlich zu den 2000 in seinem Bereich darf Gasser einstellen, allein 100 in diesem Jahr.  Schließlich möchte Gasser den Heimvorteil der Deutschen Bank in ihrem Heimatmarkt endlich voll ausspielen.

Source: faz.net