Stellenabbau, Fabrikschließungen, Reduzierung der Produktionskapazitäten: Die Maßnahmen, die den Automobilzulieferer Mahle zuletzt wieder stabilisiert haben, sind nichts weniger als ein Rückzugsgefecht. Das Stuttgarter Traditionsunternehmen hat auf zurückgehende Autoverkäufe und die schwache Nachfrage nach Komponenten für die Elektromobilität mit einer Intensivierung seines Sparprogramms reagiert – verbunden mit der Ankündigung weiterer Maßnahmen. „Angesichts rückläufiger Märkte in vielen Regionen der Welt passen wir unser Produktionsnetzwerk weiter an“, sagte Mahle-Chef Arnd Franz bei der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch am Stammsitz des Unternehmens in Stuttgart.
Sechs Fabriken in Japan, Korea, Mexiko und den USA hat Mahle 2025 geschlossen, vier weitere Werke in Frankreich, Mexiko, Korea sowie im baden-württembergischen Fellbach sollen dazukommen. Weltweit hat das Unternehmen 3500 Stellen abgebaut, davon 600 in Deutschland. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen, das lange vor allem Technik für Verbrennungsmotoren wie Kolben und Zylinder hergestellt hat, 64.000 Menschen, rund 9000 von ihnen arbeiten an deutschen Standorten.
Zurzeit laufen Verhandlungen über einen Stellenabbau in der Verwaltung und der Entwicklung. Vor allem am Stammsitz in Stuttgart will Mahle jährlich Personalkosten in Höhe von 100 Millionen Euro und Sachkosten in Höhe von 50 Millionen Euro einsparen. „Wie viele Stellen wir streichen werden, hängt auch davon ab, wie hoch die Mitarbeiterbeiträge sein werden“, erläuterte Franz. Für die Maßnahmen hat Mahle schon im vergangenen Jahr Rückstellungen in Höhe von 184 Millionen Euro gebildet.
Auswirkungen des Nahostkonflikts noch nicht absehbar
Der harte Sparkurs hat Mahle dem Renditeziel von sieben Prozent wieder etwas näher gebracht: Ohne die Rückstellungen und Wertberichtigungen für stornierte Elektromobilitätsaufträge in Höhe von 30 Millionen Euro erwirtschaftete der Zulieferer 2025 einen operativen Gewinn (Ebit) von 442 Millionen Euro, was einer Umsatzrendite von 3,9 Prozent entspricht. Im Vorjahr kam Mahle auf 3,0 Prozent. Der Umsatz ging dagegen um 3,6 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro zurück. Im Hinblick auf die weiteren Sparmaßnahmen geht Finanzchef Markus Kapaun für das laufende Jahr bei gleichbleibendem Umsatz von einer leicht steigenden Rendite aus. Größte Unsicherheit sei dabei der Nahostkonflikt. „Die Auswirkungen sind noch lange nicht absehbar“, erläutert Mahle-Chef Franz.
Noch viel größere Auswirkungen auf das Geschäft von Mahle werde aber die künftige EU-Regulierung im Hinblick auf CO₂-Emissionen haben, daran lässt Franz keinen Zweifel. Das Unternehmen verdiene mit seinen Produkten für die Elektromobilität weiterhin kein Geld, weder mit Elektromotoren, Lade- oder Thermo-Management-Systemen. „Unsere Investitionen zahlen sich wegen ausbleibender Stückzahlen nicht aus“, erklärt Franz. 2025 sei der Verbrenner-Anteil am Auftragseingang sogar wieder gewachsen.
Franz erneuerte seine Drohung, alle Investitionen in die rund 30 Verbrennerstandorte von Mahle in Europa auf Eis zu legen, wenn der aktuelle Vorschlag zur Neuregelung des Verbrennerverbots verabschiedet werden sollte. Nach den Überlegungen des Mahle-Chefs gebe es mit der jetzigen Fassung nach 2035 noch einen Markt für rund zwei Millionen Verbrennerautos. Die Komponenten für diese Motoren könnte Mahle in ein bis zwei Fabriken herstellen – und da die Hersteller sich niemals nur auf einen Zulieferer verlassen, rechne sich die Produktion für das Stuttgarter Unternehmen nicht mehr, weil die Stückzahlen fehlten. „In diesem Fall werden wir unsere Investitionen im Rest der Welt tätigen, wo Technologieoffenheit nachgefragt wird“, sagte Franz. „In Europa und in Deutschland werden dann weitere Industriearbeitsplätze verschwinden.“