Schah-Sohn in Berlin: Wadephul lehnt Gespräche mit Reza Pahlavi ab

Der iranische Exilpolitiker Reza Pahlavi hat am Donnerstag in Berlin Gespräche mit Parlamentariern geführt, nicht jedoch mit der Bundesregierung. Bei einem Auftritt in der Bundespressekonferenz bedauerte Pahlavi, der älteste Sohn des ehemaligen Schahs von Iran, dass niemand aus der Bundesregierung mit ihm sprechen wolle.
Am „Tag des Sieges“ der Iraner über das jetzige Regime hoffe er, dem iranischen Volk sagen zu können, dass Deutschland an seiner Seite stehe, sagte Pahlavi. Er warnte westliche Staaten vor einer Beschwichtigung gegenüber dem iranischen System. Dieses allein sei der Grund für den gegenwärtigen Krieg Amerikas und Israels gegen Iran. Pahlavi lebt seit dem Ende der Herrschaft seines Vaters im Jahr 1979 im Exil, lange Zeit davon in Amerika.
Außenminister Johann Wadephul (CDU) sagte bei einem Besuch in Dublin, es sei „nicht die Aufgabe der Bundesregierung“, mit Pahlavi zu sprechen. Dieser komme „als Privatperson nach Deutschland“. Wadephul sagte während einer Pressekonferenz mit der irischen Außenministerin Helen McEntee, Irans Führung solle bereit zu Verhandlungen über ein Ende der Kampfhandlungen im Krieg Amerikas und Israels gegen Iran sein. US-Vizepräsident J.D. Vance sei bereit, zu Gesprächen in Pakistans Hauptstadt Islamabad zu kommen, „aber die Iraner erscheinen zum jetzigen Zeitpunkt nicht“.
Laschet verteidigt Treffen mit Pahlavi
Unter den Abgeordneten, die Pahlavi traf, war auch Armin Laschet (CDU). Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag äußerte sich nach dem Treffen positiv: Pahlavi wirke „sehr ruhig, sehr gelassen“ und sei „ein integrativer Mensch, der versucht, die gesamte iranische Opposition zu bündeln und die Stimme im Westen zu sein“, sagte Laschet im Interview mit dem Sender RTL/ntv.
Laschet hatte das geplante Treffen mit Pahlavi zuvor verteidigt und gesagt, dieser sei ein relevanter Gesprächspartner. „Er ist das einzige Oppositionsgesicht, das man kennt“, sagte Laschet in der ARD. „Und für viele Iraner ist das halt die Alternative erst einmal zum Mullah-Regime.“ Pahlavi sehe sich als Person des Übergangs, „nicht als dauerhafter Herrscher, auch nicht als neuer Schah“.
Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne), der aus Iran stammt, bezeichnete es als sinnvoll, dass Laschet das Gespräch suche. Es gelte, mit „allen oppositionellen Facetten“ zu sprechen, die Freiheit anstrebten. Pahlavi sei eine „Stimme, die sehr viel Hoffnung mit sich verbunden hat“.
Monarchische Gruppen sehen Pahlavi als politischen Anführer der iranischen Opposition. Als dieser in der Bundespressekonferenz gefragt wurde, ob er eine Monarchie in Iran anstrebe, sagte er, das entscheide das iranische Volk. Es gebe in Europa Demokratien, die zugleich Monarchien seien, andere seien Republiken. Die Linke-Außenpolitikerin Cansu Özdemir wandte sich gegen Treffen von Bundestagsabgeordneten mit Pahlavi. Diese schürten Zweifel, „ob wesentliche Vertreter der deutschen Politik ernsthaftes Interesse an einer echten demokratischen Entwicklung in Iran haben“. Pahlavi wurde am Donnerstag auf der Straße mit einer roten Flüssigkeit bespritzt. Die Polizei nahm daraufhin einen Mann fest.
Source: faz.net