Auktion in Berlin: Preußens Glanz und Gloria

Vor zwanzig Jahren, als in Berlin der Palast der Republik abgerissen wurde, um an seiner Stelle das Schloss der Hohenzollern zu rekonstruieren, veranstaltete das Kölner Kunsthaus Lempertz seine erste „Preußen Auktion“. Inzwischen zeitgenössischer in „Berlin Auktion“ umbenannt, bietet die Veranstaltung in ihrer Jubiläumsausgabe am 25. April wieder prunkvolles Kunsthandwerk aus dem 19. Jahrhundert, vor allem aus der von Friedrich II. gegründeten Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM).

Eine Ansicht des Berliner Schlosses nach einem Gemälde von Carl Daniel Freydanck schmückt eine zwischen 1949 und 1870 entstandene KPM-Henkelvase (Taxe 15.000 bis 20.000 Euro). Das Stück kommt aus der Sammlung Reinhard Schönfisch, die allein mehr als 150 Lose der friderizianischen und klassizistischen KPM-Blütezeit zu der Versteigerung beisteuert.

Eindruck machen mit einem Leguan

Preislich an der Spitze steht ein Objekt anderer Provenienz: eine auf 300.000 bis 450.000 Euro geschätzte, in zarten Pastelltönen gehaltene, aber vor Dekor aus Flora und Fauna überbordende KPM-Vase. Um die Schöpfung Alexander Kips’ von 1895 windet sich ein fast vollplastischer Leguan; bekrönt wird das 116 Zentimeter hohe Gebilde von einer Ananas. Als kaiserliches Geschenk kam das Prunkstück in den Besitz der Familie zu Eulenburg. Zu den bemerkenswertesten Stücken der Auktion mit 353 Positionen gehört außerdem ein um 1767 entstandenes Vasenpaar mit weiblichen Köpfen, das wohl Friedrich II. zugedacht war (50.000/60.000).

Prachtstück der Kaiserzeit: 116 Zentimeter hohe KPM-Prunkvase, modelliert von Alexander Kips, aus dem Jahr 1895, Taxe 300.000 bis 450.000 Euro
Prachtstück der Kaiserzeit: 116 Zentimeter hohe KPM-Prunkvase, modelliert von Alexander Kips, aus dem Jahr 1895, Taxe 300.000 bis 450.000 EuroLempertz

Eindruck macht auch eine Tischplatte aus der Porzellanmanufaktur. Mit einer Darstellung des Sonnengotts Helios folgt sie einer Vorlage von August von Kloeber. Die einzige weitere bekannte Platte mit dieser Bemalung bewahrt das Metropolitan Museum of Art in New York auf. Die Version bei Lempertz weicht farblich leicht ab (40.000/60.000).

Taxe 120.000 bis 130.000 Euro: Wilhelm Brücke, „Architektonische Vedute“, um 1828
Taxe 120.000 bis 130.000 Euro: Wilhelm Brücke, „Architektonische Vedute“, um 1828Lempertz

Das wertvollste Gemälde der Auktion schuf Wilhelm Brücke um 1828: die Phantasieansicht einer außerordentlich aufgeräumt wirkenden antiken römischen Stadt als „Architektonische Vedute“ (120.000/130.000). Dem Rundtempel in der Mitte des Bildes, das Brücke schon vor seiner Italienreise schuf, nähert sich bei bestem Wetter ein Paar mit Blumen. So postkartenschön ging es in der Antike selbstverständlich nirgendwo zu. Doch der in Stralsund geborene Maler bediente gekonnt die ewig aktuell bleibende Sehnsucht nach einer idealen Vergangenheit, die es tatsächlich nie gab.

Source: faz.net