Fast 30 Prozent im Minus: Zughersteller Alstom an welcher Handelszentrum abgestürzt

Der französische Zughersteller Alstom hat Investoren abermals verschreckt. Nach der Vorlage unerwartet schlechter Zahlen am Donnerstagabend sank der Aktienkurs. Am Freitag betrug das Minus zum Börsenschluss 27 Prozent. Der Kurs ist damit zurück auf dem Niveau von Mitte 2024, als sich die seinerzeit angespannte Finanzlage gerade zu entspannen begonnen hatte. Alstom ist der zweitgrößte Zughersteller der Welt hinter der chinesischen CRRC und baut unter anderem den Hochgeschwindigkeitszug TGV.

Zwar kann sich Alstom vor Nachfrage kaum retten, weil die Bahn als klimafreundliches Verkehrsmittel auf der ganzen Welt gefragt ist. Nach vorläufigen Zahlen erreichte der Auftragseingang im abgelaufenen Geschäftsjahr den Rekordwert von 27,6 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand hat die Marke von 100 Milliarden Euro geknackt. Der Umsatz legte zu und wuchs auf vergleichbarer Basis um sieben Prozent auf 19,2 Milliarden Euro.

Doch bei der Abarbeitung des stattlichen Auftragsvolumens hakt es wieder einmal. Wegen Verzögerungen bei der Auslieferung neuer Züge musste der Konzern sein Margenergebnis nach unten korrigieren. Während der freie Cash-Flow mit 330 Millionen im abgelaufenen Geschäftsjahr in der erwarteten Spanne von 200 bis 400 Millionen Euro gelegen habe, habe die um Sondereffekte bereinigte operative Marge nur sechs Prozent betragen, so Alstom. Das bisherige Margenziel hatte sieben Prozent gelautet.

Frischer Wind an der Spitze soll helfen

Und die Belastungen dauern an. So teilte der Konzern weiter mit, das Ziel eines freien Cash-Flows von 1,5 Milliarden Euro über die Geschäftsjahre 2024/2025 bis 2026/2027 ebenso wenig halten zu können wie das Ziel einer bereinigten operativen Marge von acht bis zehn Prozent im kommenden Geschäftsjahr. „Die Rentabilität blieb hinter den Erwartungen zurück“, sagte Vorstandsvorsitzender Martin Sion. „Sofortige Maßnahmen“ würden daher eingeleitet, um die Lage zu stabilisieren. Zudem bereite man „tiefgreifendere operative Veränderungen“ vor.

Im Konzernumfeld betonte man, dass die Lage nicht die gleiche sei wie in den Jahren 2023 und 2024. Damals hatte das rasante Auftragswachstum in Verbindung mit Lieferketten- und Lieferproblemen die im Zugbau ohnehin beträchtlichen Lagerbestände stark anschwellen lassen. Diese Belastungen veranlassten die Geschäftsführung seinerzeit dazu, einen negativen Cash-Flow zu erwarten. Anleger setzten die Alstom-Aktie auf die Verkaufsliste, der Kurs ging auf Talfahrt, am Ende flog der Traditionskonzern gar aus dem französischen Aktienleitindex CAC 40.

Die Bilanz sei solide und es gebe kein Liquiditätsproblem, betont man heute im Alstom-Umfeld. Die Lieferkette sei nicht mehr fragil. Auch sei die Integration der Zugsparte des kanadischen Wettbewerbers Bombardier Transport, die sich Alstom nach der geplatzten Fusion mit Siemens Mobility einverleibt hatte, inzwischen abgeschlossen. Die Franzosen hatten sich damit viele Altlasten ins Haus geholt, da Bombardier mit Billigangeboten aggressiv um Aufträge gebuhlt haben soll. Das zog teure Nacharbeiten und hohe Strafen nach sich.

Frischer Wind an der Konzernspitze soll nun helfen, Alstom wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Zum 1. April hat der Franzose Sion den Vorsitz der Geschäftsführung von seinem Landsmann Henri Poupart-Lafarge übernommen. Zuvor hatte er sechs Jahre an der Spitze des französisch-deutschen Raketenherstellers Ariane Group gestanden. In dieser Funktion war es Sion gelungen, die Weltraumträgerrakete Ariane 6 nach jahrelangen Verzögerungen und Kostensteigerungen abheben zu lassen. Ein neuer Transformationsplan für Alstom ist in Vorbereitung und soll in den kommenden Monaten vorgelegt werden. Alle Optionen für Veränderungen lägen auf dem Tisch, heißt es im Konzernumfeld.