ASML treibt Kurse: Chipwerte unbeeindruckt vom Irankrieg

Der Irankrieg treibt seit Wochen die Ölpreise. Zunehmend sind Unternehmen und Märkte rund um den Globus verunsichert. Schließlich ist vollkommen unklar, ob und wann eine dauerhafte Waffenruhe zwischen den USA und Iran errungen wird und in der Folge die für Öl- und Gaslieferungen wichtige Straße von Hormus wieder geöffnet wird. Offenbar gilt das aber nicht für die globalen Tech- und Chipwerte.

War zu Beginn des Irankriegs noch spekuliert worden, der KI-Boom könne zum Erliegen kommen, da der massive Ausbau von Rechenzentren nicht nur teuer, sondern vor allem auch energieintensiv ist, so stehen die Zeichen derzeit offenbar weiter auf Wachstum, wie sich am Mittwoch abermals beim Chipmaschinenhersteller ASML zeigte. Der legte einen schwungvollen Jahresstart hin und erhöhte in der Folge die eigenen Jahresziele – wenn auch nicht so deutlich, wie manch ein Branchenbeobachter erhofft hatte.

ASML legt mit guten Zahlen vor

An der Börse wurden die guten Zahlen dennoch honoriert. Der ASML-Aktienkurs zog zwischenzeitlich um rund 1,8 Prozent in einem ansonsten nur leicht positiven Markt deutlich an, gab im Tagesverlauf aber etwas von den Gewinnen wieder ab.

Frank Sohlleder, Analyst von Activ Trades, kommentierte am Mittwoch: „Auch wenn der Nahostkonflikt das große Bild weiterhin dominiert, rückt nun zwingend die Berichtssaison ins Rampenlicht. Die bange Frage lautet: Erlebt der Technologiesektor heute ein Beben oder den finalen Befreiungsschlag?“, fragte er mit Blick auf ASML. Die Strahlkraft des Zahlenwerks von ASML werde den heimischen Techwerten im DAX, allen voran Infineon und dem Schwergewicht SAP, die Richtung diktieren.

Geradezu klinische Bedingungen sind Pflicht in der Halbleiterherstellung - nicht nur bei  Infineon.
Geradezu klinische Bedingungen sind Pflicht in der Halbleiterherstellung – nicht nur bei  Infineon.Frank Röth

Der Aktienkurs des Münchner Chipherstellers Infineon legte am Mittwoch  deutlich um 1,2 Prozent zu, SAP hingegen nur leicht um 0,2 Prozent. SAP legt in der kommenden Woche Quartalszahlen vor. Auch andere große Tech- und Chipkonzerne wie AMD, der taiwanische Produzent TSMC und KI-Vorreiter Nvidia zeigen bislang in der Krise keine Schwäche – ganz im Gegenteil.

Analyst Neil Wilson, Investor Strategist bei Saxo UK, begründet das damit, dass der Markt bereits denke, der Irankrieg sei vorbei. Der amerikanische S&P 500 sei nur elf Basispunkte vom Allzeithoch entfernt, nachdem der breit gefasste Index am Vortag abermals um 1,2 Prozent auf rund 6967 Punkten geschlossen habe. Der Technologiewerteindex Nasdaq legte um zwei Prozent den zehnten Tag in Folge zu, da Techwerte wie Nvidia, Tesla, Alphabet und Meta jeweils zwischen drei und vier Prozent gewannen, Microsoft immerhin um zwei Prozent stieg. ASML habe am Mittwoch aufgrund der boomenden Chipnachfrage die Ziele erhöht.

In der Krise kaufen

Aus Sicht von Wilson sei das eine Situation wie kurz nach der Zollverkündung im vergangenen April, als ein geopolitischer Schock für Anleger die Möglichkeit bot, in der Krise zu kaufen. Zudem seien die Gewinnerwartungen der Unternehmen weiterhin sehr positiv. Dennoch sei der Markt schlecht darin, geopolitische Risiken einzupreisen. An den Aktienmärkten werde nach vorn geschaut, die Energiekrise als kurz anstatt lang anhaltend eingeschätzt.

Schon am Dienstag ließ eine weitere Meldung aus der Techwelt aufhorchen. Meta und der Chipdesigner Broadcom verlängern ihre Zusammenarbeit für die Entwicklung maßgeschneiderter Prozessoren für Künstliche Intelligenz bis ins Jahr 2029. Die erweiterte ⁠Partnerschaft umfasse zunächst eine Rechenkapazität von mehr als einem Gigawatt – damit ließen sich rund 750.000 amerikanische Haushalte mit Strom versorgen, teilten die Unternehmen mit. Der ‌Broadcom-Aktienkurs legte nachbörslich ‌um 3,5 Prozent zu.

Große Techkonzerne wie Meta, Google und Amazon möchten zunehmend eigene Chips entwickeln, um von den teuren Prozessoren des Marktführers Nvidia unabhängiger zu werden. ⁠Broadcom wiederum hat sich als Partner für maßgeschneiderte Halbleiter etabliert und profitiert von dem Trend.

Source: faz.net