Mittwoch und Donnerstag: Flugbegleiter bestreiken Lufthansa wieder

Lufthansa-Passagieren stehen weitere Flugausfälle durch Streiks bevor. Nachdem Piloten ‌der Kernmarke Lufthansa und der Tochtergesellschaft Lufthansa Cityline am Montag und Dienstag die Arbeit niedergelegt hatten, sollen nun die Flugbegleiter am Mittwoch ‌und Donnerstag in ⁠den Ausstand treten. „Wir haben es hier mit einer Arbeitgeberseite zu tun, die sich in einer Hardliner-Position eingerichtet hat, während sie unentwegt verkündet, ‚jederzeit verhandlungsbereit‘ zu sein“, sagte UFO-Verhandlungsführer Harry Jaeger.

Die Gewerkschaft beklagt, dass sich die Arbeitgeberseite weder in den Verhandlungen über verbesserte Arbeitsbedingungen für die rund 19.000 Flugbegleiter der Lufthansa-Kernmarke noch ⁠in Bezug auf einen Sozialplan für die rund 800 Beschäftigten der vor der Schließung stehenden Cityline  bewegt habe. Für eine Neufassung des Lufthansa-Manteltarifvertrags, in dem es unter anderem um Regelungen zu Arbeitszeit und Urlaub geht, sei über Monate kein aus UFO-Sicht verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt worden. Gespräche über einen Cityline-Sozialplan seien verweigert worden.

Die Gewerkschaft hatte die Flugbegleiter schon am 10. April zu einem eintägigen Arbeitskampf an den Flughäfen Frankfurt und München aufgerufen. Die hohe Streikbeteiligung am vergangenen Freitag habe laut Jaeger gezeigt, „dass sich die Kabine nicht für dumm verkaufen lässt.“ Sie bringe „kaum mehr Verständnis für den Kurs des Managements gegenüber den eigenen Leuten auf.“

Nicht minder scharf fällt die Replik von Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann aus. „Der erneute Streikaufruf der Spartengewerkschaft UFO zeigt auf bedrückende Weise, dass ihr das Schicksal unserer Fluggäste und die Zukunft der Lufthansa völlig gleichgültig sind.“ Die bei der Lufthansa-Kernmarke konzernweit ohnehin schon „besten Einsatzbedingungen“ für Flugbegleiter sollten mit diesem Erzwingungsstreik ohne ernsthafte Verhandlung noch einmal deutlich angehoben werden, hieß es.

Demonstration zum Festakt

Parallel zum Streik ruft UFO zu einer Demonstration am Mittwoch am Frankfurter Flughafen auf. Sie ist auf den Nachmittag terminiert, während Lufthansa in der Konzernzentrale einen Festakt zur Gründung vor 100 Jahren veranstaltet. Dazu wird auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwartet.

„Es gibt kaum einen passenderen Ort, um deutlich zu machen, worum es hier wirklich geht“, sagte der UFO-Vorsitzende Joachim Vázquez Bürger. „Zum Blick auf die Geschichte und Bedeutung der Lufthansa gehört auch der Umgang mit den eigenen Beschäftigten“, sagte er. Das Management solle daher sein Verständnis von Sozialpartnerschaft kritisch hinterfragen.

Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr zeigt im Gespräch mit der F.A.Z. derweil wenig Bereitschaft, auf die Gewerkschaftsforderungen einzugehen. „Lieber einige Tage mit einem streikbedingt reduzierten Angebot der Lufthansa-Gruppe als irgendwann dauerhaft mit einer deutlich reduzierten Kernmarke“, sagte Spohr. Die Kernmarke gilt als margenschwach, Lufthansa sieht die Ursachen auch in „oft jahrzehntelangen komplexen Tarifstrukturen – teilweise aus unserer Zeit als Staatsairline“.  Lufthansa hat mit City Airlines und Discover Airlines neue Tochterbetriebe geschaffen – und erwägt weitere Flüge von der Kernmarke dorthin zu verlagern.

Am Montag hat der Pilotenstreik bei der Lufthansa und ihrem Ferienflieger Eurowings schon zu massiven Flugausfällen geführt und die Pläne Zigtausender Reisender durchkreuzt. So entfällt der größte Teil von insgesamt 570 gestrichenen Starts und Landungen am Flughafen Frankfurt, die der Betreiber ⁠Fraport am Montag zählte, auf die Lufthansa als führendem Anbieter an ihrem größten Drehkreuz. Gut 50.000 Fluggäste waren allein hier von Ausfällen und Umbuchungen betroffen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte die Piloten der Kernmarke Lufthansa und der Regionaltochter Cityline zu einem zweitägigen Streik bis Dienstagabend aufgerufen. Sie sprach von mehr als 700 gestrichenen Flügen am Montag.