Wie die Blockade dieser Straße von Hormus Asiens Lebensader trifft

Ölraffinerie, Pulau Bukom, Singapur.

Stand: 15.04.2026 • 16:39 Uhr

Für den Inselstaat Singapur sind freie Schifffahrtstraßen die Lebensader. Mit Sorge blickt man dort auf die Blockade der Straße von Hormus. Ähnlich geht es Australien. Beide Staaten fordern eine schnelle Deeskalation am Golf.

Aus Singapur kommen ungewohnt deutliche Worte zur Lage am Golf. Der außenpolitisch sonst eher leiser auftretende Inselstaat hat eine Botschaft an die Welt. Innenminister K. Shanmugam fasst Singapurs Position bei einer Rede am Montag zusammen: „Das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen garantiert freie Durchfahrt bei solchen Seewegen.“

Niemand könne dafür Gebühren einführen oder darüber entscheiden, wessen Schiffe Zugang zu diesen Gewässern erhalten, zitiert er weiter. Der kleine asiatische Inselstaat Singapur verfügt über kaum eigene fossile Rohstoffe und importiert seinen gesamten Ölbedarf aus dem Ausland, das meiste aus der Golfregion.

Freie Seewege sind Singapurs Lebensader. Daher wohl auch die deutlichen Worte des Innenministers. Er stelle aber auch klar, dass Singapur damit niemanden unterstütze: „Dies ist kein Fall, in dem wir uns auf die Seite der USA oder westlicher Länder stellen. Was wir sagen, ist in unserem eigenen strategischen Interesse, im Einklang mit dem Völkerrecht – und es ist das Kerninteresse Singapurs“, so Shanmugam.

Auch Australien pocht auf das Öl

Singapur verfügt über Raffinerien und ist Asiens wichtigstes Ölhandelszentrum. Daher war schon vergangene Woche Australiens Regierungschef Anthony Albanese nach Singapur gereist, um über künftige Lieferungen zu sprechen. Denn Singapur ist der größte Benzinlieferant und ein bedeutender Lieferant von Diesel und Kerosin für Australien.

Versorgungssicherheit ist das, was alle Staaten der Region gerade umtreibt. Zurück in Australien kam von Albanese dann zum Wochenbeginn ein deutlicher Apell: „Wir wollen die Straße von Hormus geöffnet sehen, und dass die Freiheit der Schifffahrt gewährleistet ist“, sagt Albanese. Und in Richtung USA und Iran ergänzte er: „Wir wollen eine Deeskalation und dass wieder Verhandlungen aufgenommen werden.“

Ärmere Staaten trifft es stärker

Ohne Deeskalation bleiben die wirtschaftlichen Aussichten weiter trüb. Alles hänge jetzt davon ab, wie lange sich die unsichere Situation am Golf noch hinziehe, sagt Puay Guan Goh von der Nationalen Universität Singapur. „Je länger die Unsicherheit andauert, desto größer werden die Folgen für die Weltwirtschaft sein.“

Das zeigt sich auch an der neuen Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF). In Südostasien werden demnach die Volkswirtschaften langsamer wachsen und die Preise für Konsumenten weiter steigen. Eine Entwicklung, die auch Puay Guan Goh erwartet.

Ärmere Staaten würden stärker getroffen, sagt er, weil sie die Auswirkungen des finanziellen Abschwungs nicht bewältigen könnten. „Aber am Ende werden alle betroffen sein, von höheren Preisen. Und es wird einen generellen Trend zu Inflation geben, als Folge der Krise.“

Egal, wann es eine Lösung am Golf gibt: Die Folgen werden nicht nur Singapur, sondern ganz Südostasien und Australien noch Monate danach beschäftigen, darin sind sich alle Experten einig.

Source: tagesschau.de