Waffenruhe läuft aus: USA forcieren Verhandlungen, Iran ziert sich

Waffenruhe läuft ausUSA forcieren Verhandlungen, Iran ziert sich

21.04.2026, 13:04 Uhr

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US-Präsident Trump stünden verschiedene Optionen offen, sollte der Iran nicht (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

US-Vizepräsident Vance soll im Tagesverlauf nach Pakistan reisen, um eine diplomatische Lösung im Iran-Krieg zu finden. Der Iran drückt sich derweil um eine Zusage herum. Dabei ist noch nicht einmal klar, wann genau die Waffenruhe endet.

Kurz vor Ablauf der Waffenruhe bahnt sich im Krieg zwischen den USA und dem Iran eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche an. Die US-Regierung zeigte sich zuversichtlich, dass die Verhandlungen fortgesetzt würden. Die Führung in Teheran hat iranischen Insidern zufolge signalisiert, Vertreter entsenden zu wollen. Das iranische Staatsfernsehen meldete, es sei noch kein Verhandlungsteam unterwegs.

Ein Vertreter Pakistans, der an den Vermittlungen beteiligt ist, sagte, die Gespräche seien auf einem guten Weg. Sollte es zu einer unterschriftsreifen Einigung kommen, könnte US-Präsident Donald Trump sogar persönlich dazustoßen oder per Video zugeschaltet werden. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, sagte Fox News, man stehe kurz vor einem Abkommen. Dies verdanke man dem militärischen Erfolg und Trumps hartem Verhandlungskurs. Sollte die Vereinbarung scheitern, stünden dem Präsidenten weitere Optionen zur Verfügung.

Laut einem Bericht des Nachrichtenportals Axios reist US-Vizepräsident JD Vance im Laufe des Tages zu den Gesprächen nach Pakistan. Dort sollen die Verhandlungen am Mittwoch fortgesetzt werden. Ein Insider hatte Berichte dementiert, wonach sich Vance bereits am Montag auf den Weg gemacht habe.

„Sie werden verhandeln“

Nach offiziellen Angaben zogen die Behörden in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad fast 20.000 Sicherheitskräfte zusammen. Die Zeit drängt, denn die zweiwöchige Waffenruhe läuft bald aus. Der pakistanische Insider sagt, sie ende in der Nacht auf Donnerstag um 2 Uhr deutscher Zeit. Zuvor war immer die Rede davon, dass die Vereinbarung bereits in der Nacht zum Mittwoch auslaufen würde.

Trump strebt ein Abkommen an, das Ölpreisschocks verhindert. Zugleich will er dem Iran den Weg zur Atombombe versperren. „Sie werden verhandeln, und hoffentlich werden sie ein faires Abkommen schließen und ihr Land wieder aufbauen“, sagte Trump am Montag in einem Radiointerview. „Aber sie werden keine Atomwaffen bekommen.“ Der Iran hofft dagegen, seine Kontrolle über die Straße von Hormus als Druckmittel zu nutzen. So will er ein Wiederaufflammen des Krieges verhindern, Sanktionen lockern und sein Atomprogramm behalten.

Ein hochrangiger iranischer Regierungsvertreter sagte, Teheran prüfe eine Teilnahme an den Gesprächen „positiv“. Er betonte jedoch, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Bislang hatte der Iran Verhandlungen ausgeschlossen. Er begründete dies unter anderem mit der US-Blockade seiner Häfen. 

Die Aussicht auf diplomatische Fortschritte beruhigte die Finanzmärkte. Am Montag schossen die Ölpreise aus Sorge über ein Scheitern der Gespräche um rund sechs Prozent in die Höhe, gaben dann im asiatischen Handel aber wieder nach. Der Preis für die Nordseesorte Brent fiel um 0,6 Prozent auf 94,94 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um 1,2 Prozent auf 88,50 Dollar.

Überschattet werden die diplomatischen Bemühungen von neuen Spannungen: Das iranische Außenministerium verurteilte das US-Entern des iranischen Frachters „Touska“ am Wochenende. Es forderte die sofortige Freigabe des Schiffes und der Besatzung. Der Iran werde alle seine Mittel nutzen, um seine nationalen Interessen zu verteidigen, meldeten staatliche Medien. Die USA trügen die volle Verantwortung für jede weitere Eskalation in der Region.

Das US-Zentralkommando teilte mit: Die „Touska“ habe die US-Blockade durchbrochen und über sechs Stunden wiederholte Warnungen ignoriert. Insidern der maritimen Sicherheit zufolge hatte das Schiff wahrscheinlich Dual-Use-Güter an Bord, die auch militärisch nutzbar sind.

„Tisch der Unterwerfung“ statt Verhandlungstisch?

China, wichtigster Abnehmer iranischen Rohöls, kritisierte das Abfangen des Schiffs. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi hatte am Montag erklärt: Verletzungen der Waffenruhe durch Washington seien ein großes Hindernis für den diplomatischen Prozess. Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf warf Trump auf X vor, die Spannungen durch die Blockade iranischer Häfen zu erhöhen. Trump gebe sich der Illusion hin, „den Verhandlungstisch in einen Tisch der Unterwerfung zu verwandeln“, erklärte Ghalibaf. Der Iran lehne Verhandlungen unter Gewaltandrohung ab.

Die USA und Israel haben am 28. Februar damit begonnen, Ziele im Iran zu bombardieren. Damit wollen sie nach eigenen Angaben vor allem verhindern, dass der Iran Atomwaffen erhält. Teheran bestreitet diese Absicht. Infolge der Angriffe schoss die mit dem Iran verbündete radikal-islamische Hisbollah vom Libanon aus wieder Raketen auf Israel ab, was zum Einmarsch israelischer Truppen in den Südlibanon führte. Auch dort herrscht inzwischen eine Waffenruhe.

Der Konflikt forderte Tausende Tote, schockierte die weltweite Energieversorgung und schürte Ängste vor einer globalen Rezession. Denn der Iran sperrte kurz nach Kriegsbeginn die Straße von Hormus. Durch die Meerenge wird normalerweise etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen abgewickelt. Die USA reagierten darauf, indem sie iranische Häfen blockierten.

Quelle: ntv.de, von Steve Holland und Enas Alashray und Mubasher Bukhari

Source: n-tv.de