Straße von Hormus: Nun wird gezwungen, und Donald Trump lässt die Adler gleiten

Nun blockieren die USA iranische Häfen und die Straße von Hormus. Irre Signale aus Washington und unkalkulierbare Reaktionen verschärfen die Lage


US-Kriegsschiffe blockieren iranische Häfen und die Straße von Hormus

Foto: U.S. Navy/Zuma Press Wire/Imago Images


Es ist die jüngste Maßnahme im US-Krieg gegen die Islamische Republik. Was daraus folgt, dass die US-Marine nun versucht, iranische Häfen zu blockieren, und was ein möglicher Endpunkt sein könnte, ist genauso schwer abzusehen wie die Frage zu beantworten, wie die andauernde militärische Konfrontation nach mehr als einem Monat enden könnte.

Donald Trump streut Konfusion mit Behauptungen, andere Länder, die er eigentlich nicht brauche, würden ihm zu Hilfe kommen. Angeblich soll die Blockade Teheran in die Knie zwingen. Der Präsident behauptet, iranische Vertreter hätten um ein Weiterführen der Verhandlungen gebeten, die am Wochenende in Islamabad stattgefunden haben und erst einmal nichts ergaben. Trump: Sie möchten „unbedingt“ einen Deal abschließen.

Unterschätzen die USA iranische Reaktionen?

Das US Central Command (CENTCOM) mit Sitz im MacDill-Luftwaffenstützpunkt in Florida, der Kommandozentrale für Militäroperationen im Nahen Osten, hat am Montagvormittag Ortszeit bestätigt: US-Streitkräfte würden eine Blockade durchsetzen gegen Schiffe aller Nationen auf dem Weg zu und von „iranischen Häfen und Küstenregionen im Arabischen Golf und im Golf von Oman“. Weiter heißt es, CENTCOM werde die Navigationsfreiheit von Schiffen in der Straße von Hormus zu nicht-iranischen Häfen nicht behindern. Ausgenommen wären somit Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Kuwait und Bahrain.

Besonders wichtig sind die Transporte für China, Indien und weitere Länder Asiens, hat der Informationsdienst energynow.com vorgerechnet. Die kommenden Tage werden zeigen, wie US-Kriegsschiffe die Blockade durchsetzen und die brisante Frage beantworten, ob sie chinesische Tanker stoppen. Wie sehr unterschätzen die USA iranische Reaktionen?

Der US-Kongress ist zu Wochenbeginn von seiner Sitzungspause nach Washington zurückgekehrt. Auf republikanischer Seite gibt es nach wie vor wenig Kritik an Feldherr Trump. Man will anscheinend nicht allzu viel fragen und wissen. Die Republikaner haben Medienberichten zufolge eine geplante Kongressanhörung mit CENTCOM-Chef Admiral Brad Cooper abgesagt. Schon bald allerdings müssen die Abgeordneten und Senatoren über Trumps Forderung nach einem Sonderetat für den Krieg abstimmen. Die Rede war anfangs von 200 Milliarden Dollar; angeblich ist die Summe reduziert worden.

Trump als Heiland mit segnender Hand

Dieses Geld fehlt woanders. In einer nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Ansprache Anfang April sagte Trump: „Wir führen Kriege. Wir können uns nicht um Kindertagesstätten kümmern.“ Nicht die nationale Regierung, sondern die Bundesstaaten müssten für manche sozialen Programme aufkommen.

Die Militäraktion in der Straße von Hormus, die – je nach Verlauf – zum Anstieg des Ölpreises führen könnte, dürfte Abgeordneten und Senatoren im Magen liegen: Seit Beginn des Krieges ist in den USA der Benzinpreis um etwa 30 Prozent gestiegen. Und Donald Trump äußert sich weiterhin widersprüchlich zu Motiven und Zielen seines Waffengangs.

Die New York Times, das pedantisch auf Gleichgewicht und Objektivität bedachte Leitmedium des alten Establishments, trat mit der Warnung auf, Trumps „erratisches Verhalten und seine extremen Kommentare“ hätten eine „Debatte über die geistige Gesundheit der Präsidenten wiederbelebt“. Da ging ein Ruck durch die Medienwelt, Fragen dazu blieben bis dahin Late-Night-Talkshows und Podcasts vorbehalten. Die NYT sprach über Trumps Drohung, „eine ganze Zivilisation“ auslöschen zu wollen und über seinen heftigen Angriff vor Tagen auf den Papst, der den Krieg kritisiert hat.

Trumps Plattform Truth Social hat ein möglicherweise KI-erzeugtes Bild von Trump als Jesus-Figur verbreitet. Darauf segnet der in ein helles Licht getauchte Präsident einen in einem Bett liegenden Mann. Im Hintergrund sieht man Soldaten ähnliche Figuren, die Freiheitsstatue, eine amerikanische Flagge und fliegende Adler. Das Bild wurde später wieder gelöscht. Beflissen kolportierte die New York Times den Kommentar eines Sprechers des Weißen Hauses, Trumps geistige Schärfe und „unübertroffene Energie“ stünden in deutlichem Kontrast zu dem, was man beim Vorgänger Joe Biden gesehen habe.