Schalker Aufstiegsgarant – „Der Trainer ist dieser wichtigste Mann im ganzen Verein“
Die Fallhöhe war hoch für den Tabellenführer, doch Schalke 04 setzte gegen Preußen Münster ein deutliches Zeichen. Die Mannschaft von Miron Muslic bewies im Duell mit dem Zweitliga-Schlusslicht auch ihre mentale Bereitschaft, um aufzusteigen.
Die Ouvertüre weckte Vorfreude auf die große Aufstiegsparty – die für die Fans des Schalke 04 sogar früher als gedacht steigen könnte. Den ganzen Sonntag über hatte rund um die Arena des Tabellenführers der 2. Liga eine nahezu euphorische Stimmung geherrscht – und nach dem klaren 4:1 (2:0) über Preußen Münster brach sich die Begeisterung Bahn: Minutenlang wurde die Mannschaft von Trainer Miron Muslic gefeiert. Die Spieler tanzten vor der Nordkurve, die Fans sangen: „Der S04 ist wieder da!“
Tatsächlich wirkt es fast schon unwahrscheinlich, dass sich die Schalker ihre Chance auf die Rückkehr in die Bundesliga doch noch nehmen lassen sollten. Die Königsblauen haben nach 30 Spieltagen drei Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Paderborn und sechs Zähler auf Elversberg, das derzeit den Relegationsplatz behauptet. Auf dem vierten Rang folgt Hannover mit 54 Punkten. Es wäre allerdings fatal, sich allein auf die aktuell gute Ausgangsposition zu verlassen oder sich gar schon mit den Planungen der Aufstiegsfeierlichkeiten zu beschäftigen, so Muslic. „Ihr könnte machen, was ihr wollt – aber wir werden weiter konzentriert bleiben“, versprach der Coach gegenüber Sky.
Dass seine Mannschaft ausgerechnet auf der Zielgeraden nachlassen wird, scheint tatsächlich unwahrscheinlich – das legte die Leistung vom Sonntag nahe. „Wir waren klar, wir waren extrem fokussiert, wir waren gut“, sagte Muslic nach einem einseitigen Spiel, dessen größte Herausforderung vor allem im mentalen Bereich lag.
Die Partie gegen die Preußen hatte als Pflichtaufgabe gegolten, bei der jeder einen klaren Schalker Sieg erwartete. „Wir wussten, dass wir auf einen Gegner treffen, der den Bus parkt. Da kommt es darauf an, geduldig zu bleiben. Genau das waren wir: Wir haben uns Chancen herausgearbeitet, aber sind nicht zu ungestüm angestürmt“, so Muslic. Es sei eine „reife Leistung“ gewesen.
Keine atmosphärischen Störungen auf Schalke
Die Schalker wirkten gegen das phasenweise überforderte Tabellenschlusslicht vor allem entschlossen. Von Anfang an setzten sie die Münsteraner unter Druck: Allein in ersten zwanzig Minuten erarbeiteten sie sich zahlreiche Torchancen. Allerdings scheiterten Dejan Ljubicic mit einem Kopfball, Kenan Karaman mit einem raffinierten Schlenzer, Soufiane El-Faouzi mit einem Flachschuss und erneut Karaman mit einem Kopfball.
Die Gäste wurden rund um ihren eigenen Strafraum eingeschnürt. Es wurde schnell deutlich, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis der Favorit in Führung gehen wird. In der 36. Minute war es dann so weit: Nach einer hohen Balleroberung flankte der starke Ljubicic scharf nach innen, Karaman stieg höher als zwei Verteidiger und köpfte zum 1:0 ein. Für Karaman war es bereits der 13. Saisontreffer. Kurz vor der Pause erhöhten die Gastgeber auf 2:0, als der Münsteraner Jannis Heuer eine für Timo Becker gedachte Ecke von Adil Aouchiche unglücklich ins eigene Tor abfälschte (45.). Bereits zur Halbzeit wurde auf den Rängen ausgiebig gefeiert.
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Spätestens in der 51. Minute war die Moral der Gäste endgültig gebrochen – als Preußen-Keeper Johannes Schenk einen zwar noch leicht abgefälschten, aber eher harmlosen Schuss von Aouchiche unter dem Körper durchrutschen ließ. Erst nachdem Moussa Sylla (67.) auf 4:0 stellen konnte und die Schalker den Fuß vom Gas nahmen, kamen die Gäste durch den eingewechselten Shin Yamada (82.) noch zum Ehrentreffer.
„Es war ein sehr wichtiger Sieg. Solche Spiele gegen ein Tabellenschlusslicht verlangen viel Konzentration, aber wir haben das gut angenommen“, sagte Karaman. Der Kapitän, der noch den vierten Treffer vorbereitet hatte, wurde bei seiner Auswechselung und nach Schlusspfiff immer wieder in Sprechchören gefeiert. „Das bedeutet mir sehr viel, für so etwas spielst du Fußball. Das tut sehr gut, gerade auch, wenn man an die vergangenen Jahre denkt“, erklärte Karaman. Der Offensivspieler war 2022 nach Schalke gekommen. Er musste den Abstieg 2023 miterleben – sowie die letzten beiden enttäuschenden Zweitligasaisons, als es im Verein unruhig war und die Mannschaft oft von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde.
Diese atmosphärischen Störungen gehören der Vergangenheit an. Das liegt, so Karaman, vor allem an der guten Arbeit von Muslic. „Der Trainer macht einen unglaublichen Job. Er gibt uns die Richtung vor, er sorgt für eine gute Struktur in der Mannschaft. Er ist der wichtigste Mann im Verein“, so der 32-Jährige. Muslic werde auch dafür sorgen, dass die noch ausstehenden vier Aufgaben konzentriert angegangen werden: vor allem das Auswärtsspiel beim SC Paderborn, dem direkten Verfolger, am kommenden Sonntag.
Muslic sieht seine Mannschaft psychisch gerüstet für die entscheidenden Wochen – in die die Schalker als Spitzenreiter gehen werden. „Diese Ausgangsposition haben wir uns über zehn Monate erarbeitet. Wir haben uns darauf vorbereitet, dass die Mannschaft jetzt so weit ist, wenn es um alles geht“ sagte der Trainer. Der Sieg gegen Münster dürfe deshalb zwar kurz gefeiert werden – „aber danach geht es sofort wieder in den Tunnel.“
Source: welt.de