Drohnen und Roboter: Wie Technik den Krieg in dieser Ukraine verändert

Eine Detailaufnahme eines ukrainischen Unbemannten Landfahrzeugs - einer Bodendrohne

Stand: 20.04.2026 • 03:35 Uhr

Erstmals sollen laut der Ukraine ausschließlich Roboter eine russische Stellung eingenommen haben. Unabhängig ist die Aussage nicht zu überprüfen. Doch fest steht: Die Technik hat die Kriegsführung längst verändert.

In Kiew veranstaltet Artur Bulygin einen Roboter-Wettbewerb. Genauer gesagt fahren hier unbemannte Landfahrzeuge um die Wette – ferngesteuert von Soldaten, die sich in Sachen Schnelligkeit, Geschicklichkeit und Präzision messen wollen. Bulygin will die besten Piloten der Ukraine mit den besten Produzenten des Landes zusammenbringen, erklärt er.

„In der Ukraine ist eine ganze Branche entstanden.“ Vergleiche man ukrainische und internationale Hersteller, „dann sind die ukrainischen meiner Meinung nach mehrere Schritte voraus.“

Kurze Wege, geringere Produktionskosten

Das hat auch die ukrainische Regierung erkannt. Sie versucht, die sich rasant entwickelnde Rüstungsindustrie des Landes diplomatisch zu nutzen. Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in den vergangenen Wochen mehrere Rüstungsabkommen mit unterschiedlichen europäischen Partnern abgeschlossen.

„Unsere Soldaten wissen, wie man diese Systeme am besten einsetzt und haben einen kurzen Weg zu den Herstellern“, erklärt Bulygin. Wenn etwas geändert werden müsse, können die Informationen schnell weitergegeben, das System schnell angepasst werden. „Auch Produktionskosten spielen eine wichtige Rolle. Ukrainische Hersteller produzieren 10 bis 20 Mal billiger als europäische.“

Drohnen überwachen heute in der Ukraine aus der Luft eine kilometerbreite sogenannte Todeszone. Wer sich hier aufhält, kann jederzeit angegriffen werden. Weil der Weg durch die Zone so gefährlich ist, müssen Soldaten an vorderster Front oft Monate in ihren Stellungen ausharren. Versorgt werden sie mittels Drohnen und unbemannten Fahrzeugen.

Bodendrohnen für unterschiedliche Zwecke

„Der Krieg hat sich radikal verändert“, sagt Artem. Er ist Techniker bei der ukrainischen Armee. „2022 hatten die Russen noch die Überhand bei der Artillerie. Wir standen unter großem Druck. Jetzt setzen alle auf Drohnen und Roboter.“

In einer kleinen Werkstatt im Osten des Landes repariert Artem unbemannte Landfahrzeuge. Sie sind unterschiedlich groß und erfüllen unterschiedliche Aufgaben: Versorgung, Evakuierung, Aufklärung, Verlegung von Minen oder Stacheldraht – in manchen Fällen sogar Kampfeinsätze. So sei es zuletzt sogar gelungen, eine russische Stellung nur mit Robotern einzunehmen, behauptet der ukrainische Präsident. Belegen lässt sich das nicht – es liegt aber im Bereich des Möglichen.

„Man muss dafür nicht studiert haben“, so Artem. Die Räder am Fahrzeug, an dem er gerade werkelt, seien von einem E-Roller, erläutert er. „Ich habe nur die Gummireifen draufgesetzt, wegen des Schlamms. Es ist alles ganz einfach: eine Batterie, ein Controller, ein Motor – verbunden mit einer Steuerplatine.“ Eine Verbindung werde über Funk oder Starlink hergestellt.

Fehler können Leben kosten

Beim Wettbewerb in Kiew ist der 26-jährige Soldat Andrij Sawtschuk gerade mit seinem unbemannten Fahrzeug an einer Wurzel hängen geblieben. Nun liegt seine Bodendrohne auf dem Rücken, die Kamera filmt in den Himmel. Im Einsatz könnte so ein Unfall seinen Kameraden das Leben kosten, weiß Sawtschuk.

Auch er spricht von einer starken Veränderung des Krieges. „Technologie spielt eine immer größere Rolle. Man kann nicht mehr einfach so zu den Stellungen fahren.“ Die unbemannten Systeme schützten so das Leben der Soldaten. Sawtschuk hat mit seinem ferngesteuerten Fahrzeug einmal fünf Kameraden 30 Kilometer durch die Todeszone evakuieren können, berichtet er.

Unbemannte Landfahrzeuge, Drohnen oder Roboter sind keine neue Erfindung. Doch ihre rasante technologische Weiterentwicklung, die Vielfalt der Systeme und ihr massenhafter Einsatz in der Ukraine sind bisher ungesehen. Es ist ein technologisches Katz-und-Maus-Spiel auf das Armee und Rüstungsindustrie reagiert haben.

Source: tagesschau.de