Nach Trumps Drohungen: Ölpreis steigt oben 100 Dollar – Dax verliert gut ein Prozent

Der große Crash an den Aktienmärkten blieb dieses Mal aus. Am ersten Handelstag nach dem Scheitern der Friedensgespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Iran am Wochenende starteten die großen Börsen in Fernost mit moderaten Verlusten in die Woche. Auch der Dax zeigte nur moderate Verluste. Die japanische Börse in Tokio tendierte schwächer, wobei der 225 Werte umfassende Nikkei-Index ein Prozent auf 56.357 Punkte nachgab. ⁠In Seoul gab der südkoreanische Leitindex Kospi im frühen Handel um 1,2 Prozent nach. Der Dax eröffnete gut ein Prozent im Minus auf 23.560 Punkten.

Nach den heftigen Turbulenzen, die frühere überraschende Wendungen in der Irankrise ausgelöst hatten – nach oben wie nach unten – waren das vergleichsweise schwache Kursbewegungen.

Deutlich stärker reagierten dieses Mal die Anleihemärkte, was dafür spricht, dass sich die Anleger eher vor den langfristigen Folgen der neuen Unsicherheit für die Straße von Hormus sorgen. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte nach dem Scheitern der Gespräche mit Iran angekündigt, dass die USA ihrerseits die Meerenge blockieren wollten. Schiffe, die aufgrund „illegaler“ Gebühren an Iran durch die Straße von Hormus fahren würden, würden die Amerikaner beschlagnahmen.

F.A.Z. Frühdenker – am Morgen das Wichtigste wissen
Werktags um 6.30 Uhr

Welche Nachrichten bringt der Tag? Erfahren Sie das schon beim ersten Kaffee.

Zum Frühdenker

Die Ölpreise ließ diese drohende Doppelblockade der wichtigen Handelsroute, über die der Großteil der täglichen Energieversorgung Asiens fließt, abermals in die Höhe schnellen. Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die Rohölsorte Brent aus der Nordsee ⁠um 7,3 Prozent auf 102,17
Dollar je ⁠Barrel (159 Liter). Das amerikanische Öl der Sorte West Texas Intermediate notierte sogar 8,6 Prozent höher bei
104,91 Dollar. Der für Europa relevante Gaspreis TTF erhöhte sich an den Energiebörsen um 8 Prozent.

Anleiherenditen auf höchstem Stand seit 1997

Anleger in Japan sorgen sich daher vor einem weiteren Inflationsschub durch rasant steigende Energiekosten. Das ließ die Rendite der zehnjährigen japanischen Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit 29 Jahren auf 2,49 Prozent steigen. Auch in Australien und Neuseeland stiegen die Renditen. „Die Unsicherheit über die Aussichten für die Lage im Nahen ⁠Osten bleibt hoch“, kommentierte Anleihestratege Keisuke Tsuruta von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities die Bewegung.

Auch die Rendite der Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit stieg leicht auf 3,06 Prozent, blieb damit aber leicht unter den Hochs aus dem März, die wiederum der teuerste Finanzierungsstand für den deutschen Staat seit 15 Jahren waren.

Ein Hintergrund ist, dass viele Regierungen die derzeit sehr hohen Energiepreise subventionieren oder dies planen, um ihre Bürger vor den Kostensteigerungen zu bewahren. Tokio hat schon am 11. März Notfallzuschüsse für Kraftstoffe eingeführt, um den Benzinpreis bei rund 170 Yen (0,91 Euro) je Liter zu deckeln. Alle weiteren Anstiege will sie aus staatlichen Mitteln ausgleichen. Doch solche Aktionen sind teuer und könnten das Land, das ohnehin schon so hoch verschuldet ist wie keine andere Industrienation, dazu zwingen, weitere Staatsschulden aufzunehmen. Höhere Zinsniveaus machen das Schuldenmachen allerdings zugleich teurer.

Teebauern sollen bevorzugt Öl bekommen

Schon vor den nun abgebrochenen Friedensgesprächen hatte die weiterhin bestehende Unsicherheit über die Sicherheit der Straße von Hormus die Lage an den asiatischen Energiemärkten angespannt belassen. Von 45 Schiffen „mit Japanbezug“ hatten sich laut japanischen Medienberichten in der kurzen Phase der Waffenruhe gerade einmal drei Schiffe durch die Straße von Hormus getraut. Keines von ihnen hat Energierohstoffe nach Japan geliefert. In normalen Zeiten erhält die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt 95 Prozent ihrer Ölimporte aus dem Nahen Osten, einen Großteil davon durch die nun blockierte Meerenge.

Japans Ministerpräsidentin Sanae Takaichi hatte am Freitag angekündigt, dass die Regierung Öl aus den staatlichen Notreserven für weitere 20 Tage freigeben werde. Grundsätzlich sei genug Öl bis ins nächste Jahr hinein da, hieß es von der Regierung. Die Verteilung von Erdölprodukten wie Schweröl und Diesel sei aber in einigen Regionen gestört, wodurch Kraftstoff teilweise nicht schnell genug an seine Bestimmungsorte gelange. Das Wirtschaftsministerium in Tokio rief daher die drei größten Ölkonzerne des Landes dazu auf, besonders wichtige Abnehmer wie Krankenhäuser und auch die Teebauern, die gerade ihre Ernte beginnen, direkt und ohne die üblichen Zwischenhändler zu beliefern.